(1986)
Untersuchungen, die am Psychologischen Institut II durchgeführt wurden, werden im Hinblick auf eine „Theorie des Alltags“ zusammengefasst. Eine Analyse, wie die Alltagsformen in sich zusammenhängen, zeigt, dass im Alltag ein Gefüge von Übergängen wirksam ist: Zwischen Bildprogrammen und Tagesläufen, Einverleibungsprozessen und Revolten, Alltagsmythen und Produktionen halten die Taten des Alltags die seelische Konstitution in Gang. Das Gefüge des Alltags ist ein Dazwischen; in diesem Dazwischen zeichnen sich die Konturen einer explosiblen Wirklichkeit ab, die Fassung zu gewinnen oder Verfassungen umzuwandeln sucht. Besonders herausgestellt werden dabei die Übergänge von Maßen und Abweichungen, von Tun und Getan-Werden (Ekstasen), von Selbstverständlichkeiten und Sich-verstehen-lernen-Wollen, von Materialqualitäten und Entwicklungskünsten. An den Übergängen wird sichtbar, wie Seelisches seiner selbst habhaft zu werden sucht und wie es sich in der Behandlung von Wirklichkeit zu etwas macht. Von da aus rücken eine Reihe von Problemen unserer Alltagskultur heute in den Blick.
Seelisches findet sich im Alltag: in dem, was wie von selbst wiederkehrt, bei unseren Sitten des Essens und Trinkens, des Ankleidens oder in dem, was bei Arbeiten und Pausemachen passiert, oder in den Ritualen der Liebeswerbung, des Liebesdienstes, der Auseinandersetzung, beim Geldverdienen und beim Geldausgeben. Der Alltag ist nur zu bestimmen durch das ganze Leben, das wir von Tag zu Tag wieder nähren und ordnen und entwickeln müssen. Diesen Alltag wollen wir nicht nur beschreiben – es geht darum, ob sich eine psychologische Theorie des Alltags entwerfen lässt. Was provoziert eine solche Theorie des Alltags? Einmal die Feststellung, dass in den Lehrbüchern der Psychologie dieser Alltag in seiner Fülle und seinen seelischen Hintergründen – in seinem Verhältnis zur Verwandlung – überhaupt nicht aufgegriffen wird. Dann die Tatsache, dass wir am Psychologischen Institut II seit 20 Jahren viele Untersuchungen zum Alltag durchgeführt haben; sie brauchen eine zusammenfassende Deutung, die ihren Stellenwert, ihre Beziehungen untereinander und zum ganzen Problemkreis aufschlüsselt. Schließlich stellt sich eine metapsychologische Frage: Welchen Stellenwert hat der Alltag, wenn wir ihn zu verstehen suchen von den Anrechten aus, die wir – aufgrund der psychologischen Erfahrung von Lebenswirklichkeit – dem Seelischen zuerkennen? Die Untersuchung von Kultivierungsprozessen stößt im Alltag auf etwas Allgemeines und Unpersönliches (All-Tag; Ganzes; „Es“). Sie findet gerade im Alltag bestätigt, dass Kunst und Theorie durchgängig in allen Äußerungen seelischen Lebens zu finden sind. Gerade der Alltag bestimmt wesentlich mit, was eine „praktische“ Theorie von Verwandlung – der Formenbildung von Wirklichkeit im Ganzen – ausmacht. Und damit tritt auch etwas Paradoxes zutage: In der Seele des Alltags rückt ein unersättliches „Mehr“ heraus – etwas Ausschweifendes, Unruhiges, Sich-Ausbreitendes, auf Verwandlung um jeden Preis Drängendes.
Die „Ruhe“ des Alltags ist die Ruhe, in der sich Ausschweifendes insgeheim entfalten kann, oder die Ruhe, die das Allzuviel des Andrängenden bewältigen soll. Wir müssen von vornherein auf die Sehnsüchte, die Dramatik, die „Nervosität“ achten, die aus scheinbar einfachen Tatbeständen weltbewegende Ereignisse macht. Der Alltag ist das Vor-Gelebte und zugleich das Ewig-zu-Bestimmende. Der Alltag lebt Kunst vor und fordert Kunst heraus: indem das Allgemeine und Ganze des Seelischen von Tag zu Tag wiederkehrt und indem dadurch ständig neu Kultivierungsmaßnahmen gefordert werden. Der Alltag ist Grund und Folge zugleich für das, was wir als seelische Kultivierung und Behandlung von Wirklichkeit ansehen. Das sind doch einige „schöne“ Gesichtspunkte, die es in einer Theorie des Alltags zu verfolgen lohnt. In Bildern wird das Allgemeine und Ausschweifende des Alltags gefasst, beispielsweise bei Lem, der den Menschen in einen Ozean der Formenbildung hineinstellt, die sich zugleich wie ein Kind und ein Gott benimmt; oder bei Rolland, der von einem ozeanischen Lebensgefühl ausgeht – als dessen Kehrseite Freud das Unbehagen herausstellt (was wiederum mit der unvermeidlichen und fruchtbaren Unvollkommenheit des seelischen Alltags zusammenhängt). Aber es geht noch weiter: Kultivierung ist vor allem und von vornherein auf den Alltag gerichtet. Das hebt sich ab von der These, der Alltag sei grau, banal, roh, ungewichtig – dazu wird der Alltag allenfalls zurechtgemacht. Das wendet sich damit auch gegen die These, Kultur habe vor allem mit Höherem, mit Geistigem, eben mit dem Nicht-Alltäglichen zu tun. Den Alltag kann nur bestimmen, wer Bilder, die die Wirklichkeit bewegen, entwickelt, und wer diese „seine“ Bilder durchsetzen kann; durch Gedanken und Vorsätze kommt keine Veränderung von Kultivierungsprozessen zustande. Damit das nun eine Linie erhält – für Fragen, Beweisen und Systematisieren – soll der Alltag in ein Verhältnis zu Verwandlung gesetzt werden: Was tut der Alltag für Verwandlung? Verwandlung ist immer da – wo Ruhe und Unverwandelbares demonstriert wird, müssen wir uns fragen, wo ist die Verwandlung geblieben? Also auch beim Alltag: Wer hat ein Interesse daran, uns einzureden, der Alltag sei grau? Vielleicht ist es der, dem es in lauter Verwandlungsansätzen „zu gut geht“ und der dann damit nichts anfangen kann, der zugleich in einem Zuviel und einem Zuwenig steht. Vielleicht ist es der Groll über die Verwandlung, die man im Alltag nicht behandelt, der den Alltag zu einem grauen Zwang abstempelt.
An einem Sommertag, bei einer Fahrt durch Brüssel, gerieten wir in ein seltsames Treiben: Die Leute haben vor die Häuser Tische gestellt. Auf ihnen wird dargeboten, was es an Essenswertem gibt: Kuchen, Würste, Fleisch, Obst usw. Daneben viele Stände mit allerlei billigen Artikeln. Auf der Straße zieht ein Zug nach dem anderen durch: Trommler, Pfeifer, Tanzmädchen, dazwischen lustig oder zum Erschrecken Verkleidete. Die Leute am Rande machen die Bewegung des Zuges mit. Sie setzt sich fort in die Wirtschaften. Hier wird Musik gemacht, die Leute essen, trinken und lachen. Das alles ist Kultivierung – Kultivierung des Alltags – nur etwas herausgerückter als es sonst der Fall ist. Eine Theorie des Alltags ist immer eine Psychologie der Alltags-Kultivierung. Daher ist es zunächst sinnvoll, einige Vorbestimmungen von Kultivierung zu geben. Es geht hier nämlich nicht darum, auch etwas Psychologisches zur Kultivierung zu sagen. Es geht vielmehr um Seelisches als Kultivierungsprozess. Das Seelische ist von vornherein in die Gesamtwirtschaft unseres Lebens eingebaut. Von dem, was wir als seelisch bezeichnen, lebt die Produktion von Büchern, lebt das Fernsehen, lebt alles, was für den Alltag hergestellt wird – Tische und Stühle, Tapeten, Kleidung usw. Aber das gilt auch umgekehrt: Seelisches braucht offenbar all diese Dinge, weil es sich in ihnen ausbaut oder kultiviert. Georg Simmel definiert Kultur als einen Weg der Seele zu sich selbst. Das scheint besser zu stimmen als die Definition, die Kultur von einer „Natur“ trennt – Natur (an sich) ist bereits ein geschichtlich entwickeltes Kultivierungsprodukt. Aber „der Weg der Seele zu sich selbst“ ist noch genauer zu analysieren. Das tun wir, indem wir davon ausgehen, Seelisches sei ein Kultivierungsprozess – und zwar immer –, und indem wir danach fragen, welche Grundzüge wir bei solchen Prozessen herausheben können. Die Erfahrungen mit der Gesamtwirtschaft drängen darauf, die ganze Sache einmal anders anzufassen, als es in den Lehrbüchern einer „reinen“ Psychologie vertreten wird. Wir müssen davon ausgehen, dass zunächst alles, was wir seelisch vorfinden, ein Kultivierungsprozess ist. Kultivierungsprozesse sind keineswegs ein Sonderbereich der Psychologie, der zu einem zunächst rein Seelischen hinzukommt. In jedem Augenblick und von vornherein ist Seelisches etwas Kultivierendes und Kultiviertes. In jedem Augenblick wirkt bereits die ganze Kultivierungskunst. In jedem Augenblick erfahren wir eine grundlegende Strukturierung von Wirklichkeit – jeder Augenblick ist also immer schon mehr als die Summierung einiger Tätigkeiten oder Erlebnisse, die uns in diesem Augenblick bewusst sind. Aber wir kommen nicht vom Konzept einer Struktur (an sich) auf Grundzüge der Kultivierung – auch hier müssen wir umdenken.
Die Wirkungseinheiten einer Behandlung und Kultivierung sind vielmehr das Vorbild, das uns ein Denken in (Sinn-)Strukturen nahelegt; denn anschaulich sichtbar ist zunächst die Entwicklung von Verhalten und Erleben zwischen materiellen Anhaltspunkten, Regeln, Vorbildern, Anweisungen – wie die Beschreibung des Treibens in Brüssel zeigt. Und dieser Wirkungszusammenhang lässt eigentümliche, übergreifende Zusammenhänge und Ordnungen verspüren: ein Getriebe von Lustigem und Erschreckendem, von vertrauten Gestalten und Verkleidungen. Dieses ist nicht einfach ein Gegeneinander von Trieben und Kräften: Da sind Ergänzungen und Gegenläufe, die sich brauchen – Wirkungsgefüge, Getriebe, Übergänge. Man kann das als Entwicklung von Bildern verstehen – Bilder des Liebens, des Umhertanzens, der Verbrüderung, des „großen Fressens“. Da ist immer mehreres zugleich in Bewegung: ein Ganzes und seine Glieder, Hin und Her, Polaritäten, Steigerungen, Kreise. Was aufeinander folgt, erwächst aus den Drehungen und Wendungen dieser bildhaften Wirkungsgefüge. Alle morphologischen Gesetze sind Gesetze der Bildentwicklung. Wenn wir davon sprechen, die Psychologie sei interessiert an der Struktur in den Phänomenen, dann zeigt uns die Beobachtung kompletter Kultivierungsformen, dass es sich bei „Strukturen“ um Entwicklungsmodelle für eine Verwandlungswirklichkeit handelt. Sie tragen dazu bei, die Aufgaben und Notwendigkeiten, die Explosivkräfte und Organisationsmöglichkeiten der Wirklichkeit in Behandlungsgestalten umzubilden (die Erforschung der Kindheit ist deshalb ein methodischer Zugang zu Entwicklungsmodellen, weil sie die Bildung dieser Getriebe im Werden und in extremen Übergängen zeigt). Kern dieser Entwicklungsmodelle ist das Interesse des Seelischen an Verwandlung: Was lässt sich an Verwandlung unterbringen, unternehmen, zusammenhalten, entwickeln? Das ist das „Zwingende“ der Kultivierung – ihr Leiden und ihr Glück.
Bei einer Analyse des Alltags sollten wir nicht sofort mit dem Ausschweifenden des Alltags beginnen; die Abwehr, der Alltag sei grau, hindert zunächst einmal, genauer hinzusehen, was im Alltag vor sich geht – zwischen den scheinbar entseelten (fremden) Einzeltätigkeiten. Wie bei einem Behandlungsprozess brauchen wir aber Beobachtungen, um genauer herausrücken zu können, was es mit dem Alltag auf sich hat. Daher fangen wir einmal anders an. Man muss nicht sehr viel hinsehen, um herauszufinden, dass Kultivierungsprozesse im Alltag Bildprogramme erproben. Im Alltag wird ausprobiert – und dann stabil gehalten –, was Wirkungseinheiten der Formenbildung organisieren können: den Umgang von Jung und Alt, zwischen verschiedenen Berufen, mit Institutionen, auch den Umgang mit den Aspekten und Stadien des Lebensweges. Durch die Bilder der Rechtschaffenen, der ewigen Kinder, der Aussteiger, der Entrechteten und Beleidigten, der Psychiatrie-Touristen, der Techniker oder der Wissenschaftler gewinnt der Umgang mit einer Verwandlungswirklichkeit einen Rahmen in gemeinschaftlichen (bildhaften) Einrichtungen. Die Bilder halten Handlungsgleichnisse, Verrechnungsmöglichkeiten, Maße und Abweichungen fest. Bilder umrahmen, wie Konflikte ausgetragen werden, welche Erlaubnisse wir haben, an welcher Stelle Helfer gefordert werden. Bilder organisieren Studiengänge, Lebensversprechungen.
Sie geben Moden und Lösungsvorschlägen für die Probleme der Wirklichkeit einen Rahmen: Schäferwelten, Managerwelten, New-Romantics, Frührentner usw. An der Bewegung der Bilder zeigt sich, dass ihnen bestimmte Sorten von Verwandlung zugrunde liegen: Hindurch, Entgegenkommen, Auffliegen, Sich-Häuten. Sie finden in Bildern Ausdruck und Form. Sie werden durch Bilder in ihren Ergänzungen, Gegenläufen, Folgen wie ein Getriebe fassbar, verfügbar und modellierbar gemacht. Bilder beantworten die Fragen nach Konsequenzen von Verwandlung, nach ihren Polaritäten, Auswegen und Metamorphosen – was noch geht, ohne das Ganze zu stören. Die vorherrschenden Bilder für Wirkungseinheiten im Alltag bestimmen zugleich, welche Verwandlungssorten bevorzugt werden – welche zum Hauptbild, welche zu Nebenbildern werden. Was wir als versatil ansehen können, gewinnt durch Bild-Wirklichkeiten (Welten) entschiedene Gestalt; es gewinnt ein Gerüst, Gewicht und Gegengewicht; es wird zu einem „Haushalt“ mit Verteilungs- und Umverteilungsmöglichkeiten. Alles, was uns begegnet, wird hier einverleibt und gewinnt einen bestimmten Stellenwert. Das alles gehört dazu, wenn wir von Bildprogrammen für Verwandlung im Alltag sprechen. Die Bildprogramme im Alltag vertreten mehr oder weniger ausdrücklich die „Weltordnung“, in der wir uns aufhalten. Daher geht es auch bei Kleinigkeiten immer ums Ganze. Daher wird in der Dramatik der Auseinandersetzung um kleine „Fehler“ ausgefochten, dass die Welt in Richtung bestimmter Bilder verändert werden muss – als bräche die Welt zusammen, wenn man es nicht richtig macht. Im Kampf um die Bilder zeigt sich der Anspruch bei der Kultivierung des Alltags, „die Welt“ ins rechte Lot zu bringen – das ist tragisch und komisch und heilsgeschichtlich in einem. Da muss doch ein gewisses Interesse wirksam werden, wenn man sagt, das gäbe es nur auf der Bühne oder auf Lebenshöhepunkten oder in der Kirche. Indem Bilder die Welt einrichten, schaffen sie Umschlagplätze und Tauschmärkte für Verwandlung. Was sich zeigen darf und was nicht, was Wert hat und was nicht – aber auch, wie all das andere dennoch unter die Leute gebracht werden kann. An diesen Umschlagplätzen für Verwandlung wird sichtbar, dass es Verwandlung als ein abstraktes Prinzip überhaupt nicht gibt – (daher ist auch mit dem Ruf „Verwandlung“ nicht viel gesagt – uns interessiert die konkrete Morphologie von Verwandlung). Die Bilder von Bürgerlichkeit, Emanzipation, Wissenschaft wären unwirksam, wenn sie nur als Gedanken oder in Büchern zu finden wären. Sie leben nur, wenn sie das Alltagsprogramm bestimmen: wie gewitzelt, gegessen, genörgelt, verkleidet, zensiert, geworben, beliebtgemachtwird. Psychologische Behandlungen zeigen, dass sich daran auch viel weniger rütteln lässt, als an „Gedanken“ und „Meinungen“. Im Alltag stellt sich die gut-böse Weltordnung immer wieder her, weil sie eingefleischt ist. Aber sie stellt sich nie so her, als gäbe es kein „Besser“ – dafür sorgt schon der Tageslauf. Ehe wir uns mit dem Tageslauf beschäftigen, zunächst wieder etwas Methodisches und Theoretisches – ohne das würden wir den Boden einer psychologischen Analyse unter den Füßen verlieren. Bildprogramme funktionieren, indem sie die Doppelheiten der Formenbildung ausgestalten. Sie beleben sich in Begebenheiten, Ereignissen und kategorisieren sie zugleich im Hinblick auf Halt, Berechtigung, Zusammenhang, Wucht – entsprechend dem jeweils wirksamen Verwandlungsproblem. Halt oder Berechtigung erhalten sich, solange ein Bild von Verwandlung in Wirkung bleibt (Bildungsprinzip); beginnt das Bild zu schwanken, werden bei Halt oder Berechtigung andere Kräfte freigesetzt. So kann das Ansehen der „Tagesschau“ im Fernsehen Anlass zu der Beunruhigung werden, ob die Einheit, die man in den Tag brachte, angesichts der Anfälligkeiten und Zufälle der Wirklichkeit zu rechtfertigen ist. Das bedeutet aber auch, dass die Bildprogramme der Alltags-Kultivierung Gelebtes zubereiten auf einen Übergang zu „Mehr und Anders“. Nietzsche meinte, wir machten uns zum Kind einer Kultur, damit sie uns ständig herausfordert, über ein „Sei-dir-selbst-Genug“ hinauszugehen. Auch aus diesem Grunde stachelt der Alltag ständig ein „Besser“ an. So ein Stachel ist für die Kultivierung des Alltags aber auch der Tageslauf. Er ergänzt wie eine immanente Korrektur die Bildprogramme; zur Theorie des Alltags gehört notwendig eine Tageslauf-Psychologie. Gleich einer Aktualgenese bedrängt und belebt der Tageslauf den Rahmen, den ein Bildprogramm setzt. Der Tageslauf ist ein in ähnlicher Weise immer wieder neu Werdendes – ein paradoxer Antrieb, den zufälligen Forderungen zwischen Morgen und Abend zu folgen, die dann am nächsten Morgen wiederkehren. Der Tageslauf befragt die Bildprogramme, er drängt auf Modifikationen, Erweiterungen, Entwicklungen und Umbildungen. Wir brauchen methodisch immer zwei Figurationen, um Verwandlungen leben und fassen zu können: als Übergang, als etwas, das sich zwischen Gestalten, zwischen Stabilisierung und Umbildung bewegt. So lassen sich auch Bildprogramme und Tageslauf als zwei Figurationen aufgreifen, die einander bewegen – dadurch wird Umverteilung, Stellenwechsel, Umwertung von Einzelheiten in anderen Ganzheiten möglich (diese Wendungen begründen das seelische Nacheinander, nicht Verkettungen oder Assoziationen einzelner Erlebnisse). Die beiden Figurationen bringen auch ihr „Besser“ vor; sowohl der Tageslauf als auch das vereinheitlichende Bildprogramm.
Der Tageslauf bearbeitet die Unruhe der Formenbildung in Reihen zwischen Verfließen und Organisieren, zwischen Zugleich und Entfaltung, zwischen Bleiben und Hindurchgehen – als mache er die Bewegungsseite von Verwandlung in einer Vielzahl konkreter Formen mobil. Daher bietet sich hier eine Klassifikation des seelischen Alltags an: in Formen des Träumens, des Verweilens, des Herumzerrens, des Aufbrechens, des Fahrens, des Organisierens, des Herumtreibens, des Doppelt- und Dreifach-Betreibens, des Isolierens, des Nachschmeckens, des Aufnehmens, des Ausscheidens, des Besorgens, des Durchhaltens, des Erzählen-Müssens, des Brauchens und Zerstörens anderer Menschen. Diese Bewegungsformen ermöglichen es, eine Vielfalt von Wirklichkeiten weiterzuführen – paradoxerweise in einem Lauf, der von Tag zu Tag wiederkehrt und der immer wiederkehrende Notwendigkeiten mit sich bringt. Der Tageslauf füttert die Bildprogramme; er zwingt sie aber auch, sich anzustrengen: durch Ereignisse, Überfälle, Begegnungen, durch Auffälliges und Anfälliges, durch Einfälle, die uns zukommen, während der Tag sich von den Notwendigkeiten der Nachtströmung zu denen der Tagesgebilde dreht (Tageslauf). (Man könnte extrem einen unendlichen Tag der Wirklichkeit ausdenken, der unendlich viele Bildprogrammeals etwas aufruft, das ihn zu Entschiedenheit und Vereinheitlichung bringt.) Ihrerseits geben die Bildprogramme dem Tageslauf Richtung und Zentrierung – sie charakterisieren „normale“ und abweichende Tagesläufe. Daher meint Freud, die Grenze zwischen normal und krankhaft sei teils eine konventionelle, zum anderen aber auch eine so fließende, dass wahrscheinlich jeder von uns sie im Laufe des Tages mehrmals überschreitet. Die Korrekturtendenz des Tageslaufs zeigt sich besonders am Traum; der Traum gehört notwendig zum Alltag – wie die Träumerei. Allerdings ist dabei die Traumbildung psychologisch mehr im Sinne Scherners als im Sinne Freuds zu verstehen. Sie knüpft notwendig immer an Tages-Resten an – die Erledigung von Reizen und Resten dient aber nicht so sehr der Erfüllung bestimmter inhaltlicher Wünsche, sondern vielmehr der Entwicklung von Bildern für Verwandlungen. Der Traum vergegenwärtigt die verschiedenen Sorten von Verwandlung, die wir werden könnten. Er vergegenwärtigt Verwandlung als Sinn; es geht um Verwandlung um der Verwandlung willen. Wie wichtig es für die Ausprägung von Kultivierungsrichtungen ist, Bildprogramme und Tageslauf zu vereinheitlichen, machen die Reglementierungen religiöser oder militärischer Orden sichtbar, das Tagewerk der Bauern, die Arbeitseinteilungen der Industriegesellschaft. Es wäre sicher aufschlussreich, auf diesem Hintergrund einmal zu erforschen, was da dann jeweils geträumt wird. Geräusch und Musik geben dem Ganzen ihre Rhythmik – Glockenläuten, Trompeten, Märsche, Sirenengeräusche und Klingeln. Davon können sich dann „negative“ Reglementierungen der Bohème, der Freischaffenden oder der Hippies abheben – hier wäre es dann aufschlussreich, die geheime Ordnung herauszurücken, die sich nach seelenlogischen Gesetzen einstellen muss.
Offenbar passen bestimmte Bilder nicht für den ganzen Tageslauf; was sich die Karikatur zunutze macht, wenn sie den heroischen Auftritt konfrontiert mit dem Örtchen, wohin auch der Kaiser zu Fuß geht. Einige Bilder passen besonders gut auf bestimmte Tageslaufstationen: Das Ausscheiden von Dreck und Schmutz kann in bestimmten Sorten des Putzens zum Ausdruck von Verwandlungsproblemen der Reinigung und des Hindurchwerdens werden – daher hat dieses Putzen dann etwas mit Zusammenbrüchen und rauschhaften Erregungen zugleich zu tun. Bildprogramme, die der Tageslauf zu erheblichen Änderungen zwingt, um sie dann am nächsten Tag wieder neu erstehen zu lassen, sind beispielsweise das Bild von den lieben Kindern oder das Bild vom Fernsehen als Ort der Entspannung. Modifikationen erfahren die Bildprogramme je nachdem, ob sie in Tageslaufformen geraten, die zu Mitmachen-Müssen zwingen oder auf Entfernung ausschweifen lassen (zusehen, betrachten, diskutieren).
Bei der Kultivierung des Alltags gewinnen die verschiedenartigen Probleme von Verwandlungssorten Gestalt in der Einverleibung konkreter Behandlungsweisen – Pfeiferauchen, Kleiden und Umkleiden, Motorradfahren, Comics-Lesen, Biertrinken. Dadurch erhalten die Wirkungsräume und die Wirkungsgeschichten von Verwandlung ihre Kontur. Paradoxerweise handelt sich erst im Alltäglichen das Gewicht der uns bestimmenden Verwandlungsmöglichkeiten aus: in Zugriffen und Festlegungen, im Handhaben-Müssen, an Töpfen und Knöpfen, im Verzicht; am Sagen- oder Schreiben-Können, was wir hoffen oder leiden; im Funktionieren von Maschinen, Fahrzeugen, Wasserleitungen, Abdichtungen. Daraus erwachsen dann auch Enthaltsamkeit oder die Sehnsüchte nach dem einfachen, vereinfachenden Leben. Dass Bildprogramme zu eingefleischten Weltordnungen werden, läuft über diese Einverleibungsprozesse von Verwandlung. Die gehen jedoch nicht einfach in eine Richtung und sind dann fest; sie kommen erst zur Wirkung, indem wir es immer ein bisschen anders probieren – oder probiert haben. Was in Gang gesetzt wird, verrückt sich. Indem wir das zu packen kriegen, wieder fassen, selbstverständlich- und festmachen, kommen wir zu den Einverleibungsprozessen, in denen sich Verwandlung im Alltäglichen kultiviert. Wir können die Einverleibungsprozesse in vier Dimensionen verfolgen: als Erfahrung-Machen, als Übergang von Tun und Getan-Werden, als Innewerden dieser Formenbildung und als Bewegung zwischen Materialqualitäten und Entwicklungskünsten. Erfahrung-Machen ist ein erstes Stichwort, das wir von Verwandlungsnotwendigkeiten her genauer analysieren müssen. Was Verwandlung konstituiert, fließt nicht lückenlos ineinander über; Erfahrung-Machen hat damit zu tun, dass wir mit der Behandlung von Wirklichkeit nicht glatt zu Rande kommen. Die Kultivierung des Alltags sucht einen stabilisierenden Rahmen auszubilden, der dafür sorgt, dass wir nicht immer wieder alles neu erfahren müssen. Ohne die gemeinschaftliche Einrichtung von Kultivierungsmustern könnten wir keine großen Sprünge machen. Aber dieser Rahmen würde lebensnotwendige Verwandlungen ersticken, wenn er nicht zugleich erlaubte, immer wieder neue Proben auf die Wirklichkeit anzustellen. Da wir in den Kultivierungsmustern des Alltags einen Rahmen für unser Handeln im Hintergrund haben, können wir uns gleichsam in kleinen Dosen mit Erfahrungen zu impfen suchen, die außerhalb des Rahmens gefährlich wären. Wir probieren aus, wie weit wir gehen können, aber wir wissen zugleich, am Abend ist Schluss damit.
Diese beunruhigende und wieder beruhigende Einübung vollzieht sich in einem Hin und Her zwischen dem Maß „ganzer“ Drehfiguren und ihren Gliedzügen – die erweisen sich als verwandlungsträchtig. Sie sind nicht nur Zwischenschritte, Vermittlungen und Kategorisierungen für Ganzheiten, sondern führen auch andere Verwandlungssorten ins Spiel. Gerade weil im Alltag Rahmen gesetzt sind, auf die wir zurückgreifen können, wird Experimentieren möglich – wie bei einer Impfung, ohne das Ganze zu riskieren. So kann man sich für eine Stunde in einen dunklen Isoliertank setzen, um für einen Augenblick anzuhalten, was sonst ständig vorantreibt – das Verhältnis zwischen Gestalten und Verwandlung. Eine Wochenendtherapie sucht etwas Ähnliches in Gang zu bringen – das Problem ist, ob man dann auch wieder in den Alltag rein kann. Beim Schlussverkauf probieren wir es mit Verkehrungen: Gelingt es uns einmal, durchzukommen und auch noch einen Gewinn daraus zu ziehen, lässt sich das Maß der ganzen Drehfiguren, das sonst gültig ist, in die Falle locken, wenigstens einmal überlisten? Bei Fahrradgeschichten laborieren wir an dem Problem herum, ob das, was sonst im Alltag als sehr komplizierte Einheit aufgebaut werden muss, ins Kleine umkategorisiert werden kann. Und am Wochenende probieren wir es sogar in der Richtung, ob der Alltagsrahmen einmal außer Kraft gesetzt werden kann – zu einer neuen und ganz großen Erfahrung unserer „eigenen“ Möglichkeiten. Aber in all diesen Fällen zeigt sich, dass der Rahmen der Alltagskultivierung das Netz ist, das uns immer wieder auffängt. Nur im Traum kommt es Nacht für Nacht zu einem ungeahnten Umdrehen zwischen den alltäglichen Figurationen und ihren Auslegungen – in Richtung anderer Verwandlungsmöglichkeiten. Das lässt den Traum als etwas Seltsames erscheinen; gerade vom Traum her zeigt sich aber auch, dass wir den Alltag zu etwas Bestimmtem gemacht haben; dass wir uns da einen Rahmen geschaffen haben, der bestimmte Selbstverständlichkeiten als Erleichterungen für ein Erfahrung-Machen anbietet. Eine zweite Dimension der Einverleibung von Verwandlung zentriert sich um den Übergang von Tun und Getan-Werden; die Einverleibungsprozesse gewinnen ihre Dynamik im Übergang
zwischen Ekstasen und Verfügbarkeit. Stimulationsprozesse bringen uns durch Einengung oder Zerreißproben in Ekstasen, in denen wir aus der Verfügbarkeit von Kultivierungsmustern heraustreten. Das geschieht aber um den Preis von Verfügbarkeit überhaupt – dass wir Ekstase und Verfügbarkeit nicht zusammenhalten können, versetzt uns in einen Wirbel von Allmacht und Angst. Spiele bleiben demgegenüber auf der Seite der Verfügbarkeiten, öffnen sie aber ausdrücklich durch das Zulassen von Zufall. In der Verbindung von Zufall und Verfügbarkeit kann es auch zu Ekstasen kommen – aber sie werden dann immer wieder vom Spiel und seinen Regeln aufgefangen. Das gilt auch für Glücksspiele: Das Setzen einfach auf Glück ist begleitet von einer ungeheuer ausgedehnten Dramatisierung der Reste von Verfügbarkeit, die hier immer noch im Spiel sind. Zudem stellt uns das Glücksspiel mit seinen klaren Entscheidungen immer wieder auf den Boden des Verfügbaren. Es legt sich nahe, den Übergang von Tun und Getan-Werden auch bei Arbeitsprozessen zu untersuchen, in der Industrie, zu Hause, bei der Verwaltungsarbeit, beim Studieren. Wenn man diese psychologische Frage verfolgt, beginnt man mehr und mehr darauf zu achten, welche Rolle Zufallsmagie, Dramatisierung, Annäherung an Ekstatisches auch hier spielen. Das erklärt auch, warum wir nach der Arbeit in den Spielen des Fernsehens das Ganze noch einmal und noch deutlicher auf Verwandlungsprobleme bezogen vor Augen haben wollen. Es überrascht uns nicht, dass diese Formenbildung bei der Behandlung von Wirklichkeit ihrer selbst innewerden kann – als könne sie sich selbst als solche erfahren und genießen. Die Untersuchung von Komplexentwicklungen in Filmgeschichten verdeutlicht diese Doppelheit besonders eindringlich. Das Innewerden der Formenbildung kann sich zu einer „Psychisierung“ verselbständigen: Zu bestimmten kulturellen Bildprogrammen gehört es, eine sogenannte Innenwelt herauszurücken und ihre Verwandlungsprobleme einzuverleiben. Diese Art „Seelentum“ kommt in den „sentimentalen“ Neigungen der Neuzeit auf – daran hängt sich ein ungeheurer Kultivierungsapparat an. Die Formenbildung wird ihrer selbst inne zwischen dem Praktizieren von Selbstverständlichkeiten und einem Sich-verstehen-lernen-Wollen. Ohne (unbefragte) Selbstverständlichkeiten funktioniert der Kultivierungsalltag überhaupt nicht. Die Selbstverständlichkeiten sind nicht angeboren; sie werden vielmehr durch Bildprogramme hergestellt, damit es uns im Alltag nicht so geht wie dem armen Tausendfüßler, den die Beunruhigung seiner Selbstverständlichkeiten aus dem Tritt brachte. Selbstverständlichkeiten – Rituale, Umgangsformen, Maximen der Selbstbehandlung – durchformen die Wirkungseinheiten, in denen wir leben; sie setzen Entwicklungsmöglichkeiten für die Bewegung komplizierter Getriebe eines Indem frei. Demgegenüber ist das Sich-verstehen-lernen eine Vorform der Konstruktionserfahrung, an der wir die Kunst der Behandlung von Wirklichkeit verspüren. Was im Alltag wie von selbst wirkt und nicht begründbar „da“ ist, kann fremd, unfassbar, ungeheuerlich werden, wenn wir versuchen, es zu verstehen. Das wird beispielsweise zu einem Problem für Psychologen, wenn sie sich etwas näher mit dem „Seelischen“ beschäftigen wollen. Aus Angst, hier in unübersehbare Verwandlungen hineinzugeraten, zieht sich ein Teil der Psychologen dann darauf zurück, selbstverständliche kulturelle Anforderungen in „Seelendinge“ umzufunktionieren (Denken, Wollen, Intelligenz, gute und böse Liebe usw.). Psychologisch aufschlussreich sind die Entwicklungen, bei denen Selbstverständlichkeiten in die Bewegung eines Verstehen-Lernens geraten. So kann sich ein Streit um Selbstverständlichkeiten entzünden, der dazu führt, herauszufinden, was bei uns vorgeht und worum es uns geht.
Die Weltreise, die den Selbstverständlichkeiten des Alternativen und Paradiesischen nachjagt, kann im Scheitern der großen Erwartungen dazu führen, dass man die seelischen Probleme verspürt, die mit Nähe und Ferne und Sehnsucht und Weiterhinaus verbunden sind. Dass aber auch das „Sich-Verstehen“ wiederum zu einer unantastbaren Selbstverständlichkeit werden kann, zeigt die Untersuchung von Brieffreundschaften. Wie ein ewiger Vorgeschmack sollen hier Möglichkeiten von Verwandlungen davor bewahrt werden, gekocht und gegessen und einverleibt zu werden. Eine vierte Dimension der Einverleibung von Verwandlung hat mit der Polarität von Materialqualitäten und Entwicklungskünsten zu tun – dazwischen bilden sich unsere Werke der Behandlung von Wirklichkeit aus. Hier treten auch die Dinge, mit denen wir umgehen, als Einverleibungsformen von Verwandlung zutage. Dinge sind Bilder oder Gliedzüge von Bildern, die in Austausch und Umsatz auf Widerständiges, Festzuhaltendes, Fremdes und Mitbewegendes ausgeformt werden, das uns gegenständlich in den Weg tritt. Dadurch stellen wir materiale Vorwerke einer Behandlung von Wirklichkeit her – sie verlängern, qualifizieren, rüsten aus, sie machen seelische Entwicklungskünste fasslich. Paradoxerweise stellen sie uns aber auch umgekehrt vor Augen, wie ein „Ganzes“ aussieht, das in Entwicklung ist. An Möbeln erfahren wir Einverleibungsqualitäten von Verwandlung in Zügen des Umstellens, Feststellens, der Beweglichkeit, aber auch in Versperrendem, in Aufnehmendem, in Wiederhervorzuholendem. In Geschenken stellen wir Drehdinge her, die Verwandlung plastisch werden lassen zwischen Aneignung und Gegenaneignung. An Windeln entfalten sich die vielfältigen Probleme des Selbst-Mutter-Werdens an materialen Behinderungen, Resten, Beseitigungen, Haufen – das hat etwas mit dem langwierigen Anziehen und Abstoßen beim Märchen vom „Bärenhäuter“ zu tun. Der Kreis zwischen Materialqualitäten und Entwicklungskünsten dreht sich so weit, dass es uns gelingt, das „Besondere“ zum Ding zu machen – etwa beim Sekt; etwas Ähnliches lässt sich beim Sammeln beobachten.
Im Alltag gewinnt Verwandlung Programmcharakter, und zugleich wird mit der Einverleibung des Programms herumexperimentiert – Verwandlung wird vergrößert, verkleinert, zurückgedrängt, wiedergeholt, entleibt, übersteigert, unter Druck gesetzt. Die Einverleibung befrachtet Verwandlung mit Geräuschen, Reizen, Schmerzen, Handgriffen, Umstellungen. In der Kultivierung des Alltags baut sich wirklich ein Markt (Umschlagplatz, Verkaufsstelle) für Verwandlung auf. Die Kultivierung des Alltags wird zum Medium von Verwandlung, in dem sich etwas herstellt in Ergänzung, Ausdrucksbildung, Vermittlung, Gestaltung und Umgestaltung. Aus diesem Medium, das wir herstellen, erwachsen Haushaltsformen, Verlagerungsmöglichkeiten, Neuzentrierungen, aber auch die Verwicklungen der Verwandlung durch Verwandlung. Das kann man als eine Spannung von Unterbringen und Revolte zu charakterisieren suchen. Die Wirkung dieser Spannung ist bereits bei der Beschreibung von Einverleibungsprozessen spürbar; sie sind so wirksam, weil sie in einem Hin und Her produziert werden. In solchen Herstellungsprozessen wird Verwandlung untergebracht – umgekehrt: zugleich wird aber auch alles, was sich bewegt, in Verwandlungs-Getrieben untergebracht. Einverleibungen bringen Verwandlungen unter – das heißt zugleich, Verwandlung braucht Einverleibungen und bringt sie in ihre Entwicklungsformen. Die Verwandlungsgetriebe sind Formenbildungen mit Forderungen, Notwendigkeiten, Maßen und Konsequenzen. Sie verfassen Wirklichkeit in Verhältnissen von Spannung und Lösung, von Bindung und Destruktion, von Aktiv und Passiv, von Oben und Unten. Das ist auch das Skelett der Bildprogramme. Die Einverleibungsprozesse von Verwandlung erhalten ihren Sinn im Hinblick auf dieses Unterbringen. Das treibt sich gegenseitig voran. Damit kommen aber auch Notwendigkeiten anderer Züge zum Vorschein: Das Sich-Betreiben führt notwendig in Revolten.
Sie kramen an dem Unterbringen herum. Sie drehen daran. Wir geraten notwendig in ein solches Entwicklungsdenken, wenn wir Seelisches von Verwandlung her konsequent kategorisieren wollen. In den Formen psychologischer Behandlung treten die Zwänge des Unterbringens wie auch die Extreme von Revolte ausdrücklicher heraus als in den Geschichten und Rationalisierungen der alltäglichen Selbstbehandlung. In Worten und Gedanken ist man bereit, sich schon zu Beginn der Behandlung das ganze Einverleibungsschema heutigen Seelentums überzuziehen: Mutterbindung, Kastration, Zwänge statt Selbstverwirklichung usw. Aber all die kleinen Selbstverständlichkeiten bleiben ungebrochen. Die alltäglichen Einverleibungen bleiben unantastbar; wer unbeteiligt ist, ist überrascht, was alles nicht anders gesehen, nicht verändert, nicht angefasst werden kann. Das hängt meist damit zusammen, dass darin explosible Verwandlungserfahrungen gehalten werden. Ihre Revolte gegen das Unterbringen soll nicht aufhören und zugleich sollen sie doch nicht in einen Umsatz mit dem Ganzen gebracht werden. Die Angst-Lust von Vernichtungen oder die Süße von Verschlingen und Verschlungen-Werden – das schlägt alles, was sich als „grau“ und „normal“ herstellen lässt. Wie Einverleibungen, Unterbringen und Revolte von Verwandlung einander bewegen, wird auch bei den Untersuchungen zum Film, zur Literatur, zu Comics und Schlagern sichtbar. Diese Medien gehen dem Vorgelebten der Alltagsprogramme nach; sie konturieren sie in Nach-Bildungen aus und geben dadurch unserem Umgang mit der Wirklichkeit Anhaltspunkte, Wendepunkte, Operationsschemata. Damit gehen sie zugleich über das Vorgelebte hinaus – sie sind Unterbringen, ein „Indem“ mit ständig knisternden Revolten. Da drängt sich anderes durch das Nahe; es wächst aus den Resten heraus; da sitzt uns ein „Ferner“ im Nacken und liest, hört, singt mit. Damit werden wir wiederum auf Züge aufmerksam, die der Kennzeichnung eines „grauen“ Alltags widersprechen. Der Alltag wird bestimmt durch ein „Immer-Mehr“. Das „Immer-Mehr“ hat ebenfalls keine einfache Ursache; es hat mehrere Wurzeln, die mit den Problemen der Verwandlung zusammenhängen: die Unruhe der Verwandlungsbedingungen, die Übergangs- und Extremisierungstendenzen der Formenbildung, ihre unvermeidliche
Unvollkommenheit, nicht zuletzt die vielfältigen Anregungen der Wirklichkeiten, in die uns der Tageslauf immer wieder verwickelt.
Im Kultivierungs-Alltag wimmelt es von Sehnsüchten, Dramen, Extremen, Metaphysik – das wird meist nicht bemerkt und soll auch nicht bemerkt werden. Das hört auch nicht bei den Arbeitsprozessen auf; man muss sie nur komplett psychologisch beschreiben. Dann zeigt sich, was sich alles dabei abspielt. Ein „grauer Alltag“ lässt sich nur zurechtmachen vor diesem Hintergrund; „grau“ entspringt dem Groll des „Immer-Mehr“, das nicht direkt zum Zuge kommt. Das ist die Trostformel, der Gegenangriff, der einen Schuldner braucht. Eine geheime Dramatik im Umgang mit Menschen und Dingen, Erzählungen, Tagträumen, Schlagern, Werbung – sie sind immer bei all den scheinbar einfachen Tätigkeiten des Alltags dabei – den sogenannten Pflichten, den Banalitäten, dem Kleinkram. Die Bildprogramme als Maß, Rahmen und Handlungsanweisung erwachsen aus dem „Immer-Mehr“. Ihre Gewalt gründet sowohl im Verspüren einer Anarchie von Tendenzen als auch in der Notwendigkeit, dieser Wirklichkeit eine Gestalt zu geben. Es ist diese Gegensatzeinheit, die in Bildprogrammen für den Alltag kultiviert wird. Die Alltags-Kultur ist etwas Explosibles und dessen Gerüst in einem. Auch daher hätten wir es gerne alles etwas einfacher – das begünstigt die Selbstverständlichkeiten von „Weltordnungen“, und das begünstigt auch die Trennung in „Eigentliches“ und „grauen Alltag“. Die paradoxen Züge eines unersättlichen Mehr, das auf Behandlungsprogramme drängt, decken eine konstituierende Unvollkommenheit des Seelischen auf – es lebt in Ergänzungs- und Übergangsfigurationen; das sind seine Ganzheiten, und die haben nicht viel Harmonisches an sich. Zum anderen machen diese Züge auf die Doppellogik der grundlegenden Entwicklungsmodelle aufmerksam, die in den bewegten Bildern ihren Ausdruck finden: Der Alltag behandelt den All-Tag. Im Suppe-Kochen, Nörgeln, Wegessen, Umwerben, Etwas-Leisten, im Herfallen über andere werden typische Verwandlungsprobleme der Wirklichkeit ausgetragen – als bestimmten wir dabei den Sinn des Ganzen überhaupt, indem wir auf eine Verwandlung setzen. Was in den Märchen in Erzählform gebracht wird – und dadurch auch verrätselt – das leben wir im Alltag. Die Kultivierungsprogramme, die dem Alltag ein Gerüst geben, sind von vornherein bestimmt durch die grundlegenden Verwandlungsprobleme von Wirklichkeit. In den alltäglichen Verrichtungen wird der All-Tag real behandelt: die Mächte, die Grundbestimmungen, die Wandlungen des Lebens in dieser Wirklichkeit. Das muss man im Blick behalten, wenn man charakterisieren will, was seelische Realität ist. Ihre Analyse deckt in den Verwandlungstendenzen Determinationen auf, die uns verfolgen und bestimmen – wie etwas Dämonisches. So arbeitet „Hans im Glück“ heute zwei Jahre für ein Auto – das bringt zu viele Lasten – also ein Motorrad; ein Sturz: zum Fahrrad – aber zu Fuß geht es noch besser. Und dann? Mit Hilfe einer Analyse typischer Verwandlungsgetriebe, wie sie sich im Märchen zeigen, suchen wir den Alltag und den All-Tag überschaubarer zu machen. Wir heben verschiedene Sorten von Verwandlung – mit eigentümlichen Problemen, Kategorien und Gefügen – heraus und setzen diese Figurationen an die Stelle einer Klassifikation von Trieben oder Elementen. Methodisch bedeutet das, dass unsere Beschreibungen zu „Erklärungen“ werden, indem in ihnen „märchenhafte“ Entwicklungsmodelle heraustreten. Das sind ungewöhnliche Erklärungen, die man normalerweise bei Psychologen nicht erwartet. Aber nur diese Erklärungs-Getriebe werden dem Alltag, der den All-Tag behandelt, gerecht, mit seinen Extremen, Paradoxien, Umbrüchen, mit seiner Bild-Besessenheit. Das Mehr des All-Tags ist jedoch auf Produktions-Formen angewiesen. Produktionen binden und bündeln, was in Bewegung gerät, zu „Portionen“. In Produktionen qualifiziert sich seelisches Geschehen als Dazwischen und als Herstellung von etwas. Es gewinnt ein Gefüge in Stundenwelten und in Werken, die mit ihrer Eigenlogik auf Zeit vielfältigen Entwicklungen ein Gerüst geben; das vollzieht sich in einem Umsatz, in Austausch, in der Dramatik von Geschichten, im Kreis von Aufbauen und Zerstören. Auch das „Ödipus“-Märchen kommt nur in solchen Produktions-Portionen zur Wirkung. Daher lässt es sich auch nur an alltäglichen Werken aufdecken. Welche Sorte von Verwandlung auch immer wir verfolgen – das Hindurch, das Entgegenkommen, das Hochgehen, die Inversion des Ganzen – sie ist nur zu finden in bestimmten Handlungseinheiten des Sich-Kleidens, des Gesprächs, des Arbeitens, des Sinnierens, des Putzens (wobei die Verwandlungssorte, die Anhalte sucht, nicht zugleich als Thema im Vordergrund stehen muss). Daran zeigt sich auch, dass die Praxis psychologischer Behandlung immer auf solche Konstruktionen bezogen ist. Da diese Produktionen notwendig bündeln, was an Einrichtungen heute verfügbar ist – Bügeleisen,
Schreibmaschinen, Radio – wird noch deutlicher, dass es sich hier um endliche und geschichtliche Formenbildungen handelt. Das „ewige“ Mehr bricht sich notwendig in geschichtlich entwickelten Lebensfiguren – unsere Alltagskultur lebt ihre Märchen in „industriellen“ Formen; unsere gemischte Lektüre von Urgeschichten und Science Fiction illustriert, was hier ineinandergreift. Man hat sich früher viel über das „Principium individuationis“ den Kopf zerbrochen. Im Verhältnis von All-Tag und „eigensinnigen“ Produktionsformen tritt so etwas zutage. An den Leiden des Alltags, die sich dem Gelingen und Misslingen von Produktionsformen verbinden, oder an den Erfahrungen „unserer“ verkehrten Welt verspüren wir sinnlich-material „Eigenes“ – gleichsam von Verfehlen und von Kehrseiten her. Und wir verspüren dabei zugleich auch den Wunsch, dass Verwandlung uns „lieben“ solle – dass der All-Tag „unser“ sei – was wiederum mit dem Übergang zu tun hat, den wir „Selbst“ nennen möchten. Eine ähnliche Erfahrung erwächst aus Krisen: An banalen Dingen und Ereignissen scheint eine andere Sorte von Verwandlung herauszurücken als diejenige, der wir bisher zu folgen gezwungen waren. Die Portionen, zu denen wir Leben formen, können sich offenbar so ausgestalten, dass sie zum Übergang für „neue“ Verwandlungen werden (die auch Formen brauchen und ihnen entsprechende Produktionszüge begünstigen). So kann sich die Richtung der Verwandlung ändern über eine Freude an Dingen, über Blicke und Anblicke, über ein anderes Ausführen von Wirklichkeit. Auch hier hat wiederum der Traum eine Stelle – wenn wir beachten, dass er eine komplette Produktion ist, die auskonstruieren kann, was in der Tagesströmung unbemerkt aufkam. Der Traum expliziert das in seiner Bildsprache – er lässt andere Verwandlungssorten Bild werden als diejenigen, um die sich der Tageslauf zentrierte. Der Traum dreht an den Bildprogrammen, vertieft, mindert, verändert die Stellenwerte. Er steigert und führt an extreme Konsequenzen heran. Was man dabei als Regression bezeichnet, hat mit einem Bildwechsel zu tun, bei dem vor allem die Stellenwerte von Vergrößerungen und Verkleinerungen ausgetauscht werden. Den Zügen des Erfahrung-Machens entsprechend können bei diesem Bildwechsel sowohl Figurationen als auch Kategorisierungen umgedreht werden.
Was ist nun das Wirkliche des Alltags? Es ist das Ins-Werk-Setzen der Formenbildung von Wirklichkeit an jedem Tag und ganz und allgemein. Alltag ist Formenbildung an diesem Tag und am nächsten Tag, als Unruhe und Unvollkommenheit, die „auf etwas aus“ ist, wie auch als Zwang, das zu kultivieren – das Treiben behandlungsfähig und regelhaft zu machen, ihm Rückhalt zu geben in einem „Es-geht-immer-wieder (so)“. Es sind nur ein paar Notwendigkeiten, die jeder Tag ganz und allgemein mit sich bringt, aber ihre Wucht stellt mit jedem Tag von neuem alle besonderen Kultivierungsformen auf die Waage – Höhenflüge, Ausbrüche, Spezialisierungen, Lebenskünste, Neurosen. Der Alltag holt alles immer wieder in sein Ganzes zurück. (‚ganz‘) Der Alltag bringt immer wieder das Total von Verwandlung ins Spiel, irgendwie und ungefähr; es kann überall losgehen. Zugleich repräsentiert er die Maße, Verhältnisse, Wirkungsgefüge und Konsequenzen, die das mit sich bringt. Beides aber als etwas, das nicht außer Kraft gesetzt und (perfekt) zur Ruhe gebracht werden kann, solange wir am Leben bleiben wollen. Dabei wirkt das eine immer nur über das andere. So vollziehen sich die geschichtlich entschiedenen Bildprogramme immer unter dem Blick der alltäglichen und allgegenwärtigen Unruhe. Aber jede Regung und Bewegung ist bereits auch immer Behandlung dieser Unruhe. (‚jeden Tag‘) Die Kultivierung des Alltags ist so etwas wie eine Elementar-Kunst. Sie lässt sich auf die Explosivkräfte elementarer Gewalten ein, probiert ihre Reibungsflächen aus und versucht zu verfolgen, wie sich das ordnet. Daher hat man Kultivierungsprozesse seit alters her mit Bewässerungsanlagen oder mit den Wendungen der Bodenbearbeitung (colere) verglichen; man kann sie auch mit der Gärtnerei oder mit Feuerwerkskünsten zusammenbringen. Doch der Vergleich hinkt; denn es ist nicht so, als gäbe es im seelischen Alltag für sich „reine“ Elementarkräfte und daneben einen Haufen von Schutz- und Behandlungsmaßnahmen. Es geht von vornherein um Verwandlung. (‚allgemein‘) Wir sind mit den Elementarkünsten wieder auf die Züge gestoßen, die den Wirkungsraum der Alltags-Kultivierung entfalten.
Sie gehen auf die Notwendigkeiten von Verwandlung ein. Sie bieten etwas an, das Verwandlung in Umsatz hält, das Verwandlung als Verwandlung „allgemein“ verspüren lässt und das Übergänge von Gestalten in andere Gestalten betreibt: In den Kultivierungsformen des Alltags finden Selbsterfahrung und Selbstgenuss von Verwandlung ihre Stütze. Verwandlung wird ihrer selbst inne, nicht allein in dem, was an Wirklichkeit in Verwandlung gerät oder was Seelisches alles werden kann, sondern auch in der Art und Weise, wie sich das entwickelt – als Verspüren von Übergang, von Dazwischen, von Metamorphosen, von Gestalt-Werden, von Gegensatzeinheiten und Ergänzungen. Von da aus könnte man zu einer anderen Aufgliederung des Sinnes-Erlebens kommen, als sie uns vertraut ist. Darauf weisen auch die verschiedenen Künste hin. Sie heben Grundqualitäten von Verwandlung heraus – ihrer Bewegtheit und Binnenstruktur gewahr zu werden, ist ein Anreiz für Kultivierungsprozesse überhaupt. So hebt der Tanz besonders den Bewegungscharakter der Bilderwirklichkeit als etwas heraus, das wir selbst mit unseren Füßen mitbewegen können. Der Tanz spitzt dabei eine Grunderfahrung von Kultivierungsprozessen zu: Was sich als Entwicklung anbahnt, kann in ganz anderes übergehen und erhält erst dadurch seinen Sinn. Im Umgang mit den Bildern der Malerei wird betonter das Indem der Verwandlung und die Gestaltung seiner Unruhe spürbar gemacht. Indem bedeutet, dass sich mehreres zugleich ins Werk setzt: Sinnliches und Mehr, Kern und Schale, Gegensätzliches und Ergänzendes, Simultanes und Sukzessives. Demgegenüber rückt Musik an den Wirkungsgefügen der Formenbildung besonders die ungeschlossene Geschlossenheit heraus: als Hin und Her, als Raus und Rein, als Spannung eines Dazwischen, das Klangmotiven folgt. Die Literatur sucht diese Morphologie der Verwandlungswirklichkeit in handelnden Worten nachzubilden. Indem sie die Gestalten der handelnden Worte auf die Morphologie von Entwicklungsmodellen hin durchlässig macht, gestaltet sie ihre Gebilde selbst zu Modellen aus, in denen sich das Ganze spiegelt. In Selbsterfahrung und Selbstgenuss der Formenbildung von Verwandlung – als etwas, das sich ausmessen will – steckt eine allgemeine „Theorie“ des Alltags. Sie wird in den verschiedenen Bildprogrammen jeweils durch verschiedene Organisationsformen des Unterbringens und Stabilhaltens ausgeführt – dadurch kommt es zu Kultivierungsgebilden, die mit Konsequenzen operieren können. Die Bildprogramme bauen das Getriebe von Verwandlungssorten zu einem Gerüst für Verhalten und Erleben aus, das Chancen und Begrenzungen, Versprechungen und Verpflichtungen, Freuden und Leiden mit sich bringt – eine Weltordnung mit Fleisch und Knochen. Die „allgemeine“ Erfahrung von Verwandlung bringt es aber mit sich, dass der Alltag sich nicht einseitig in einer Verwandlungsrichtung verfestigt; dass eine Bewegung auf andere Verwandlungsprobleme zu nicht ausgeschlossen ist, gehört zur Alltags-Kultivierung. Erst ihre Ausgestaltung durch Wertungen und feste
Bestimmungen kann rigoros auf Abschneiden und Abtrennen drängen. Dann wird versucht, alles „weitere“ formlos zu machen – was paradoxerweise dazu beiträgt, den Alltag „grau“ zu machen. Seinerseits findet das Abgeschnittene jedoch immer wieder neue Wege und Künste, sich an die „normierten“ Formenbildungen anzugliedern (und wenn es als der Teufel auftritt). Auf diesem Hintergrund lässt sich auch verstehen, welche Rolle Feste gegenüber der Alltags-Kultivierung spielen. Feste sind Feiern für Verwandlungssorten – das Sich-Einlassen auf Verwandlungen wird als ein (Er-)Lösen spürbar, doch zugleich auch als eine Lösung unter anderen Lösungen. In Festen werden die Wendepunkte und Übergangsqualitäten von Verwandlung gefeiert. Daher sind Feste oft den Wendungen der Jahreszeiten oder des Lebenslaufs verbunden; oder es sind Augenblicke, deren Dehnung die Regelungen zwischen Ausschweifendem und Stabilisierendem öffnet – beim Karneval, beim Spielen, bei Freizeitutopien. Aber solche Feste zieht man nicht einfach aus der Tasche; mit ihnen sind oft mehr Vorbereitungen, Organisation und auch Probleme verbunden als mit anderen Kultivierungsformen. Ob ein Fest gelingt, hat dadurch seinen eigenen Reiz. Feste markieren Übergänge und Wendungen von Verwandlung – daher kann auch das „Erlebnis“ eines Kunstwerks, einer Begegnung, einer Philosophie Festcharakter gewinnen. Hier wie da werden mit den Übergängen zugleich auch extreme Ansprüche des Verwandlungs-Totals erhoben. Das bringt seine Probleme mit sich, wenn heute die „Ruhetage“ des Wochenendes ebenfalls festlichen Charakter gewinnen sollen. Das Wochenende erinnert zwar immer an die Wendungen von Verwandlungen überhaupt, es kann sich jedoch auch zu einem „Alles-Anders“ verkehren, das der Alltags-Montag dann wieder ganzmachen muss. An den Festen, die eine Alltags-Kultur einrichtet, zeigt sich das Verhältnis von Führen und Geführtwerden unter einer wenig bekannten Perspektive: Die Bildprogramme ziehen die Menschen in gemeinschaftliche Einrichtungen, die sie führen und entlasten und auch abhängig machen. Es hängt von der Intelligenz einer Alltags-Kultur ab, wie weit sie in der Lage ist, diese Verhältnisse in Bewegung zu halten. Auch dabei haben Feste eine Funktion.Jede Ausgestaltung des Alltags bringt Krisen und Konflikte mit sich. Das kann man (methodisch) aufgreifen, wenn man überprüfen will, ob die Kennzeichen von Alltags-Kultur, wie sie hier dargestellt wurden, sich praktisch bewähren. Beschreibungen der Probleme des Alltags heute führen auf dem Weg über diese Kennzeichen auch an die spezielle Morphologie „unserer“ Kultivierung heran. Erst von da aus lässt sich verstehen, was heute „normal“ bedeutet. Das schließt auch die Überprüfungspunkte von Normalität ein – Sexualität, Arbeit, Geld, Genuss. Auch das sind keine festen Gegebenheiten; es wäre daher falsch, darin den Zweck der Kultivierung zu sehen.
Mit Polaritäten wie Bildprogramm und Tageslauf oder Einverleibung und Unterbringen – Revolte suchen wir die Wirkungszusammenhänge der Alltags-Kultivierung verständlich zu machen. Dass wir dadurch in den Phänomenen des Alltags heute Probleme herausarbeiten können, bestärkt unsere Hypothesen. Unter dem Gesichtspunkt von Bildprogramm und Tageslauf werden Probleme des Alltags heute sichtbar, die mit dem Herstellen eines Nebeneinanders zu tun haben. Das Tun und Leiden der Menschen wird einerseits einbezogen in gemeinsame Einrichtungen – Technik, Planung, Bürokratie, Rüstung – bei denen ein Verbesserungs-Prinzip autonom geworden ist. Das hält sich allenfalls noch in dem Bild, wir seien beteiligt am Bau eines Riesen-Raumschiffs. Aber wohin es geht und was uns das bringt, das wird freigestellt – die Ausgestaltung dieses sehr allgemeinen Bildprogramms wird dem Angebot einer Bilderflut überlassen, deren Quellen in ganz verschiedenen geschichtlichen Epochen und Kulturräumen zu finden sind. Wenn man sich die Werbung, die Urlaubsprospekte, die Literatur, die Fernsehprogramme ansieht, dann haben wir vielleicht mehr Innerliche, Heilige, Leidende, Spontane als eine ausgeprägte Kultivierungsrichtung verkraften kann. Das geht, weil das „verbessernde“ Bildprogramm wie ein abstrakter Zwang neben der Bilderflut steht. Das Nebeneinander bringt Beweglichkeit mit sich, weil der vereinheitlichende Bauplan durch ganz verschiedenartige Bilder dramatisiert werden kann. Aber es bringt auch all die Nöte mit sich, die sich in dem Ruf nach „Selbstverwirklichung“ einen Namen geben: Das Nebeneinander schwankt nach allen Seiten, weil sich keine vereinheitlichende Verwandlungssorte zu einer gemeinschaftlichen Einrichtung entfaltet, die uns packt und in ihren Bildern ergreift. Das abstrakte Bildprogramm (beim Bau eines Raumschiffs) hat Chancen dadurch, dass es wie ein Symbol für Verwandlung wirken kann – aber das bleibt ungreifbar, fern und ist leicht in alles Mögliche zu verkehren. Das zeigt sich besonders, wenn man das Bildprogramm auf den Tageslauf bezieht. Es hat nur für einen bestimmten Teil des Tageslaufs Verwendung – einen anderen Teil stellt es frei und daneben. Seine Kultivierungstendenzen beziehen sich zudem nur auf diejenigen, deren Arbeitsschicht beim Bau des Raumschiffs Verwendung findet; das abstrakte Verbesserungs-Programm scheidet immer wieder neue Gruppen von Menschen als unverwendbar aus. Denen wird dann ein „beruhigendes“ Existenzminimum gegeben; aber das Bildprogramm interessiert sich nicht für die Entwicklung ihrer Alltags-Kultur; das bleibt daneben, das wird freigestellt. So kommt es zu seltsamen Verkehrungen, oft mit dem Hinweis verbunden, die anderen sollten doch mit der „verdienten Ruhe“ zufrieden sein. So gibt es für die Ältergewordenen keine Bildprogramme – nur das Fernsehgerät. Ihnen wird alles Mögliche „abgenommen“, und man wundert sich, dass sie mit ihrem Ruhestand nicht zufrieden sind. Kinder-Erzieher und Alters-Helfer wissen nicht, was mit der Kultivierung des Alltags verbunden ist.
Was uns im Alter am Leben hält, müsste bereits in der Schule gelernt werden. Und das sind Bildprogramme, die komplette Entwicklungskreise mit sich bringen. Weil sie fehlen, breitet sich Hilflosigkeit gegenüber den Arbeitslosen, den Alten, den Kindern und auch der Freizeit gegenüber aus. Das hält sich allein deshalb noch in Bahnen, weil die Bildprogramme der Jahrhundertwende auch heute weiterleben. Dadurch erschöpft sich natürlich vieles in unserer Kultur in der Wiederholung alter Bildprogramme – wie beim Fernsehen, das mit der Bild-Versorgung überfordert ist. Auch der Gesichtspunkt der Einverleibung und des Unterbringens von Verwandlung führt an Probleme des Alltags heute heran. Viele Einverleibungsprozesse sind heute verbunden mit einer perfektionierten Welt des Knöpfe-Drückens. Wir machen bestimmte grundlegende Entwicklungen gar nicht mehr mit. Wir sind auf das Ein- und Ausschalten bestimmter Knöpfe trainiert, die Wendungen, Markierungen oder Veränderungen blitzschnell in die Welt setzen. Daneben sind wir aber ungeschult in der Entwicklung einfacher Lebensprozesse: etwas in Angriff nehmen, sich entschließen, auseinandersetzen – das bringt viel Mühe mit sich und tut sich – als Entwicklungskonflikt – immer schwerer. Die Zerlegungen, die mit Einverleibungsprozessen von Verwandlungen verbunden sind, und das Unterbringen in bestimmten Verwandlungsrichtungen sind ebenfalls – wie das oben Beschriebene – als ein Nebeneinander zu charakterisieren. Hier kommt es zu einer seltsamen Vereinzelung von Kultivierungsangeboten: Die Ungeschultheit in der Entwicklung einfacher Verwandlungsprozesse soll behoben werden durch Schulen für spezielle Tätigkeiten: für Krisenbewältigung, für Gruppenleben, für Kreativität, für gutes Benehmen, für Innerlichkeit und nicht zuletzt auch für „Ganzheitlichkeit“. Die gesellschaftlich verordneten Schulen spiegeln das Nebeneinander noch deutlicher. Auf der einen Seite bringen sie „richtiges Wissen“, das mit der Verbesserung beim Raumschiffbau zusammenhängt, als Bildungsgut unter die Heranwachsenden. Auf der anderen Seite vermeiden sie, in Entscheidungen für bestimmte Richtungen der Verwandlung einzutreten (allenfalls wird das Grollen von Revolten unterhalten).
Man versucht alles in „Diskussion“ zu halten; Sich-Einlassen auf die Entwicklung von Entschiedenheit gewinnt den Akzent, der früher mit dem Verlust der Unschuld verbunden war. Die Werbung heute versucht immer wieder das Problem zu bearbeiten, wie die Einverleibungsangebote von Industrie, Verwaltung, Politik in Verwandlungssorten unterzubringen seien. Das macht darauf aufmerksam, dass wir einerseits mit einem Alltag zu tun haben, der auf die Fütterung von Maschinen und auf die Fütterung durch Maschinen eingestellt ist – dass wir das andererseits aber in Entwicklungsformen unterbringen müssen, die uns in einer Verwandlungswirklichkeit leben lassen. Daher sieht man mit einigem Erstaunen, wie die technischen Einverleibungen in Schäferwelten, in Wochenendprogressive, in Fan-Gruppen, in Schutz-Bünde hineingeraten, in denen sich geschichtliche Errungenschaften von Kultivierung wiederholen. In ihrer allgemeinen „Güte“ der Verbesserung bietet die Technik dann sofort komplette Ausrüstungs-Kästen für die alten Bildprogramme an, die sich neben die Raumschiff-Ideale stellen wollen. Man muss das als Versuche sehen, mit der Ungeschultheit in einfachen Lebensprozessen fertigzuwerden, indem man sich auf entschiedenere Bildprogramme einlässt. Denn Einverleibung und Unterbringen sind nun einmal aufeinander angewiesen. Das führt auch dazu, dass die bewährten Richtungen der Ausgestaltung von Elementarkünsten am Leben bleiben – der Gartenbau, die Tubenzucht, das Wandern, das Basteln, das Vereinswesen, das Körpertraining. Auch die Polarität von All-Tag und Produktion (Portionen) macht auf Probleme des Alltags heute aufmerksam. Der Rückgriff auf Geschichtliches und der Ausgriff auf andere Kulturen hat damit zu tun, dass dort das „Ganze, um das es geht“, fassbarer zu sein scheint als hier und jetzt. Wir sind auf der Suche nach Bildportionen, die uns die Dramen des Leidens und der Freuden versinnlichen können. Da uns heute kein vereinheitlichendes Bildprogramm mit seiner Dramatik bewegt, haben sich nicht allein die verschiedenartigsten Nöte aufgetan, sondern zugleich auch eine Vielfalt von Helfer-Einrichtungen etabliert. Das abstrakte Bildprogramm hat auch Leiden und Freuden freigestellt – es hat damit Helfer hervorgerufen und diese zugleich in eine vieldeutige Position gebracht. Die Behandlung des All-Tags gerät hier in die Form eines Angebots von Wochen-Stunden, in denen die Verwicklungen der Wirklichkeit und der Verwandlung nach allen Seiten gewälzt werden können. Das kann dazu führen, dass die Behandlung des All-Tags in bestimmte Behandlungs-Stunden oder Portionen verlagert wird, die dann ein unendliches Eigenleben entfalten. Eine andere Kunst, die der All-Tags-Behandlung zugewachsen ist, hat mit den technischen und gesellschaftlichen „Portionen“ zu tun, die unser Leben entlasten sollten. Die Behandlung des Alltags beginnt sich nun bereits zu zentrieren in der Behandlung des Zuwachses, der uns aufzufressen sucht – der Zuwachs durch Versicherungen, Wohnungseinrichtungen, Briefwechsel, Beziehungskisten, Steuererklärungen, Abendgesellschaften, durch Automaten und ihre Reparaturen, durch Vorsorgen und Ent-sorgen. Auch darin ist viel an Verwandlung untergebracht. Abgesehen davon, dass das nun wieder zu vielen Helfern geführt hat, gibt es inzwischen auch Schulungen für diejenigen, die die Helfer in eine Hierarchie bringen sollen. In Manager-Schulen sucht man durch eine quasi-militärische (oder -klösterliche) Ausbildung den Blick auf irgendetwas Ganzes zu lenken. Dabei tritt die Tendenz heraus, wieder eine abgeschlossene Welt-Laufbahn zu entwickeln – mit eigener Sprache, Ehrenkodex, Disziplinierungen und auch mit unvermeidlichen Idyllen (Daheim und Ferne).
Dass unsere Produktionen kunstvolle (analoge) Gebilde sind, wird sichtbar sowohl in der Nachtströmung der Träume wie in den Tages-Werken. Daher setzen wir auch aus methodischen Gründen immer an den kunst-analogen Formen der Behandlung von Wirklichkeit an, wenn wir morphologische Analysen durchführen. Durch kunst-analoge Formen gehen Bilder und Entwicklungen, Gegebenheiten und Tätigkeiten, Verwandlung und Gestalten ineinander über – das suchen wir nachzubilden und damit zu verstehen. An diese zentrale Stelle von Kunst (im weiteren Sinne) für ein Verstehen vom Seelischen müssen wir uns erinnern, wenn bei einer Analyse des Kultivierungs-Alltags die Frage auftaucht, wie Kultivierungsprozesse und „große Kunst“ einander bestimmen – genauer, wie sich die Kunst des Alltags und die Werke der Kunst zueinander verhalten. Denn wenn auch die Kultivierungsprozesse vor allem auf den Alltag zielen, so ist doch nicht zu übersehen, dass Kunstwerke neue Formen der Behandlung von Wirklichkeit in den Blick rücken, die die Alltags-Kultur in ihre Richtung ziehen können. Da wir die Kultivierung des Alltags mit Verwandlung zusammengebracht haben, legt sich nahe, auch die „Bilder“ der Kunst als Bilder zu verstehen, die in Bewegung und Verwandlung sind. Das widerspricht dem Schema, die Darstellungen der Kunst stünden uns unbewegt gegenüber.
Unsere Untersuchungen des Umgangs mit Kunstwerken lassen vielmehr erkennen, dass diese Darstellungen die gleichen Bewegungskategorien zum Ausdruck bringen wie diese seelischen Gebilde. Das ist die Basis, die den Einfluss von Kunstwerken auf alltägliche Kultivierungsprozesse verstehen lässt. Sie verstärken und modifizieren Bildprogramme. Sie können sie in andere Programme umbilden – wenn sie Verwandlungsprobleme des Alltags aufspüren können, die auf Weiterführung, Ergänzung, Steigerung oder Umbruch drängen. Das heißt also, Kunstwerke werden hier mit Wirklichkeitsbehandlung zusammengebracht. Sie werden nicht als Schein oder Illusion dem Alltagsleben gegenübergestellt. Und es ist auch nicht „gefühlige“ Ausbreitung, was Kunstwerke in den Alltag bringen. Angesichts des alltäglichen „Immer-noch-Mehr“ ist „Gefühlsausbreitung“ kein Anhaltspunkt, die Wirkung von Alltag und Kunst aufeinander zu verstehen. Die Beobachtungen des unersättlichen Mehr im Alltag sind durch Beobachtungen beim Umgang mit Kunst in dieser Hinsicht nicht zu schlagen. Kunstwerke sind kaum konkurrenzfähig mit den Ausschweifungen des Alltags und seiner Träume, mit der Ausbreitung von Sehnsucht, Begehren, Hass und Wahn. Verglichen damit, sind Kunstwerke immer mehr und weniger zugleich. Kunstwerke sind weniger: Sie sind den Ausschweifungen des Alltags gegenüber nüchtern, sachlich, begrenzt. Aber sie sind auch mehr; denn indem sie Wirklichkeit ausschöpfen und auskonstruieren, heben sie etwas heraus, das uns Wirklichkeit wie ein Entwicklungs-Ding vor Augen stellt. Im Kunstwerk gewinnt der Werk-Charakter seelischer Formen eine prägnante Ausgestaltung: wir sehen durch die materialen Gestaltungen hindurch die Unruhe des Indem der Formenbildung – ihre Doppelheiten, ihre paradoxen Ergänzungen, ihre Übergänge zwischen Gestalt und Verwandlung. Wir verspüren, dass wir etwas Wirkliches vor uns haben, und dass wir dabei zugleich an der Mitgestaltung dieser Verwandlungswirklichkeit beteiligt sind. Insofern können Kunstwerke verdeutlichen, was es mit der Kultivierung des Alltags auf sich hat. Sie beziehen, was sich regt, in (gemeinsame) Wirkungseinheiten ein, die durch Bilder organisiert werden, als ginge es um den Bau einer Pyramide, eines Turmes von Babel oder eben eines Riesenraumschiffs. Die Zuspitzungen der Kunst bestärken die Modellierung der wirksamen Bilder. Aber sie machen sie auch anfällig. Sie machen sie anfällig durch Leiden, Herumquälen, Zwingen, Herumdrehen und was sonst noch notwendig zu jeder Verwandlung gehört. Sie machen sie damit anfällig für den Wechsel von Bildprogrammen, wenn sie wirklich Probleme des Alltags treffen – die Unhaltbarkeit des Perfekten, das Entgleisende, die Überbelastung mit Konflikten und Ähnliches.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine Neuauflage und wurde per Hand ins Digitale übertragen sowie an die neue Rechtschreibung angepasst. Wir bitten um Nachsicht für eventuelle Fehler.
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Titelbild: nmg-network-rs7JeRrQ-XI-unsplash.jpg (OpenAI)

Wilhelm Salber (1928-2016) war bis zu seiner Emeritierung 1993 30 Jahre Direktor des Psychologischen Instituts II an der Universität zu Köln. Zusammen mit seinen Mitarbeiter(inne)n entwickelte er dort u.a. das Konzept der Wirkungseinheiten im Rahmen einer Morphologischen Psychologie. Die Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen hat er in über 235 Veröffentlichungen dargestellt.