Bilder von Psychologie und Psychologen: Skizze einer Untersuchung [Reprint]

(1987)

Zusammenfassung 

Untersuchungen zum Bild des Psychologen in der Öffentlichkeit machten sichtbar, dass es zwischen öffentlichen Erwartungen an die Psychologen und bestimmten Formen psychologischer Praxis enge Beziehungen gibt. Die Ausübung der Psychologie scheint vielfach von kollektiven Übertragungen geprägt und nicht so sehr methodischen Prinzipien autonomen psychologischen Vorgehens zu folgen. Daher wurden auch die Bilder untersucht, die praktizierende Psychologen von sich selbst und ihrem Beruf haben. Zugleich wurde der Entwicklung dieses Bildes im Laufe des Studiums nachgegangen. Fünf typische Ausprägungen des Psychologen-Bildes in der Öffentlichkeit sind zu finden: „Feindbild“, „Psychologie als Ausnahme“, „Parteinahme“, „Koketterie mit Verbesserungen“ und „Inflation“. Den ersten vier dieser Bild-Typen ließen sich entsprechende Bilder von psychologischer Praxis zuordnen: „Zurückführen zur Normalität“, „Ausnahme-Behandlung“, „Aus-der-Hand-Geben“ und „Klärendes Vom-Leibe-Halten“. Allen diesen Bildern ist gemeinsam, dass in ihnen das Spannungsverhältnis von „Bewahren“ und „Verändern“ behandelt wird. Veränderungsansprüche werden demonstriert, jedoch zugunsten des Bewahrens zum Scheitern gebracht. Für die Öffentlichkeit sind die Psychologen „Medium“ der Veränderung und Beweismittel des Scheiterns. Die Psychologen nehmen die Bildzuschreibung „Veränderer“ an, suchen diese jedoch zu bewahren, indem sie Veränderung an der Klientel scheitern lassen. In einer gemeinsamen Konstruktion des Umgehens von Veränderung arbeiten Psychologen und Öffentlichkeit mit umgekehrten Funktionsanweisungen. 

I Das Projekt und seine Fragestellung 

  1. Anstöße

Wohl jeder Psychologe stößt gelegentlich darauf – und sich daran –, dass sein Berufsstand in der Öffentlichkeit einen zwiespältigen und schwierigen Ruf hat: Zum einen werden an die Psychologie und an die Psychologen die größten Erwartungen herangetragen; man traut ihnen zu, Selbstmörder vom tödlichen Sprung abzuhalten, Fußballmannschaften zum Sieg zu verhelfen, Ehen zu retten oder die Friedenschancen in der Welt zu verbessern. Im anderen Extrem sind die Psychologen – manchmal zugleich – Verwirrung stiftende Störenfriede, lästige Alleswisser, Manipulateure und Verführer. Von „verpfuschten Fällen“ weiß mancher ein Lied zu singen, und immer wieder hört man: „Die sind doch selbst verrückt!“. So zwiespältig gesehen zu werden, ist für die Psychologen nicht eben angenehm. Man kann sich fragen, was denn an diesem Ruf vielleicht begründet ist und was den Psychologen angehängt wird, was als unvermeidlich hingenommen werden muss und wo etwas dagegen getan werden kann. Zumindest den Psychologen können die Gründe ihres „Images“ nicht gleichgültig sein. Dem „Bild des Psychologen in der Öffentlichkeit“ galt eine erste Untersuchung.¹ Nachdem die Erhebungen zu diesem Thema abgeschlossen waren, kam ein weiteres Phänomen in den Blick: Zu jedem Typus des öffentlichen Bildes ließen sich auf den ersten Blick „passende“, allgemein übliche Formen psychologischer Praxis nennen. Der Eindruck entstand, als werde Psychologie heute vielfach in einer Weise praktiziert, die gut mit den widersprüchlichen öffentlichen Erwartungen „mitspielt“. Und zwar, indem Psychologen solche Erwartungen ausnutzen, ihnen aber auch ausgeliefert sind. 

  1. Richtungen

Das Projekt entstand, das Bild der Psychologen in der Öffentlichkeit mit dem zu vergleichen, das praktizierende Psychologen von sich selbst, ihrem Beruf und ihren Aufgaben haben. Zugleich sollte die Entwicklung des Bildes von „fertigen“ Psychologen bei Psychologie-Studenten über das Studium hinweg verfolgt werden. Auch Psychologie-Studenten kommen daher, wo das öffentliche Bild herrscht, und es wird den Berufswunsch beeinflussen. Auf den Universitäten wird gewöhnlich ein abweichendes Bild von Psychologie gelehrt. Umso verwunderlicher ist daher, wenn das öffentliche Bild in der psychologischen Praxis relativ ungebrochen wiederzuerkennen ist. Der Verdacht lag nicht fern, dass die psychologische Praxis vielleicht nicht so sehr autonomen wissenschaftlichen Handlungsprinzipien folge, sondern vielmehr stark von „Übertragungen“ bestimmt sei, die der Psychologie und den Psychologen entgegengebracht werden. Das Leiden am „Image“ mag damit zusammenhängen. Ad hoc sind verschiedene Gründe denkbar: Psychologen mögen sich „anpassen“ müssen, um bestehende „Markt-Chancen“ wahrzunehmen. Nach beendetem Studium könnten sich auch wieder die „alten“ Bilder durchsetzen und die Praxis zu bestimmen suchen. Schließlich können eine wissenschaftlich ausgerichtete Psychologie und die Öffentlichkeit in für beide nützlichen Arrangements zusammenkommen, wobei die Arrangements auf gemeinsam akzeptierte Grenzen psychologischer Arbeit verweisen. 

II  Theoretische Überlegungen und Hypothesen 

  1. Das Bezugssystem

Die Untersuchungen stützen sich auf die Morphologie der Wirkungseinheiten², des Verkehrthaltens³ und der Gegenstandsbildung⁴. Da das Bezugssystem an dieser Stelle nicht ausführlich dargestellt werden kann, hier nur einige stichwortartige Hinweise: Für die Morphologie ist „Bild“ ein systematischer Begriff. Sie vertritt die Auffassung, dass Zusammenhänge im Seelischen bildhaft organisiert sind. Bilder sind in sich zusammenhängende Wirkungsgefüge. Ihre innere Organisation und Struktur lassen sich durch Tiefeninterviews erheben. Die Morphologische Psychologie geht ferner davon aus, dass die Wirkungszusammenhänge der Bilder dazu dienen, bestimmten seelischen Grundnotwendigkeiten eine Form zu geben. Das Bild im Ganzen und seine Gefüge behandeln grundlegende Ansprüche des Seelischen. Bei den Psychologen-Bildern ist u. a. gefragt, nach welcher Konstruktion diese Bilder welche Grunddimensionen behandeln. Unter möglichen Konstruktionen sind hier solche von besonderem Interesse, durch die bestimmte Grundansprüche zwar anerkannt, tatsächlich aber in ihrer Wirksamkeit preisgegeben werden. Es ist damit zu rechnen, dass es ein allgemein verbindliches „Ur-Bild“ von Psychologie und Psychologen gibt. Die allgemeine Konstruktion des kollektiven Bildes bekommt andere „Akzentuierungen“, je nachdem, ob Nicht-Psychologen, Psychologie-Studenten oder Diplompsychologen diese Konstruktion auslegen. Geht man von einem Ur-Bild von Psychologie aus, so lassen sich alltagsnähere und wissenschaftlichere Akzentuierungen des Bildes unterscheiden. Innerhalb der Akzentuierungen wiederum sind Ausprägungsformen (Bild-Typen in der Öffentlichkeit, bei Studenten usw.) zu finden. 

  1. Das Bezugssystem als Maßstab

Jedes wissenschaftliche Vorgehen kann unter den Einfluss von „Übertragungen“ geraten. Dabei wird – mehr oder weniger unbemerkt – vom Vorgehen nach methodischen Regeln abgewichen. Andere „Zwänge“ kommen ins Spiel, denen gefolgt wird und die keine methodische Brechung mehr erfahren. Sobald jedoch solche Zwänge bemerkt und – bevor sie sich regulierend einrichten – methodisch aufgegriffen werden, sind sie eine wesentliche Erkenntnisquelle.⁵ Bei den Psychologen-Bildern geht es um Übertragungsgefüge, die sich systematisch eingerichtet haben. Im Blick sind also solche Praxisformen, bei denen methodischer Austausch solchen Übertragungen unterliegt. Verlangt ist daher ein Maßstab, anhand dessen methodisches Vorgehen von anderem unterschieden werden kann. Das heißt vor allem: Die Psychologie sollte die Momente kennen, die sie aus dem Alltag übernimmt, und sollte bestimmen, wie sie sich von der alltäglichen Art und Weise, Phänomene zu behandeln, abgrenzt. Salbers Modell vom „Psychischen Gegenstand“ zeigt von der Morphologie her, wie man sich autonome Psychologien vorstellen kann. Verwiesen wird auf mehrere, in dieser Zeit vorkommende Formen wissenschaftlicher Psychologie, die mit bekannten Schulen zusammenfallen. Kennzeichnend ist, dass diese Gegenstandsbildungen Methoden entwickeln, nach deren Prinzip alle seelischen Erscheinungen aufgegriffen werden. Andere Vorgehensweisen werden abgewiesen. Gerade durch methodische Festlegung wird möglich, der Vielfalt des Seelischen gerecht zu werden und das Alltagsverständnis zu überschreiten. 

  1. Aufbau der Untersuchung und Hypothesen

Die „Bilder von Psychologie und Psychologen“ wurden bei Nicht-Psychologen, Psychologiestudenten und Diplompsychologen untersucht.⁶ Daraus ergibt sich eine Gliederung in Teiluntersuchungen. Referiert werden sollen hier das Bild in der Öffentlichkeit und bei praktizierenden Psychologen. 

Hypothesen bei diesen Untersuchungen waren: 

  1. a) Das dominante seelische Grundproblem, welches in den Bildern von Psychologie und Psychologen strukturiert ist, ist das von „Bewahren“ und „Verändern“. An die Psychologie wird der paradoxe Anspruch gestellt, sowohl alle die Formenbildungen zu wahren und zu bestätigen, die vorhanden und verfügbar sind, – als auch das Ganz-Neue, Völlig-Andere zu bieten. Diesem Grundproblem würde auch die wissenschaftliche Psychologie unterstehen. Sie unternimmt einen Lösungsversuch, indem sie nicht „Lebensformen“ festhält, sondern Methoden. Es wird davon ausgegangen, dass das öffentliche Bild von Psychologie nicht auf Methoden setzt. Das Konstruktionsprinzip ist Inhalt von Hypothese b):
  2. b) Die Spannung zwischen Bewahren und Verändern wird vermittelt, indem Veränderungsansprüche demonstriert, aber umgangen werden. Im Umgang mit den Psychologen und ihrer Wissenschaft wird der Beweis geführt, dass Veränderungen des Bestehenden nicht möglich bis nicht tauglich sind. Psychologie, Psychologen und ihre „Leistungen“ sind im Rahmen dieser Beweisführung entweder ins Bestehende integrierbar oder sie werden ausgegrenzt (Aufbau einer Zwickmühle).⁷
  3. c) Das Bild der praktizierenden Psychologen von ihrem Beruf und ihrer Wissenschaft übernimmt die Strukturen des öffentlichen Bildes (Verkehrthalten), kehrt jedoch die Beweislast, die dort den Psychologen zugedacht ist, gegen die Öffentlichkeit (Klientel) ⁸

 III Die Bilder 

  1. A) Das Bild der Psychologen in der Öffentlichkeit

Typ I: Feindbild 

Eine besondere Sicht der Welt und des Seelenlebens wird bemüht, um den Psychologen darin schließlich einen Platz zuzuweisen: Gewohntes, Überschaubares, Geregeltes stehen für diesen Typus im Zentrum; es existiert eine Art „ewige Ordnung“, von der man sich getragen weiß. In Bewegungsspielräumen des Geordneten liegt begründet, dass Geheimnisse, Täuschendes, nicht gleich Einordbares zu finden sind. Die Irritationen sind mit der Zeit alle aufklärbar. Mit gelegentlichen Überlastungen der Ordnung („Stress“) muss gerechnet werden, die das Einzuordnende nicht gleich fassen kann. Je mehr nun diese Welt der gewohnten Bahnen beschworen wird, desto mehr treten Erfahrungen des völlig Konträren in den Blick. Es entsteht der Umriss einer Art „Nachtseite“ der überschaubaren Ordnung, die eigentlich nicht existieren darf. Diese Kehrseite ist ausgegrenzt, als habe sie keine Macht. Sie besteht als eine seltsame und zugleich Neugierde erweckende Schattenwelt. Die Psychologen werden als Menschen gesehen, die sich entweder den Bewegungsspielräumen der „Ordnung“ widmen, sich mit der Welt der Täuschungen, Geheimnisse und Verwirrungen befassen. Sofern die Psychologen der Ordnung im scheinbar Abweichenden wieder zum Durchbruch verhelfen, sind sie nützlich. Andererseits liegt es jedoch in der Möglichkeit eines jeden, die Ordnung nach Irritationen wieder einzurichten.Kultivieren die Psychologen das Feld der Geheimnisse und Täuschungen, so sind sie schädlich, weil sie das Scheinbar-Abweichende „aufbauschen“ und stützen. Ihnen selbst muss man dann die Aufklärungsarbeit angedeihen lassen („Gesunder Menschenverstand“). Sie sind als Tuschenspieler, Scharlatane, Gaukler zu entlarven. Vollends übel ist jedoch, wenn sich die Psychologen mit der Gegenseite einlassen: Sofern die Psychologie die Behauptung aufstellt, im Devianten gebe es Regeln und Prinzipien, die Auswirkungen haben und die es zu beachten gelte, dann werden sie zu einer Gefahr. Dem ex definitione Ungeordneten Prinzipien zu unterstellen, erscheint nicht nur als ein Unding, sondern wertet die Gegenwelt zu einer gleichwertigen auf. Es besteht ein Tabu, etwas in der Gegenwelt beim Namen zu rufen. Indem Psychologen solches tun, werden sie zu einer Art Agenten der Finsternis, zu Zerstörern, denen mit allen Mitteln das Handwerk zu legen ist.

Es wird gerne darauf hingewiesen, welchen Einfluss Psychologen bereits auf die Bildung „neuer Sitten“ genommen hätten. Unliebsame Lehrmeinungen, politische Ideen, sogar der Wandel der Zeiten werden den Psychologen in die Schuhe geschoben. 

Das Bild lässt den Psychologen keine Chance. Wie Veränderungszüge aus der Weltsicht verbannt werden, so auch die Psychologen. Sofern sie die Ansprüche des Bestehenden vertreten, sind sie akzeptabel, aber in Konkurrenz mit Jedermann. Sofern sie die Welt der „Tricks“ und Geheimnisse zum Gegenstand machen, sind sie wie diese zu entlarven. Sofern sie aber die Sache der Gegenwelt vertreten, sind sie „auszuschalten“. Die Psychologen werden in eine Zwickmühle gebracht: Entweder sind sie als solche überflüssig, da sie jedermanns Arbeit tun, oder sie sind als Gefahr für das Bestehende kaltzustellen.  

Typ II: Psychologie als Ausnahme 

Das Bild der gewohnten Lebenswirklichkeit ist bei diesem Typus bewegter als bei Typ I: Das Seelische wird in einer gewissen „Schwankungsbreite“ erfahren, wie eine Pendelbewegung, die einen weiten Bereich des Normalen regelmäßig zu durcheilen pflegt, aber auch in „Extremzustände“ geraten und sogar darin verweilen kann. Diese Sicht ist ambivalent: Auf der einen Seite herrscht das Gefühl, es müsse im Leben mehr herauszuholen sein. Auf der anderen Seite wird das Verharren im Extremzustand gefürchtet, zu dem sich kein „Gegenschwung“ mehr einstellen will. Der Existenz dieses Verharrens in einem Extrem wird ein „Ausnahme“-Charakter zugesprochen. Gegen die Psychologie klingt der Vorwurf an, sie befasse sich zu sehr mit diesen Ausnahmen und suche ihnen eine ungerechtfertigte Bedeutung zu verleihen. Andererseits kommen die Psychologen dann zum Zuge, wenn ein Ausnahmefall eingetreten ist: Psychologen sind Feuerwehr und Notstopfen. Da die Ausnahmen die normale Pendelbewegung überschreiten, entziehen sie sich der Einordnung. Man nimmt allerdings an, es gebe ein Wissen über den Umgang mit Ausnahmen, das selbst Ausnahmecharakter hat. Eine systematische Psychologie darf und kann nicht existieren, da sie dem Seltsamen den Ausnahmestatus nähme. 

Da somit der Psychologie der Rang einer „Lehre“ nicht zukommt, steht gemeinhin die Person des Psychologen im Vordergrund. Von den Psychologen wird angenommen, sie seien selbst „Ausnahmemenschen“. Im Ansetzen der Psychologen auf das Gelegentliche wird das Abweichende zum Abweichenden gestellt, das Wirre zum Wirren. Es herrscht die vage Vorstellung, beides neutralisiere sich gewissermaßen gegenseitig. Und beides zusammen wird in einen Bereich außerhalb verwiesen. In der Abgeschiedenheit eines Behandlungszimmers, hinter Anstaltsmauern, in der Herausgehobenheit einer Kur oder einer „Krisenintervention“ darf die Psychologie existieren. Psychologen haben ihren Wert in Lebenszeiten (Kindheit, Midlife-Crisis), die zu solchen Ausnahmezuständen tendieren. Selten begegnet der „Normale“ dem Psychologen. Verbreitet ist ferner die Erwartung, der Psychologe habe Höhepunkte im Leben zu verschaffen („Gruppenerlebnisse“). Es ist auch möglich, dass der Psychologe „einmal im Leben die Wahrheit sagt“. Man vermutet die Wirksamkeit der Psychologie, wenn ein Mensch sich als ausnehmend erfolgreich erweist. Obgleich aber die Psychologen und ihre Wissenschaft in einer Umzirkelung gehalten werden sollen, sind sie doch die Sachwalter der Normalität. Es ist ihre Aufgabe, die gewöhnlichen Schwankungsräume wieder einzurichten. Die Zwickmühle, in die die Psychologen hier gestellt sind, ist die, dass sie sich im Normalfall erübrigen, sonst aber in ihrer isolierten Ausnahmeexistenz zu verbleiben haben. 

Typ III: Parteinahme 

Im Gegensatz zum Feindbild- und Ausnahme-Typus werden nun Erfahrungen vom Seelischen hervorgehoben, die mit „Entwicklung“ zu tun haben. Man erlebt sich und andere in über längere Zeit sich erstreckenden Umgestaltungen. Es gibt ein Gefühl von „gelenkter Kontinuität“, man kann aber auch Übergänge, Weichenstellungen und Veränderungen feststellen. In den Erfahrungen von Veränderungen und Scheidepunkten macht sich die verspürte gelenkte Kontinuität als Hemmnis bemerkbar. Man ahnt, dass es immer anders hätte kommen können. Von den Variationen und Steigerungen, die nahegelegen zu haben scheinen, fühlt man sich irgendwie abgehalten. Was da ist, scheint auf nicht näher zu bestimmende Weise defizitär: Es ist gut, wie es ist, aber es ist auch nicht das, was hätte sein können. Es gibt eine Scheu, das unbekannte innere Lenk-Getriebe aufzudecken, dem man sich anvertraut und dem man anvertraut ist.Störungen liegen nicht außerhalb der Plausibilität. Die Auffassung ist, gerade durch den gehabten Gang der Entwicklung nicht recht zum Zuge Gekommenes melde sich und versuche, im Entwicklungsgeschehen Einfluss zu nehmen. Je mehr sich die Störung von Abweichungen auf einen Bruch zubewegt, desto unheimlicher wird sie. Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, dass – gelänge es, die Lebensbezüge außerhalb der Einengungen der gewordenen Kontinuität, sozusagen von oben, zu betrachten – eine zusätzliche Vielfalt von Entwicklungsperspektiven freigesetzt würde. Die gewaltige Möglichkeit des Sich-Herausrückens und „Überblickens“ wird mit der Psychologie verbunden. Die Psychologen, so denkt man, seien im Besitz der Kenntnis aller Potenzen des Menschen. Von den Psychologen wird erwartet, dass sie jenseits der gewohnten Sicht ein Gesamtbild („Objektivität“) erstellen, das Bekanntes und Unbekanntes, Gelebtes und Ungelebtes zusammenbringt. Nun muss jedoch gesichert sein, dass der Psychologe seine Gesamtschau möglichst nicht bis zum Aufweis von Gegen-Möglichkeiten treibt, die die gelebte Kontinuität infrage stellen könnten. Solche Verwandlungen haben allenfalls ihren Sinn bei völlig schiefgelaufenen Entwicklungen. Die wirksamste Hinderung einer „Umkrempelung“ durch den Psychologen geschieht dadurch, dass er „Partei für das Gewordene“ zu ergreifen hat.Unproblematisch ist die Begegnung mit Psychologen, wenn es um den Ausbau der beschrittenen Entwicklungswege geht (Berufsberatung, Ausbildung, Training, Konzepttests). Der Psychologe ist zum Zwecke dieses Ausbaus engagiert, er hat anzuerkennen, was sein Klient schon geworden ist, und ihm zu helfen, dies zu vervollkommnen. Dabei bleibt aber regelmäßig das Gefühl zurück, nicht alles erfahren zu haben, was man erfahren könnte. Der Psychologe steht in dem Verdacht, etwas für sich zu behalten. Er „brachte“ nicht das, was man sich von ihm versprach. Es gibt das „große System“, betrieben werden aber soll die Psychologie unsystematisch. Gefordert wird, dass der Psychologe seine „Aufdeckungen“ begrenzt, gemeinverständlich bleibt, sich an „Verwertbarkeit“ hält, Vertrauen belohnt, Intimitäten respektiert und etwas durchgehen lässt. Andererseits fürchtet man, Opfer der Psychologen zu werden, die „auf der anderen Seite“ stehen (Werbung). In den Diensten anderer wird der Psychologe gefährlich; an seiner Überblicks-Potenz wird nicht gezweifelt. Fördert der in den eigenen Diensten stehende Psychologe Unliebsames zutage, wird seine „Objektivität“ wieder in Zweifel gezogen. Um vor dem allzu umfassenden Aufdecken bedrohlicher Möglichkeiten geschützt zu sein, werden vom Psychologen zahlreiche Beweise seiner Parteilichkeit verlangt, bzw. man versucht, ihn bezüglich seiner Lebensumstände in den Griff zu bekommen. Das geht von der Prüfung im Hinblick auf weltanschauliche Übereinstimmung und Loyalität, über zu erweisende Freundlichkeiten, über „Engagement“ und „Aufopferung“ des Psychologen, die er zeigen soll, bis hin zur „Festanstellung“. Wie die zugeschriebenen psychologischen Fähigkeiten nur akzeptiert werden, wenn sie an die Kette eines Interesses gelegt sind, so verliert der Psychologe seinen Nimbus, wenn er sich so etwas gefallen lässt. Der willfährige Psychologe, vor allem der, den man für die einschlägigen Ziele anderer agieren sieht, bekommt Qualitäten des Schäbigen, Billigen und Sklavischen. Sein Bild schwankt zwischen der zugeschriebenen Gottesperspektive und dem des Haushundes. Wir erkennen die Zwickmühle, in die hier der Psychologe gestellt wird. Entweder steht er auf der eigenen Seite und ist durch Rücksichten an der Entfaltung der ihm attestierten Fähigkeiten gehindert, oder er entfaltet sie im Dienste anderer und wird dadurch zur Gefahr. 

 Typ IV: Koketterie mit Verbesserungen 

Wie bei Typ III steht „Entwicklung“ im Vordergrund, jedoch mit einem etwas anderen Akzent: Weniger das Kontinuierliche wird betont als vielmehr Variabilität und Steigerungsmöglichkeiten. Man erlebt sich als Menschen, der „offen“ ist. Man glaubt, dass sich eine Form finden lassen müsse, in der die verschiedenen Belange des Lebens glatter und ohne Rest aufgehen. „Störungen“ und Unvollkommenheiten haben kaum mehr den Charakter des Fremden und Seltsamen. Man vertritt die Auffassung, hier meldeten sich „Reste“ als Folge unzureichender Lebensformen und als natürlicher Versuch einer Korrektur. Der Wunsch nach einem Besseren führt zu einem regen Interesse für alle Entwürfe glücklicherer Welten, für alles Verstehbarmachen von Unzugänglichem und Hintergründigem. Häufig ist man durch seinen Beruf schon in die Nähe von Optimierungsmöglichkeiten gestellt. Die Psychologen sind nun diejenigen, die auf dem Wege zu denkbaren Optimierungen immer schon ein Stück voraus sind, „den Traum“ unter Umständen schon verwirklicht haben. Die Psychologie ist die Wissenschaft, die die „Ursachen“ ergründet und vernünftigere, freiere, natürlichere oder fortschrittlichere Regulationen entwirft und ins Werk setzt. Die Psychologen hält man für glücklichere Menschen. Es gibt keine Vorbehalte, sich an sie zu wenden, mit ihnen zu arbeiten. Psychologien, die zurückhaltend mit Utopien sind, werden jedoch von vornherein gemieden. Die Hilfestellungen, die man von der Psychologie und den Psychologen erwartet, beziehen sich auf vorher als „problematisch“ bestimmte Ansatzstellen. Entsprechend diesen Störstellen (Kommunikation, Kreativitätsoptimierung, Geschlechtsrolle, Erziehung, Frieden usw.) besteht die Psychologie aus einer Sammlung von Einzellehren zu bedeutsamen Fragestellungen. Die Zunft der Psychologen gliedert sich in Fachleute auf diesem und jenem Gebiet. Wichtig ist, „die Richtigen“ zu kennen. Das im Kontakt mit der Psychologie Erfahrene wird jeweils für eine gewisse Zeit zu leben und in die Tat umzusetzen gesucht, bzw. zur eigenen Anschauung gemacht. Besonders beliebt sind daher Psychologien, die Handlungsanweisungen entwickeln. Bei allen diesen Versuchen stellt sich im Laufe der Zeit regelmäßig die „Untauglichkeit“ der Psychologie heraus. Was auch immer im Einzelnen angestellt werden mag: Umbildungsversuche scheitern; man muss feststellen, dass auch die Psychologie nur mit Wasser kocht. Sie verliert die Aura des Sensationellen. Man sieht sich enttäuscht und auf die gewohnte Praxis zurückgeworfen, die sich dann doch als „tüchtiger“ erwiesen hat. Vielfach haben solche Versuche mit der Psychologie eine lange Vorgeschichte. Alle diese Erfahrungen und Enttäuschungen lassen das Interesse an psychologischen Optimierungen nicht erlöschen. Doch fühlt man sich „verführt“; die Psychologen oder die Lehre, die man für den erlittenen Fehlschlag verantwortlich macht, werden „überholt“. Dafür treten neue Sterne am Horizont auf, die jedoch regelmäßig das gleiche Schicksal erleiden. Die Psychologen wechseln ihr Bild dementsprechend zwischen Heilsbringer und Verderber. Wieder ist die Zwickmühle für die Psychologen nicht zu übersehen: Die Psychologie und ihre Veränderungsversprechen sind entweder zukunftsweisend, aber dann verschleißen sie sich. Oder aber sie haben keine Anregung zu bieten und sind von daher nicht beachtenswert. Verwandlung ist etwas, dessen Untauglichkeit man sich durch den Versuch vor Augen führt. 

 Typ V: Inflation 

Die Sicht vom Seelischen und der Welt ist getragen von dem Eindruck, dass hinter den alltäglichen Geschehnissen und Erlebnissen ein „Anderes“ waltet, das den trivialen Phänomenen nicht gleich anzusehen ist. Man erlebt sich als jemand, dem das Schicksal eine gewaltige Verwandlung beschert hat. Das Lebensschicksal wurde bestimmt von eigenartigen Fügungen, und man hat gelernt, „dahinter“ zu schauen. Gewöhnlich ist man aus der Menge der Mitmenschen nicht herausgehoben. Der angenommene „tiefere Sinn“ jedoch verleiht der „normalen Entwicklung“ etwas Sensationelles. Das Wissen um den verborgenen Sinn lässt auch alltäglichen Banalitäten den Charakter von etwas Ungeheuerlichem zukommen. Im Alltag geht anderes vor, als der Uneingeweihte denkt. Der verspürte Zusammenhang ist gemeinhin gefasst in einer Lehre, der man anhängt. Diese Lehre kann oftmals gewechselt worden sein – auch ein Wirken der Fügungen. Der Zusammenhang ist komplex und ganzheitlich. Man bewegt sich in ständigen Annäherungen. Festschreibung wäre der Tod der Entwicklung; Systematik ist der ärgste Feind des Verständnisses; Kontrollen veranlassen den Sinn zum Rückzug. Dem üblicherweise als pathologisch Verstandenen steht man mit halbprofessioneller Neugierde gegenüber. Den „Irren“ billigt man zu, im Sinnverständnis unter Umständen noch ein Stück weiter gediehen zu sein als man selbst. Die Kranken haben aber einer Entwicklung, wie man selbst sie nahm, Widerstand entgegengesetzt. Man glaubt, ihnen beim Verständnis ihrer Erlebnisse behilflich sein zu können. Nicht selten hat die Psychologie Anstöße gegeben zu besagtem Sinnverständnis. Nun hat man die Psychologie weit hinter sich gelassen. Angesichts der erreichten Weltsicht erscheinen psychologische Erklärungen zu „kleinkariert“. Systematisierungsversuche, methodische Mühen wirken destruktiv und verderben die Erkenntnischancen. Man lehnt psychologisches Vorgehen ab; es gibt bereits Besseres. Zum Beispiel kann man mithilfe der Aura-Fotografie die Seele abbilden, anstatt sich mit umständlichen Rekonstruktionen zu befassen. Die Psychologie erweist sich als Hemmschuh für den Fortschritt, da sie die Suche in die falsche Richtung lenkt. Da die Psychologie den wahren Zusammenhang verkennt, ist sie inkompetent. Ihre Bemühungen gehen nicht weit genug. Kontakte zu Psychologen ließen den Eindruck entstehen, es handele sich um zaghafte und zurückhaltende Menschen, die „unerlöst“ wirken. Es ist ihnen auch eine gewisse Beschränktheit nachzusagen. Man konnte sich bei solchen Begegnungen vergewissern, um wie viel weiter man selbst bereits ist. Die Zwickmühle gegen die Psychologie besteht für diesen Typus darin, dass die Psychologen entweder ihrer Wissenschaft abschwören müssen, um zu Erkenntnissen zu kommen, oder aber in der „Masse der Blinden“ verschwinden.  

  1. B) Psychologie-Bilder bei praktizierenden Psychologen

Typ I: Zurückführen zur Normalität 

Nach Auffassung dieses Typus sieht sich der Psychologe verwiesen an Menschen, die aus der Gesellschaft „herausgefallen“ sind: Kriminelle, Drogensüchtige, Kranke. Obschon die Psychologen durch ihre Ausbildung Theorien zur Entstehung „abweichenden Verhaltens“ kennen, sind diese „alltagspraktisch“ ohne Relevanz. Außerhalb vertrauter Greifbarkeiten wie festem Wohnsitz, Miteinander-Reden-Können oder auch Angemessenheit von Anlass und Wirkung im Verhalten, macht die Klientel auf „Entgleisungsmöglichkeiten“ des Seelischen aufmerksam. Die Psychologen verspüren die Pflicht, den aus der Bahn Geratenen „beizustehen“. Sie erleben sich als „Propagandisten“ der Alltagsnormalität, von deren Verbindlichkeit sie überzeugt sind. Der Beistand darf jedoch nie so weit gehen, dass die Rückendeckung der Verhältnisse verloren ginge, in die man die Abgewichenen „zurückführen“ möchte. Die ausgewogenen Regulationen des Alltags sollen sich durchsetzen, wo zuvor Chaos und Maßlosigkeit herrschten. Die Psychologen aber sehen sich verschieden von „der Gesellschaft“; sie hegen Sympathie für ihre Schutzbefohlenen. Deren Welt ist nicht ohne Attraktivität. Psychologen haben Gelegenheit, in die absurdesten Verhältnisse hineinzuriechen. Die Faszination gerät kaum zu einer Neigung; fast immer bleiben die Störungen etwas, das eigentlich nicht sein darf. Auf der anderen Seite wollen die Psychologen Abstand halten zu den Ausgrenzungsstrategien, wie sie andere gegen die Seltsamkeiten einsetzen. Der Psychologe bietet in seiner Person einen Übergang zwischen dem Abweichenden und der Regel-Welt. Sein Äußeres gibt wieder, dass er sich in beiden aufhält. Die Rückführungsversuche bestehen darin, die randständige Klientel an den Orten aufzusuchen, wo sie hingeschoben wurde, bzw. wohin sie sich verkrochen hat; in Gefängnissen und Heimen, ungewöhnlichen Behausungen oder auf der Straße. Das Anknüpfen einer „persönlichen Beziehung“ ist die erste Brücke zwischen den Welten, ein Köder zum Herüberziehen. Auch unbefriedigte leibliche Bedürfnisse sorgen für einen Anknüpfungspunkt. Anlaufstellen werden geschaffen, private Praxen sollen der Klientel eine behagliche Heimstatt bieten. Die Erfahrung lehrt, wie leicht eine bestimmte Klientel – ganz anschaulich – auf dem Wege verloren gehen kann. Daher betätigt sich der Psychologe auch als Begleitperson zwischen festen Orten, führt die Fälle an den Ort der Behandlung. Zweck der therapeutischen Maßnahmen ist, den Irregegangenen die Wohltaten eines „geregelten Alltags“ vor Augen zu führen. Die Fälle sollen zeigen, dass die Ordnung verwandelnde Kraft hat. Gewohnheiten, Riten und Rhythmen sollen aufkommen, Tätigkeiten nach Plan und über eine gewisse Zeit hinweg durchgehalten werden. Das reicht vom Durchhalten von Gesprächen (am Teetisch), über Sport und „Beschäftigung“, bis hin zum gemeinsamen Hausbau im Grünen. Dabei soll der Eindruck vermieden werden, die Eingliederung bedeute eine Einbuße an Beweglichkeit und Lebensfreude. „Fröhlichkeit“ ist betont. Das Ziel, die Herausgefallenen von den Segnungen geregelter Lebensführung zu überzeugen, bedingt, dass psychologisches Behandeln selbst nicht als etwas Unalltägliches auftreten darf. Explorationen, Tests, bestimmte Settings wären bereits zu ausgefallen, um damit Klienten an den Alltag heranführen zu können. Sich professionelle Gedanken über das Berufsfeld zu machen, würde den Abstand zur Klientel in ungünstiger Weise vergrößern. Das geht so weit, dass man vermeidet, sich als Psychologe kenntlich zu machen. Die Berufsauffassung zieht ohnehin nach sich, dass man das Gleiche tut wie Nicht-Psychologen auf diesem Arbeitsfeld. Die Bemühungen um Rückführung geraten allzu leicht zu einer gewaltigen Anstrengung. Erfolge sind nach eigenem Bekunden selten. In den Fällen, in denen eine Rückführung nicht gelingen will, tauchen Versuchungen und Taten in zweierlei Richtung auf: Man neigt dazu, den Betroffenen ihr Recht auf „ihren Weg“ zuzugestehen und in eine Konfrontationsstellung zur „Gesellschaft“ zu geraten. Das andere ist das „Fallenlassen“ der widerborstigen Fälle. Wir sehen, wie sich die Psychologen in der Zwickmühle bewegen, die ihnen vom öffentlichen Bild gestellt wird: Entweder arbeiten sie gar nicht psychologisch, und ihr Tun entstammt dem Tätigkeitsrepertoire alltäglicher Hilfeleistung. Oder aber sie haben zu fürchten, mit der Klientel in einen Topf geworfen und entsprechend behandelt zu werden. Interessanterweise ist es vor allem die Klientel, der man „mit Psychologie nicht kommen kann“, sodass angeblich ein Zwang zu nicht-psychologischem Handeln besteht. Es ist, als teilten die Psychologen die Scheu des öffentlichen Bildes, Abweichendem auf den Grund zu gehen. Das Muster wird gegen die Klientel zurückgewendet: Sie wird entweder zur Ordnung zurückgeführt – was zeigt, dass die Alltagseingriffe hinreichen – oder fallengelassen.  

Typ II: Ausnahme-Behandlung 

Für diesen Typus hat es der Psychologe mit Menschen zu tun, die sich in ungewöhnlichen Lagen befinden oder vor ungewöhnlichen Problemen stehen. Es ist „Not am Mann“, etwas steht kurz vor dem Scheitern, es drohen Ereignisse, die durch ihre Brisanz aus dem Rahmen des Üblichen herausfallen. Psychologen werden bei Störfällen gerufen. Wenn Ärzte, Polizisten, Ämter, nicht-psychologische Unternehmensberater mit ihrem Latein am Ende sind, kommt die Psychologie an die Reihe. Im Gegensatz zu Typ I, für den Gestörtheit hauptsächlich als ein Fehlen gewohnter Verhaltensweisen greifbar wird, haben die Seltsamkeiten hier einen umrissenen Charakter. Das zeigt sich beispielsweise in der Benennbarkeit durch eine Diagnose. Trotz des dauernden Umgangs, den der Psychologe mit diesen Erscheinungen hat und der ihnen eine gewisse Alltäglichkeit verleiht, bleiben sie etwas Außergewöhnliches. Der Psychologe hat die Aufgabe und das Rüstzeug, die Störungen in ihrer Eigenart aufzugreifen. Er ist überzeugt, über sehr ungewöhnliche Behandlungsmaßnahmen zu verfügen, die ungewöhnlichen Erscheinungen angemessen sind. Es gibt keine Übergänge zum Alltag; die Störung hört nach der Behandlung „einfach auf“. An den Fällen hat sich zu zeigen, dass das Vorgehen funktioniert. Für das Behandeln gibt es kein System. Jeweils eine Behandlungsform ist einer Störung zugeordnet. Betont wird, dass der Individualität der Störung „individuell“ zu begegnen ist. Wirksamkeit der Behandlung hat etwas mit dem „Treffen“ des Einzigartigen zu tun. Die Psychologen verfügen dementsprechend über ein bedeutendes Arsenal an Behandlungsmaßnahmen und ein umfangreiches „Wissen“, sowie „Erfahrung“, welche der Maßnahmen in welchem Fall anzuwenden ist. Die Palette umfasst Massagen, Spaziergänge, Reiten, Basteln, Musik bis hin zur Reihe der bekannten psychotherapeutischen Verfahren. Es gibt „Pakete“ für diverse Syndrome. Die Vielfalt der Angebote bringt es mit sich, dass der Platzbedarf psychologischer Praxen hoch ist. Es gibt Räume für die verschiedenen Veranstaltungen. Manche Fälle lernen nur den Raum mit den Biofeedback-Geräten kennen, andere den mit der Couch, anderen wird eine Kombination zuteil. Aus der Not, für jeden Ausnahmefall gewappnet sein zu müssen, hilft, sich zu spezialisieren. Mancher Psychologe macht sich einen Namen für besondere Problemlagen. Bis in die einzelne Behandlungsstunde ist das Prinzip des „besonderen Falles“ und der „besonderen Maßnahme“ zu beobachten. Gefordert ist vom Psychologen immer „das rechte Wort zur rechten Zeit“. Das Arsenal der Psychologen ist natürlich nicht

unbegrenzt. Gegenüber diesen, für den Typus unliebsamen Systemansätzen, muss freie Beweglichkeit demonstriert werden. Gerne wird gezögert, gleich zu bestimmen, was geraten ist. Es werden verschiedene Behandlungsweisen durchprobiert, wobei Gelegenheit entsteht, das Repertoire vorzuführen und sich in Neu-Kombinationen dessen Begrenztheit zu verbergen. Das Durchprobieren erweckt den Eindruck einer Suchbewegung, die das Angemessene finden will. Bei den Psychologen dieses Typus entsteht ein unstillbarer Hunger nach „Weiterbildung“. Viele haben bereits Kurse in allen möglichen Verfahren mitgemacht und werfen sich auf jede Neuentwicklung. Im Gegenzug besteht die Sehnsucht nach einem „Allheilmittel“; viele Psychologen hegen den Plan, den reichen Schatz ihrer Erfahrungen in Buchform auf den Nenner zu bringen und die Vereinheitlichung zu wagen. Der ständige Umgang mit den Störungen bedingt oft einen dramatischen Lebenswandel. Man reist viel herum, ist da und dort gefragt, steht oft im Zentrum des Geschehens. Eine persönliche Stilpflege betont Extravaganz; man würde dem Psychologen seine Fähigkeit nicht glauben, wäre er wie alle anderen. Er bemüht sich aber, mit Auftraggebern in den Formen umzugehen, die dort üblich sind. Im Privatleben ist dem Psychologen sein Beruf nicht anzumerken. Gelingt es dem Psychologen, die Ausnahmeerscheinungen zum Verschwinden zu bringen – was nach eigenem Bekunden oft der Fall ist –, so kann er sich des allgemeinen Ansehens – als bunter Hund – sicher sein. Scheitern seine Bemühungen, so pflegt er sich darauf zurückzuziehen, dass die nicht zu lösende Aufgabe eben keine „Ausnahme“ ist, und es wird „zurücküberwiesen“ an die Berufe, die mit „regulären Störungen“ zu tun haben. Es bedarf gewiss keiner näheren Erörterung, wie dieses Bild in der Öffentlichkeit aufgegriffen wird. Der Psychologe sichert sich seine Existenzberechtigung, indem er sich für den Ausnahmefall zuständig erklärt und diesen zu einer Normalität zurückverwandelt. Fehlschläge scheinen hier nur „ausnahmsweise“ vorzukommen. Das Muster der „Ausnahmeregelungen“ kann vom Psychologen wieder auf seinen Aufgabenbereich zurückgewandt werden: Was sich als Ausnahme nicht behandeln lässt, zeigt eine Regelhaftigkeit, für die andere zuständig sind. 

Typ III: Aus-der-Hand-Geben 

Die Angehörigen dieses Typus verbinden mit ihrem Beruf ein erklärtes Engagement: Sie haben das „Wohl der Menschen“ zum Ziel. Das Vorhaben rechtfertigt sich aus einem komplementären Bild vom Zustand der Welt. Jenseits der allgemeinen Optimierungsaufgabe ist der Psychologe jedoch auf sein konkretes Arbeitsfeld verwiesen, in dem er eine Ansatzstelle für ein weitergreifendes Wirken erkennen möchte. Worin immer der Grund der Unvollkommenheit der Welt gesehen werden mag, die Verhältnisse werden in einer Weltanschauung, Theorie oder Richtung gefasst, der sich der Psychologe zugehörig fühlt. Das Wissen um die „Ursachen“, die die Psychologie herausbringen kann, das Verständnis für Funktionieren und Gewordensein, setzt den Psychologen in die Lage, im Besonderen und im Allgemeinen ein Besseres zu entwerfen. Die Einbindung in einen zielgerichteten, allgemeinen Optimierungsentwurf gebietet, dass der Psychologe nicht jede Aufgabenstellung aufgreifen kann; er wird zum Beispiel ablehnen, jemandem beim Abbau seiner „Aggressionshemmungen“ behilflich zu sein. Man folgt einem „Programm“: In Entsprechung zur Sicht der Aufgabe beginnt die psychologische Arbeit mit der Erhebung eines Ist-Zustands. Es gilt festzustellen, woran eine Sache krankt. Eine Diagnose, mit welchen Verfahren auch immer durchgeführt, dient der Erstellung eines Bildes, bei dem das Leiden in Beziehung gebracht wird zu einem als grundlegend gedachten Modell seelischen Funktionierens. Die Stellen fehlerhaften Funktionierens werden dabei genauso sichtbar wie die Veränderungsschritte, die zu einer Optimierung nötig wären. Obschon die Bestimmtheit der Ergebnisse dieses Vorgehens in der Praxis meist hinter dem Anspruch zurückbleibt, wird am Klarstellungsanspruch festgehalten. Ergebnis des überblickenden Verstehens ist, dass für den Psychologen alles Weitere vorgezeichnet ist. Es lassen sich „Ziele“ formulieren, zu denen der Fall dem Psychologen folgen soll. Die Behandlung hat die Aufgabe, den Fall mit dem vom Psychologen gesehenen Ursachenverständnis und mit den erkannten Veränderungsmöglichkeiten vertraut zu machen. Die Zielplanung macht den Psychologen neugierig auf den Fall; er möchte wissen, ob er „Recht hat“. Der Fall hat zu zeigen, ob die Umbildung tatsächlich so vonstatten gehen kann, wie es sich der Psychologe denkt. Mit der anspruchsvollen Programmatik und Vorarbeit kontrastiert eine eigenartige Zurückhaltung bei ihrer Durchführung. Der Anspruch, den Weg zu wissen, wird nur zaghaft eingelöst. Immer kommen verschiedene Hemmnisse ins Spiel: Eine erste Einschränkung liegt darin, dass Zweifel an der Theorie, nach der man arbeitet, auftreten. Methodische Skrupel und Fragen der Beweisbarkeit beginnen zu quälen. Im

Verlauf der Fallarbeit entsteht eine Irritierbarkeit, die zu unvorhergesehenen Mitteln greifen lässt. Je schwieriger ein Fall wird, desto mehr Eklektizismus macht sich breit. Auch durch die „Rahmenbedingungen“ sind die Chancen, „nach Programm“ zu handeln, eingeschränkt. Da lassen der Auftraggeber oder „Umstände“ nicht zu, was eigentlich geschehen müsste. Manche Psychologen „machen“ nur Diagnostik; für Behandlungen sind bestimmte Zeitspannen vorgegeben, die nicht ausreichen. Kunden verlangen etwas Bestimmtes, das ihnen geliefert werden muss. 

Während die bisher genannten Grenzen genauso beklagt werden, wie ihre Unumgänglichkeit betont wird, so gibt es noch eine Reihe selbstgewählter Grenzen. Sie zu überschreiten wäre ein Verstoß gegen die Gebote der „beruflichen Integrität“; es sind ethisch-moralische „Selbstverständlichkeiten“. Einen Fall zu behandeln, darf nicht bedeuten, ihn zu drängen, etwas zu suggerieren, Vertrauen zu enttäuschen, jemandem zu nahe zu treten, die gute Beziehung zu gefährden, sich ins Leben einzumischen. Folgen für weitere Beteiligte müssen bedacht werden. Man befürchtet, unüberwindliche Widerstände beim Fall heraufzubeschwören, usf. Die Fälle erscheinen in Verhältnisse eingebunden, die unantastbar sind. Das psychologisch Machbare steht am Ende auf einem ganz anderen Blatt als die Anweisungen zu psychologischem Vorgehen. Resultat ist ein „Ich konnte ja nur …“. Partielle Erfolge werden zufriedenstellend.Kennzeichnend für diesen Typus ist ein Aus-der-Hand-Geben der Arbeit, ein Wirksam-Werdenlassen von Begrenzungen. Das Aus-der-Hand-Geben realisiert sich anschaulich, indem ein Großteil der Behandlungen mit Überweisungen an Kollegen und Institutionen endet. Der Anspruch auf Überblick kann sich dadurch erhalten, dass das „Ich konnte ja nur …“ umgemünzt wird in ein „Ich habe es von Anfang an gewusst“. Dabei herrscht das Gefühl, in irgendeiner Weise „verhindert“ worden zu sein, das sich gerne an „Arbeitsbedingungen“ festmacht, aber auch an bestimmten „Anständigkeiten“, die nicht zu überwinden sind. Die Psychologen übernehmen hier den Anspruch, Überblick über seelische Wirksamkeiten zu haben und über Wissen um Verbesserungen zu verfügen. Ebenfalls wird die Forderung einer Parteinahme übernommen; zwar nicht ganz in der verlangten Weise, aber in Form der Beachtung anderer, als unverrückbar und übermächtig eingeschätzter Forderungen, denen man sich beugt. Veränderungen scheinen prinzipiell möglich, scheitern jedoch an „Rücksichten“. 

Typ IV: Klärendes Vom-Leibe-Halten 

Die Psychologen erleben sich in einer Realität, die beständig die eigenartigsten Bildungen hervorbringt. Das Seelische scheint ein unablässiges Spiel von Dramatik, Überraschungen, Verrätselungen und Auflösungen in die Welt zu setzen. Die psychologische Ausbildung hat ermöglicht, diese Bewegungen und ihre verborgenen Regeln zu „erkennen“. 

Die Psychologen sehen dieses Geschehen „distanziert“ und „akzeptierend“. Diese Haltung hilft, zu vermeiden, immer gleich blind in seine Verhältnisse hineinzuagieren. Die Psychologen sehen in ihrer beobachtenden Haltung eine Errungenschaft, die sie sich unter vielen Mühen erworben haben. Die Wirklichkeit ist für sie nie trivial, sie setzt in Erstaunen und unterhält und beunruhigt durch die Ausgefuchstheit der Regulierungen, die bei näherem Hinsehen durchsichtig werden. Die Eigenart des Seelischen begegnet in der Arbeit an einem konkreten Fall pars pro toto. Die Psychologen sind gespannt auf die Verwicklungen, die ihnen nun wieder vorgelegt werden. Jeder neue Fall erscheint als eine „Herausforderung“ und „etwas, das weiterbringt“. Man möchte das seelische Spiel liebenswert finden, es ansehen, als sei es quasi zur Unterhaltung der Psychologen inszeniert. Doch fällt es oft schwer, diese seelischen Bildungen allesamt zu mögen; Betroffenheit und Schrecken sind nicht auszuschließen. Die Erfahrung, dass Seelisches tatsächlich wirksam und von großer Macht ist, stachelt einerseits die Neugierde an oder führt zu Warnrufen, führt andererseits aber dazu, sich das Treiben so weit wie möglich vom Leibe zu halten. Die Psychologen kehren gewissermaßen den Spieß um: Sie stellen den Veränderungsanspruch an der Öffentlichkeit als erfüllbar dar und hängen ihr auch sein Scheitern an. Die konstruktiven Gemeinsamkeiten im Umgang mit Veränderung scheinen schwerer zu wiegen als die Anfeindungen und Enttäuschungen, die im Einzelnen dadurch entstehen. Psychologie und Öffentlichkeit gehen über weite Strecken miteinander um in gemeinsamem Verkehrthalten. Der „Seitenwechsel“ der Psychologen aber reicht offenbar nicht hin, um doch etwas zu bewegen. Ist die psychologisch behandelte Öffentlichkeit gegenüber den Übertragungen der Psychologen „schwächer“ als diese im umgekehrten Fall und beugt sich den Veränderungserwartungen?⁹ 

Verlauf der Fallarbeit entsteht eine Irritierbarkeit, die zu unvorhergesehenen Mitteln greifen lässt. Je schwieriger ein Fall wird, desto mehr Eklektizismus macht sich breit. Auch durch die „Rahmenbedingungen“ sind die Chancen, „nach Programm“ zu handeln, eingeschränkt. Da lassen der Auftraggeber oder „Umstände“ nicht zu, was eigentlich geschehen müsste. Manche Psychologen „machen“ nur Diagnostik; für Behandlungen sind bestimmte Zeitspannen vorgegeben, die nicht ausreichen. Kunden verlangen etwas Bestimmtes, das ihnen geliefert werden muss. 

Während die bisher genannten Grenzen genauso beklagt werden, wie ihre Unumgänglichkeit betont wird, so gibt es noch eine Reihe selbstgewählter Grenzen. Sie zu überschreiten wäre ein Verstoß gegen die Gebote der „beruflichen Integrität“; es sind ethisch-moralische „Selbstverständlichkeiten“. Einen Fall zu behandeln, darf nicht bedeuten, ihn zu drängen, etwas zu suggerieren, Vertrauen zu enttäuschen, jemandem zu nahe zu treten, die gute Beziehung zu gefährden, sich ins Leben einzumischen. Folgen für weitere Beteiligte müssen bedacht werden. Man befürchtet, unüberwindliche Widerstände beim Fall heraufzubeschwören, usf. Die Fälle erscheinen in Verhältnisse eingebunden, die unantastbar sind. Das psychologisch Machbare steht am Ende auf einem ganz anderen Blatt als die Anweisungen zu psychologischem Vorgehen. Resultat ist ein „Ich konnte ja nur …“. Partielle Erfolge werden zufriedenstellend.Kennzeichnend für diesen Typus ist ein Aus-der-Hand-Geben der Arbeit, ein Wirksam-Werdenlassen von Begrenzungen. Das Aus-der-Hand-Geben realisiert sich anschaulich, indem ein Großteil der Behandlungen mit Überweisungen an Kollegen und Institutionen endet. Der Anspruch auf Überblick kann sich dadurch erhalten, dass das „Ich konnte ja nur …“ umgemünzt wird in ein „Ich habe es von Anfang an gewusst“. Dabei herrscht das Gefühl, in irgendeiner Weise „verhindert“ worden zu sein, das sich gerne an „Arbeitsbedingungen“ festmacht, aber auch an bestimmten „Anständigkeiten“, die nicht zu überwinden sind. Die Psychologen übernehmen hier den Anspruch, Überblick über seelische Wirksamkeiten zu haben und über Wissen um Verbesserungen zu verfügen. Ebenfalls wird die Forderung einer Parteinahme übernommen; zwar nicht ganz in der verlangten Weise, aber in Form der Beachtung anderer, als unverrückbar und übermächtig eingeschätzter Forderungen, denen man sich beugt. Veränderungen scheinen prinzipiell möglich, scheitern jedoch an „Rücksichten“. 

Typ IV: Klärendes Vom-Leibe-Halten 

Die Psychologen erleben sich in einer Realität, die beständig die eigenartigsten Bildungen hervorbringt. Das Seelische scheint ein unablässiges Spiel von Dramatik, Überraschungen, Verrätselungen und Auflösungen in die Welt zu setzen. Die psychologische Ausbildung hat ermöglicht, diese Bewegungen und ihre verborgenen Regeln zu „erkennen“. 

 Die Psychologen sehen dieses Geschehen „distanziert“ und „akzeptierend“. Diese Haltung hilft, zu vermeiden, immer gleich blind in seine Verhältnisse hineinzuagieren. Die Psychologen sehen in ihrer beobachtenden Haltung eine Errungenschaft, die sie sich unter vielen Mühen erworben haben. Die Wirklichkeit ist für sie nie trivial, sie setzt in Erstaunen und unterhält und beunruhigt durch die Ausgefuchstheit der Regulierungen, die bei näherem Hinsehen durchsichtig werden. Die Eigenart des Seelischen begegnet in der Arbeit an einem konkreten Fall pars pro toto. Die Psychologen sind gespannt auf die Verwicklungen, die ihnen nun wieder vorgelegt werden. Jeder neue Fall erscheint als eine „Herausforderung“ und „etwas, das weiterbringt“. Man möchte das seelische Spiel liebenswert finden, es ansehen, als sei es quasi zur Unterhaltung der Psychologen inszeniert. Doch fällt es oft schwer, diese seelischen Bildungen allesamt zu mögen; Betroffenheit und Schrecken sind nicht auszuschließen. Die Erfahrung, dass Seelisches tatsächlich wirksam und von großer Macht ist, stachelt einerseits die Neugierde an oder führt zu Warnrufen, führt andererseits aber dazu, sich das Treiben so weit wie möglich vom Leibe zu halten. Die Psychologen kehren gewissermaßen den Spieß um: Sie stellen den Veränderungsanspruch an der Öffentlichkeit als erfüllbar dar und hängen ihr auch sein Scheitern an. Die konstruktiven Gemeinsamkeiten im Umgang mit Veränderung scheinen schwerer zu wiegen als die Anfeindungen und Enttäuschungen, die im Einzelnen dadurch entstehen. Psychologie und Öffentlichkeit gehen über weite Strecken miteinander um in gemeinsamem Verkehrthalten. Der „Seitenwechsel“ der Psychologen aber reicht offenbar nicht hin, um doch etwas zu bewegen. Ist die psychologisch behandelte Öffentlichkeit gegenüber den Übertragungen der Psychologen „schwächer“ als diese im umgekehrten Fall und beugt sich den Veränderungserwartungen?⁹ 

 

Hinweis: Dieser Artikel ist eine Neuauflage und wurde per Hand ins Digitale übertragen sowie an die neue Rechtschreibung angepasst. Wir bitten um Nachsicht für eventuelle Fehler.  

 

Literatur und Anmerkungen 

1 Siehe Leiker, W. (1982): Das Bild des Psychologen in der Öffentlichkeit, in: Zwischenschritte, 1, 9–19. 

2 Salber, W. (1969): Wirkungseinheiten – Psychologie von Werbung und Erziehung, Wuppertal, Ratingen, Düsseldorf. 

3 Salber, W. (1977): Kunst – Psychologie – Behandlung, Bonn; Salber, W. (1980): Konstruktion psychologischer Behandlung, Bonn. 

4 Salber, W. (1968): Der psychische Gegenstand, Bonn. 

5 Freud, S. (1946): Zur Dynamik der Übertragung, in: Ges. Werke, Bd. 8, Frankfurt/Main. 

6 Die untersuchte Stichprobe gliedert sich wie folgt: 

– das Bild in der Öffentlichkeit: 93 beliebige Nicht-Psychologen. 

– das Bild bei Psychologiestudenten zu Beginn ihres Studiums: 36 stud. psych. im 1. und 2. Semester von verschiedenen deutschen Universitäten. 

– das Bild bei Psychologiestudenten in der Mitte ihres Studiums: 34 stud. psych. kurz vor oder kurz nach Ablegung der Vordiplomprüfung von verschiedenen deutschen Universitäten. 

– das Bild bei Psychologiestudenten am Ende des Studiums: 35 stud. psych. kurz vor oder kurz nach Ablegung der Diplomprüfung von verschiedenen deutschen Universitäten. 

– das Bild bei praktizierenden Psychologen: 52 Diplompsychologen, freiberuflich, angestellt oder verbeamtet, mit einer Berufstätigkeit zwischen 2 und 16 Jahren. Studium an verschiedenen deutschen Universitäten, berufstätig in der Bundesrepublik Deutschland. 

7 Melchers, C. B. (1978): Zur Wirkungspsychologie nationalsozialistischer Propagandafilme, Diss., Köln. 

8 Um vor der Darstellung einiger Ergebnisse zwei Punkte nachzutragen: Bislang ist zwischen Psychologie und Psychologen nicht deutlich unterschieden worden. Das ist darum sinnvoll, weil auch in den Psychologenbildern zwischen Mensch und Wissenschaft nicht konsequent unterschieden wird. Ob hier eine Unterscheidung gemacht wird, hängt von den einzelnen Bild-Formen ab; die Unterscheidung hat für die Bilder funktionalen Wert. Als zweites legen es die Hypothesen nahe, Psychologie und Psychotherapie eng zusammenzubringen. Dies geschieht auch in den Bildern. Sofern aber bei den Versuchspersonen ein Wissen um andere Tätigkeitsfelder der Psychologie vorhanden war oder wenn Diplompsychologen nicht „klinisch“ tätig sind, wird auch diese Arbeit mit Veränderungsintentionen verbunden. Das Vorwissen ist zudem keine „unabhängige Variable“: Es hängt vom Bild ab, was man von der Psychologie weiß und wissen will. 

9 Hier endet die vorliegende Skizze mit der Frage nach der Asymmetrie der Übertragungen. 

 Titelbild: landsmann-E5qabXCf7-o-unsplash.jpg (OpenAI)

 

Autor:in

Christoph B. Melchers

Dr. Christoph B. Melchers 

Im Letzfeld 22, W-7801 Mengen 

Leiter des Instituts für Psychologische Wirkungsforschung (IFM-Forschungsgruppe / IFM-Freiburg). 

Arbeitsschwerpunkte: Morphologische Markt- und Wirkungsforschung, Medienpsychologie, Klinische Psychologie. 

Veröffentlichungen u. a. über die Wirkung von Propaganda-Filmen, „Holocaust“, Produkt-Wirkungseinheiten, Bild-Wirkungseinheiten, Alltag sowie klinische Arbeiten.