Die Konstruktion der Delinquenz lässt sich – in struktureller Analogie zum „Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ – als Herstellung einer Gestalt auffassen, die auf ein „Kaltmachen des Alltags“ hinarbeitet. Sie erreicht das, indem sie ihre maßgeblichen Grundverhältnisse (einbinden – ausgrenzen; eigen – fremd; warm – kalt) so vermittelt, dass die Behandlung von Wirklichkeit sich immer weiter von verbindlichen, vertrauten und banalen Mitbewegungen entfernt. Brisante Augenblicksverfassungen, wo sich die Extreme dieser Verhältnisse berühren, machen das besonders deutlich. In unverfügbarer Weise wird das Problem der Nähe zum Drehpunkt für Angstentwicklung und unerschrockene Taten. Die Frage der Behandelbarkeit von krimineller Wirklichkeitsgestaltung bringt schließlich die „doppelte Moral“ der Kultivierung in den Blick: Sie braucht verpflichtende Normen und honoriert deren Einhaltung, hat aber auch ein Lebensinteresse an den ungesetzlichen Experimenten, die sie bestraft.