Zur Gründung der ,Gesellschaft für Psychologische Morphologie‘

Mit der Psychologischen Morphologie wurde im Verlauf der vergangenen 40 Jahre eine Psychologie entwickelt, die in dieser wissenschaftlichen Disziplin neue Maßstäbe gesetzt hat. Die Psychologische Morphologie ist ein theoretisches und methodisches Werk von herausragender Bedeutung, da hiermit grundlegende Fragen der Psychologie eine richtungsweisende Antwort erhalten – dies insbesondere zu einer Zeit, in der (einmal mehr) die „herrschende“ Auffassung von Psychologie, wenn auch nicht außer Kraft gesetzt, so doch in Frage gestellt wird und ein Bedarf nach qualitativ-alltagsnahen Forschungsansätzen artikuliert wird. 

Zahlreiche Studenten und Studentinnen haben sich im Studium mit Psychologischer Morphologie auseinandergesetzt, und viele wählten diese Auffassung von Psychologie als Grundlage ihrer beruflichen Entwicklung. Sie sind heute in diversen Arbeitsbereichen tätig und haben einen individuellen Weg zur Anwendung der Psychologischen Morphologie gefunden.  

Der Lehrstuhl von Wilhelm Salber am Psychologischen Institut der Universität Köln war in all diesen Jahren das Zentrum der Arbeit an Psychologischer Morphologie. Von hier aus erfolgte die Weiterentwicklung und Ausgestaltung des psychologischen Konzepts, die Erarbeitung breit angelegter Erfahrungen im Bereich der Wirkungsforschung sowie die mit der Analytischen Intensivberatung möglichen Praxis in Feldern der Angewandten Psychologie. Im außeruniversitären Bereich sind Einrichtungen entstanden, welche die Entwicklung und Umsetzung morphologischer Konzepte fortgesetzt haben. Die erfolgreiche und expandierende Tätigkeit von Instituten wie der IFM-Forschungsgruppe oder der EVOLOG-Beratungsgesellschaft zeigt, dass die Morphologie auf (wachsenden) Bedarf trifft und sich in verschiedenen „Märkten“ etablieren konnte. 

Dennoch war die Verbindung zu den in den verschiedenen Anwendungsgebieten tätigen Psychologen und Psychologinnen mit einer morphologischen Ausbildung in der Vergangenheit eher locker, nicht hinreichend bzw. kontinuierlich organisiert und weitgehend von individueller Initiative abhängig.  

Die Weiterbildung in Intensivberatung, morphologisch fundierter Musiktherapie bzw. die Veranstaltungen der Kölner Akademie für Markt- und Medienpsychologie boten eine Möglichkeit zur Vertiefung der Beschäftigung mit Psychologischer Morphologie, die aber bislang nur von einem relativ kleinen Kreis wahrgenommen worden ist. Auch die bisherigen Aktivitäten der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Analytische Intensivberatung (WGI) und der Kongress „Wirklichkeit als Ereignis“ im Juni 1992 sind erste – wiewohl durchaus vielversprechende – Schritte für einen hinlänglich breiten morphologischen Austausch.  

Der Aufbau und die Veröffentlichung der Zwischenschritte sowie die Buchreihe „Schriften zur Psychologischen Morphologie“ stellten gleichfalls weitere Markierungen dar, einem breiteren Kreis Einblick in die Entwicklungen der Morphologie zu geben. Auch diese Publikationen sind jedoch nach wie vor um die Arbeit am Psychologischen Institut der Universität fokussiert und müssen in Zukunft umzentriert bzw. weiter ausgebaut werden. 

Mit der Emeritierung von W. Salber im März 1993 stellt sich somit die Notwendigkeit – aber auch die Chance –, für die Weiterentwicklung der Psychologischen Morphologie eine andere und zu erweiternde Basis einzurichten. Sowohl im Hinblick auf die Fortsetzung der Arbeit am wissenschaftlichen Konzept als auch für die Auseinandersetzung mit Psychologischer Morphologie muss ein neuer und anderer Rahmen geschaffen werden, zumal die Nachbesetzung des Lehrstuhls von Prof. Salber mit einem morphologisch bzw. qualitativ-tiefenpsychologisch orientierten Psychologen beim gegenwärtigen Stand der Dinge wenig aussichtsreich scheint. 

Die Weiterentwicklung und Konsolidierung der Psychologischen Morphologie sollte darüber hinaus durch den Ausbau und die Fortentwicklung einer praxis- und „markt“-orientierten Anwendung erfolgen. Es können und müssen zusätzliche Tätigkeitsbereiche erschlossen und die Praxis durch Entwicklung und Erprobung geeigneter Konzepte und Verfahren sowie durch eine wissenschaftliche Überprüfung der Anwendungserfolge gestärkt werden. 

In der gegebenen Situation müssen dafür durch organisatorische Maßnahmen bessere Voraussetzungen geschaffen werden, um den Fortbestand der Psychologischen Morphologie in Zukunft zu sichern. 

Um für die Aufgaben der Psychologischen Morphologie eine langfristig tragfähige Basis bereitzustellen und um die Psychologische Morphologie in Wissenschaft und Praxis stärker zu fördern, ist im September 1992 damit begonnen worden, eine Gesellschaft für Psychologische Morphologie einzurichten. 

Die Gesellschaft für Psychologische Morphologie soll Psychologen und Psychologinnen, die sich in Berufspraxis, Forschung und Ausbildung mit Morphologie auseinandersetzen, den organisatorischen Rahmen für Austausch und gemeinsame Aktivitäten bieten. Sie soll die Arbeit des Salber-Lehrstuhls am Psychologischen Institut aufgreifen und fortsetzen, um so sicherzustellen, dass auch nach der Emeritierung von W. Salber die Psychologische Morphologie im außeruniversitären Bereich weiterentwickelt werden kann. 

 Die Gesellschaft hat somit den Zweck, den Fortbestand der Morphologie in allen für Wissenschaft und Praxis wesentlichen Belangen zu sichern und auszubauen. Diese Zielsetzung bringt im Einzelnen folgende Aufgaben mit sich: 

  • Organisation, Förderung und Unterstützung eines breit und kontinuierlich angelegten Erfahrungsaustauschs zwischen Wissenschaft und Praxis sowie zwischen den verschiedenen Anwendungsbereichen 
  • Durchführung und Koordination von Aus- und Weiterbildung im gesamten Bereich Psychologischer Morphologie 
  • Weiterentwicklung morphologischer Theorie und Methode; Erschließung und Förderung neuer Anwendungsgebiete sowie Diskussion bzw. Weiterentwicklung anwendungsorientierter Konzepte und Verfahren; Entwicklung von Formen sog. interdisziplinärer Zusammenarbeit 
  • Durchführung und Unterstützung im Bereich von Forschungsaufgaben, insbesondere auf dem Gebiet der Grundlagenforschung und im Bereich der Morphologie von Alltag und Kultur 
  • Organisation und Durchführung von Veranstaltungen sowie Tagungen/Kongressen i. S. eines Austauschs und zur Verständigung im Kreis morphologisch tätiger, morphologisch orientierter bzw. -interessierter Psychologen 
  • Präsentation und Diskussion Psychologischer Morphologie in einer breiteren Öffentlichkeit; Wahrnehmung von Öffentlichkeitsarbeit und PR-Aufgaben 
  • Organisation und Durchführung von Veröffentlichungen verschiedenster Art; Aufbau einer Bibliothek, Bereitstellung von Dokumentation und Archiv 

 Die Gesellschaft für Psychologische Morphologie versteht sich als eine „Dachorganisation“ bzw. Neu-Organisation für die verschiedenen, bereits bestehenden Institutionen und Aktivitäten auf dem Gebiet der Morphologie. Sie steht allen morphologisch Interessierten offen und möchte eine breite und kontinuierliche Auseinandersetzung fördern. Die „Richtlinien“ der Gesellschaft sollten sicherstellen, dass unterschiedliche, vielleicht auch konkurrierende Formen morphologisch orientierter Arbeit einen gemeinsamen Rahmen finden. Die weiteren Schritte zur Einrichtung der Gesellschafterfolgen Anfang 1993. Diesbezügliche Informationen und weitere Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. 

 

 Quelle Titelbild: unsplash.com (OpenAI)

Autor:in

Armin Schulte

Armin Schulte

Diplom-Psychologe

Armin Schulte war nach dem Studium der Psychologie in Gießen und Köln zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter am Psychologischen Institut am Lehrstuhl W. Salber und initiierte noch zu Zeiten seines Studiums 1981 die Zwischenschritte, der Mitherausgeber und Chefredakteur er bis 2011 war. Von 1993 bis 2004 war er Geschäftsführer der ‚Kölner Akademie für Markt- und Medienpsychologie‘ (kamm) sowie Leiter der Aus- und Weiterbildung des Kölner rheingold Instituts. Ab 2004 entwickelte er zusammen mit Herbert Fitzek für eine private Hochschule in Potsdam einen morphologisch basierten Studiengang in Wirtschaftspsychologie und ist seit 2012 Professor für Wirtschaftspsychologie an der BSP und Department-Leiter des gleichnamigen Fachbereichs.

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Psychologie von Alltag und Kultur, Qualitative Methodik, Geischte der Psychologie und Didaktik der Morphologischen Psychologie.

Franz Arnold

Franz Arnold

Franz Arnold ist 1953 geboren, lebte in Köln und zog 2023 in den Bayerischen Wald. Er hat im Handwerk als Auszubildender erlebt, wie stark sich unzureichende Führung auf die Menschen und das Arbeitsergebnis auswirkt. Diese Erfahrung führte ihn zur Unternehmensberatung und zur Psychologie: Er suchte einen Weg, Zusammenarbeit und Führung so zu gestalten, dass die Mitarbeiter und das Unternehmen davon profitieren. Er studierte in Köln Psychologie bei Wilhelm Salber, wurde Dipl. Psychologe und startete das Berufsleben als Personalberater. Bereits 1985 gründete er die EVOLOG Beratungsgesellschaft, die seitdem Projekte zur Strategieentwicklung und -umsetzung sowie zur Personal- und Organisationsentwicklung mit psychologischem Ansatz zum Erfolg führt. Dabei war Personalführung immer das zentrale Thema. EVOLOG entwickelte das Konzept der Dynamischen Führung und setze es in vielen Unternehmen wirksam um.