Die Zeitungslektüre wird meistens mit Informationsaufnahme und Partizipation am Weltgeschehen begründet. Die psychologische Analyse von Funktion und Bedeutung der Tageszeitung zeigt, dass die Zeitung dem Leser ein Welttheater, eine Heimbühne im DIN-A2-Format eröffnet. Auf dieser Heimbühne führt sich der Leser seine eigenen Probleme, Nöte, Hoffnungen, Entwicklungen und Tagesthemen vor Augen. Die „große“ Welt wird zum Gleichnis für die eigene „kleine“ Seelenwelt. Die Auswahl der Artikel gehorcht dabei einer geheimen Logik – quer durch die Vielfalt der Zeitung verfolgt der Leser sein eigenes Tagesthema und erstellt sich die Zeitung für den eigenen Tag. Dabei spiegelt die Zeitung auch die beunruhigende Anfälligkeit unserer Welt. Die Zeitung ist und bleibt unentbehrlich, weil sie wie kein zweites Medium seelische Bearbeitungsformen fördert und stützt, die helfen, diesen beunruhigenden Wandel der Welt zu bannen: In einem dramatischen Zwiegespräch mit der Zeitung beweisen wir, dass das Neue doch immer das ewig Gleiche ist, dass trotz überraschender Wendungen alles in Ordnung ist, dass der Zufall kalkulierbar ist und alles doch so kommen musste, wie es kam; und nicht zuletzt demonstrieren wir uns, dass alles, was uns zu schaffen macht, entweder doch ganz anders oder spielend zu bewältigen ist.
In seinen „Maximen und Reflexionen“ (VII, Nr. 50) befindet Goethe:
„Ein Mensch, der Zeitung liest, erfährt:
‚Die Lage völlig ungeklärt.‘
Weil dies seit Adam so gewesen,
wozu denn da noch Zeitung lesen?“
Eugen Roth
Entbehrliche Neuigkeiten? Seit zu Beginn des 17. Jahrhunderts die ersten Zeitungen und Gazetten regelmäßig erscheinen, löst die Zeitungslektüre eine geheimnisvolle Faszination aus und fand eine erbitterte Gegnerschaft. Einerseits erlangte die Zeitung zunehmend begeisterte Anerkennung und erzielte eine bislang beispiellose Breitenwirkung. Dazu schrieb im Jahre 1771 der Leipziger „Redende Stumme“: „Alles, was lesen kann, beschäftigt sich vom Vornehmen bis auf den Geringen den ganzen Tag mit Zeitungsblättern!“ Und das „Journal von und für Deutschland“ sprach 1790 von dem Zeitalter, „in welchem die Lesewut bis in die untersten Stände gedrungen ist“ (s. Baumgärtner 1974, 74). Andererseits gab es auch immer kritische Stimmen, die vor den schädlichen Wirkungen und den Gefahren der Zeitungslektüre warnten und zum Kampf gegen die „unzeitige neue Zeitungssucht“ aufriefen. Sie verpönten Zeitunglesen, weil es vom Wichtigen und Wesentlichen ablenke. Zeitunglesen galt als eitel, unnütz, als entbehrlich, kurz: als Zeitvergeudung. „Wenn man einige Monate die Zeitungen nicht gelesen hat und man liest sie alsdann zusammen, so zeigt sich erst, wie viel Zeit man mit diesen Papieren verdirbt.“ In der 350-jährigen Geschichte der Zeitung flammte die Frage nach ihrer Entbehrlichkeit immer wieder auf. Als sich in den sechziger Jahren das Fernsehen in Deutschland ausbreitete, sah man den Weiterbestand der Zeitung gefährdet: Nehmen die Abendnachrichten im Fernsehen nicht die Spannung weg, die die Zeitungslektüre bislang begleitet hat? Ist Fernsehen nicht sehr viel unterhaltsamer und bequemer als Zeitunglesen? Und bleibt bei den zwei oder drei Stunden, die das Fernsehen täglich einnimmt, überhaupt noch Zeit für die Zeitung?
Auch heute, 20 Jahre später, wird wieder die Frage gestellt, ob die Zeitungslektüre angesichts von Kabelfernsehen, Bildschirmzeitung und Videotext, von Frühstücksfernsehen und Lokalprogrammen nicht doch in naher Zukunft ersetzt werden und aus unserem Alltag verschwinden wird. Aber trotz Fernsehen und neuer Medien, trotz der immer wieder propagierten Entbehrlichkeit, hat die Zeitungslektüre ihren Platz im Tageslauf behaupten können: Täglich werden in der BRD 26 Millionen Zeitungsexemplare verkauft, davon 16 Millionen im Abonnement (Kölner Stadt-Anzeiger, 14.7.1986). 81 % der Bevölkerung lesen wenigstens einmal in der Woche eine Zeitung. Die Bundesbürger wenden im statistischen Durchschnitt an einem Werktag 38 Minuten für die Lektüre von Tageszeitungen auf (Arbeitsgemeinschaft für Kommunikationsforschung e. V. 1980, 71). Die ungebrochene Attraktivität der Zeitungslektüre – die heute wie vor 200 Jahren eine Selbstverständlichkeit ist – ebenso wie die Zweifel an Bedeutung und Zukunft der Zeitung machen neugierig auf die Beantwortung vieler Fragen: Wozu liest man eigentlich Zeitungen? Welche Funktion und Bedeutung haben Zeitungen im Alltag? Erst nach der Untersuchung dieser Fragen lässt sich klären, ob die Zeitung entbehrlich ist oder durch andere Medien ersetzt werden kann. Die Analyse der Funktion und Bedeutung der Zeitung klärt auch, was eine Zeitung leisten muss, damit der Leser sie akzeptiert, kauft und – last not least – liest. Die Lektüre von Zeitungen wird im Alltag und zum Teil auch in der wissenschaftlichen Literatur vor allem mit Informationsaufnahme und -verarbeitung oder mit Unterhaltung und Entspannung begründet. Diese Erklärungen beantworten aber nicht die Frage, ob die Tageszeitung auch durch andere Medien ersetzt werden kann. Unterhalten und entspannen kann ein Spielfilm oder ein Kriminalroman auch. Information bietet auch die Tagesschau, und die Suche nach Stellenanzeigen oder Sonderangeboten wird in naher Zukunft durch Bildschirmtext leichter und schneller zu bewerkstelligen sein.
Die Zeitung eröffnet ähnlich wie das Kino oder Fernsehen einen störungsfreien Raum, eine Verfassung, in der wir von Verantwortlichkeiten und Konsequenzen für das Geschehen enthoben sind. Wir können an der Wirklichkeit teilhaben, ohne an ihr teilzunehmen. Wir können die bunte Vielfalt der Welt – „vom Mord in Nippes“ bis zu den „Kämpfen im letzten Winkel der Welt“ – ausschmecken, ohne von den Katastrophen und Unfällen befleckt oder zur Rechenschaft gezogen zu werden. Insofern hat die Zeitungslektüre Ähnlichkeiten mit einem Tagtraum. Sie eröffnet einen Naturschutzpark der Phantasie, einen Verkehrungs-Zoo, in dem man scheinbar unbehelligt die seltsamen, befremdlichen und skurrilen Schöpfungen und Verwandlungen des Alltags vorbeiziehen lassen kann. In der Zeitung können wir eine Art „Welt-Theater“ verfolgen. Die Großen dieser Welt, die Schurken, die Vorbilder geben auf unserer Heimbühne im A2-Format ihr Stelldichein. Anders jedoch als beim Theater oder Kino sind wir nicht über einen vorgegebenen Zeitraum auf eine vorgefertigte Abfolge von Szenen angewiesen, sondern wir sind die Regisseure und Programmgestalter. Wir bestimmen, wer auftritt, wie lange er auftritt. Wir entscheiden, wem der Zutritt versagt bleibt, wer wann die Bühne verlassen muss und wann der Nächste unsere Aufmerksamkeit beanspruchen darf. Es liegt in unserer Hand, ob das Stück mit einem Happy End oder einer Hiobsbotschaft endet. Nur deshalb können wir überhaupt an Massakern oder Verkehrsunfällen partizipieren, die wir vor Ort nicht aushalten könnten. Wir haben selberdie Aufführungsdauer, die Schnitte und Szenenwechsel in der Hand, darum können wir uns in der Zeitung auch mehr zumuten als in den Fernsehnachrichten.
Statt nüchtern Informationen aufzunehmen, werden wir von der Lektüre immer wieder gepackt. Wir vertiefen uns eine Stunde lang in Zeitungslektüre und erleben die Lektüre häufig als eine geschlossene und zusammenhängende Einheit bzw. Stundenwelt. Diese Gemeinsamkeit der Zeitungslektüre z. B. mit der Lektüre eines Buches ist umso erstaunlicher, da wir – anders als bei einem Buch oder Theaterstück – in der Zeitung keine durchgehende Geschichte mit Anfang, Steigerung und Höhepunkt vorfinden, sondern einen Flickenteppich, ein wirres Nachrichtenpuzzle, das uns ständig anders anspricht und hin- und herreißt. Wie ist es möglich, dass wir von einem wirren Flickenteppich gepackt werden? Wie kommen wir bei den hundert verschiedenen Artikeln der Tageszeitung von einem Artikel über französische Restaurants ausgerechnet zu einem Bericht über den Liedermacher Biermann? Wie passen die einzelnen Puzzlesteine zueinander, und wie kann aus ihnen eine zusammenhängende Lektüre werden? – Die Beschreibung einer chemotechnischen Assistentin:
Sie will die Zeitung nur kurz zur Hand nehmen, um rasch einmal die Stellenangebote zu überfliegen, denn sie möchte den Arbeitsplatz wechseln. Beim Durchsehen will die Zeitung enttäuscht wieder weglegen. Doch dann fällt ihr Blick beim Zusammenfalten auf die Überschrift „IG von Köchen gegründet“. Sogleich vertieft sie sich in den Artikel und bewundert den Mut der Köche zu solch einem Schritt.
Sie blättert weiter und stößt auf die Nachricht, dass der Komiker Coluche die „Restaurants des Herzens“ in Frankreich eröffnet hat. „Angenehm berührt“ verfolgt sie das Thema und „findet es toll“, dass er in Eigeninitiative so eine gute Sache auf die Beine gestellt hat. Einige Seiten weiter findet sie ein Interview mit dem aus der DDR ausgebürgerten Liedermacher Biermann. Gespannt verfolgt sie, „wie das für ihn nach zehn Jahren im Westen ist – im Gegensatz zu der Zeit, als er rübergekommen ist und im Gegensatz zum Osten“. Darüber möchte sie jetzt mehr wissen: wie Biermann den Neuanfang mit leeren Händen erlebt hat und wie er bei dem Wechsel „mit seiner Identität fertig geworden ist“. Das „platte und oberflächliche Interview“ trägt jedoch ihre Wünsche nicht. Sie legt die Zeitung enttäuscht weg und lässt sich das Thema „erst einmal durch den Kopf gehen“.
Die Beschreibung zeigt, dass die Leserin quer durch die verschiedenen Mosaiksteine der Zeitung ein für sie an diesem Tag seelisch relevantes Thema behandelt: ihren Wunsch, beruflich und privat einen Neuanfang zu wagen. Dafür pickt sie sich aus der Zeitung genau das Material heraus, das ihr eigenes Tagesthema – den Neuanfang – aufgreift und auslegt. Sie führt sich anhand der Zeitung das Für und Wider, die Entwicklungsmöglichkeiten, Konsequenzen und Probleme eines Neuanfangs vor Augen. Auf diese Weise erstellt sie sich eine Art Horoskop für ihre eigene Lebensgestaltung.
Ebenso wie die chemotechnische Assistentin erleben wir die Zeitungslektüre als packende Einheit, weil wir quer durch die Vielfalt der Zeitung unsere eigene Seelenwelt aufgreifen. Die Artikel, die die Assistentin gelesen hat, waren nicht die Aufmacher und Tagesthemen der Zeitung. Sie montiert sich aus der Zeitung ihre persönliche Tagesschau, was in der flüchtig flimmernden Fernsehwelt nicht gelingt. Der Gleichnischarakter der Artikel für ihre Eigenwelt, für ihr Tagesgeschick, für ihre persönlichen Tagesthemen bestimmt und reguliert die Auswahl. Der Leitfaden eigener Tagesthemen und Probleme wird zum roten Faden der Lektüre. Dabei wird die Ordnung der Zeitung in Ressorts und Länder aufgelöst: Die Verhältnisse in einem Königshaus, die Entwicklungen in Südafrika und die Trainingsbemühungen eines Fußballspielers können gemeinsam herangezogen werden, um sich z. B. die Schwierigkeiten, die mit der Durchsetzung eigener Rechte verbunden sind, vor Augen zu führen.
Der Leser überfliegt die Zeitung und steigt in die Lektüre ein, als er sieht, dass der Prinz aus England keine Lust auf den Militärdienst hat und Querelen mit der königlichen Familie in Kauf nehmen muss, um sein Recht auf Selbstbestimmung durchzusetzen. Der nächste Artikel, den er herausgreift, rückt in den Blick, welchen Einsatz und welche Opfer die Verwirklichung eigener Rechte erfordern kann. Die verhaltene Auflehnung des Prinzen wird hier zu einem offenen Aufruhr und einem erbitterten Kampf um das Recht: Den Schwarzen in Südafrika wird das Wahlrecht verwehrt. Es kommt zu Protesten und Rassenunruhen, die mit brutaler Repression erwidert werden. Der Leser spürt, dass er selbst solchen Kämpfen nicht gewachsen wäre, dass er auch mit Ausgleich und diplomatischem Vorgehen sein Recht verwirklichen kann: Er liest, dass im Hamburger Häuserkampf Hausbesetzer auf ihr Wohnrecht pochen und Stadtväter mit dem Abriss drohen. Die mit beiden Seiten verhandelnden Pastoren werden als Vermittler erlebt, „die ein bisschen Frieden zwischen den Besetzern und der Regierung stiften können“. Im letzten Artikel bestätigt er sich, dass man mit beharrlicher, aber wohldosierter Einsatzbereitschaft sein Recht verwirklichen kann: Er verfolgt, dass der im Zweikampf verletzte Fußballspieler Thomas Allofs wieder erfolgreich Aufbauarbeit leistet, um seine Spielberechtigung wiederzuerlangen.
Die „große“ Welt als Ausdruck der „kleinen“ Seelenwelt
Die Zeitungslektüre wird als Einheit erlebt, weil wir in der Vielfalt der Welt die Verhältnisse unserer eigenen Seelenwelt aufgreifen. Die große Welt wird zum Ausdruck unserer kleinen Seelenwelt. An den Entwicklungen der großen Welt machen sich die Entwicklungsmöglichkeiten eigener Ansprüche und Hoffnungen, die Lösungsmöglichkeiten eigener Nöte und Probleme fest. Nachrichten und Berichte sind Gleichnisse für unsere Alltagssituation, für die Verhältnisse, in denen wir leben, für die Aufgaben und Probleme, die es für uns tagtäglich zu bewältigen gilt. Bereits 1940 stellt Karl Kurth heraus, dass nicht die große Welt, sondern die persönliche kleine Welt der vereinheitlichende Dreh- und Angelpunkt der Zeitungslektüre ist. Nach Karl Kurth lesen die Leute Zeitung, um – mehr oder weniger bewusst – die mitgeteilten Tatsachen darauf zu prüfen, inwieweit und wie stark sie auf das persönliche Leben einwirken können. Demnach reagiert man bei der Lektüre auf Tatbestände, die
– den Selbsterhaltungstrieb (Nachrichten von Kriegen, Epidemien und Unfällen),
– den Erwerbstrieb (Anzeigen und Wirtschaftsnachrichten),
– das Geltungsbedürfnis (Lokal- und Sportnachrichten),
– die biologischen Antriebe (alles, was von Kind und Heim, Liebe und Familie handelt)
betreffen.
Vierzig Jahre später betont Petra E. Dorsch, dass die Zeitung dem Leser hilft, seinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Alltag zu planen. Die Zeitung dient als „Wegweiser, Schrittmacher und Checkliste“ für die Gestaltung des eigenen Aktionsbereiches: „Aufstehen, Einkaufen, Veranstaltungsbesuche, Berufsleben und Zuwendung zu Hörfunk und Fernsehen stehen in Abhängigkeit zu diesem Medium.“
Kurth und Dorsch erklären die Wirksamkeit von Tatsachen, Nachrichten oder Anzeigen, die einen direkten Bezug auf den Alltag des Lesers haben. Die Lektüre einer Nachricht oder Anzeige begründen sie mit ihrem expliziten Inhalt, mit ihrer Faktizität. Ihre Untersuchungen klären jedoch nicht, wieso auch die Nachrichten, die auf den ersten Blick nichts mit dem Leben des Lesers zu tun haben – die Restaurants des Herzens in Frankreich z. B. – mit Interesse gelesen werden. Sie sind in einem anderen Sinne relevant und wirksam für unseren Alltag – als Gleichnisse, die uns Entwicklungsmöglichkeiten, Probleme oder Lösungswege unserer eigenen Lebensgestaltung aufzeigen. Bei der Informationsaufnahme in Tageszeitungen geht es also nicht um ein tägliches Hinzuaddieren neuer Fakten und Wissenselemente zu unserem Wissensstand, sondern darum, die eigenen Weltbilder und seelischen Strukturen auszuloten, zu modellieren, auszudifferenzieren, umzuformen und weiterzuentwickeln: Wir lesen den Bericht über Gorbatschows Bemühungen, in verkrusteten Strukturen Perestroika durchzusetzen, nicht, weil wir zu einem Kapitel russischer Geschichte in unserem Hirn neue Fakten hinzuspeichern wollen, sondern weil wir uns daran die Probleme und Konsequenzen vor Augen führen können, mit denen wir zu rechnen haben, wenn wir in der Firma ein neues Arbeitsklima schaffen wollen oder wenn wir in der Familie eine neue Hausordnung einführen wollen. Nachrichten, die für uns zum Beleg, zum Beispiel oder zum Gleichnis geworden sind, werden von uns verstanden und behalten. Die „Speicherung“ oder „Erinnerung“ von Nachrichten hängt nicht von ihrer Größe in der Zeitung oder ihrer vermeintlichen Wichtigkeit, sondern von ihrer Relevanz für die individuellen Bezüge des Lesers ab. Der Stand der Börsenkurse kann auch vom wirtschaftlichen Laien behalten werden, weil er in ihrem Auf und Ab seinen eigenen Aufstieg und Fall spiegeln kann.
Gerade weil die Zeitung unsere eigene „kleine“ Welt spiegelt und auslegt, ist sie für uns auch so belastend und beunruhigend. Die Zeitungen berichten über die plötzlichen Störungen der Welt und des Alltags, über überraschende Entwicklungen und Wendungen, über Unfälle und Katastrophen. Zeitungen spiegeln daher auch die Labilität und Störanfälligkeit unserer „kleinen“ Alltagswelt.
Während der morgendlichen Zeitungslektüre lotet die Leserin die Probleme aus, die mit einer Familiengründung verbunden sind. Sie blättert die Zeitung durch und macht zuerst bei einem Artikel Halt, der Geburtserschwernisse in zwei Kölner Krankenhäusern behandelt. Eine chinesische Akupunkturmethode soll unruhigen Männern und Frauen helfen, sich zu entspannen. Die Leserin begrüßt die gebotene Bewältigungshilfe und überlegt, ob sie später eines dieser Krankenhäuser aufsuchen solle. Dann liest sie, dass in Nippes die älteste Kondomfabrik stand. Sie wundert sich darüber, dass es schon lange Verhütungsmittel gibt, und resümiert, dass auch früher schon eine Schwangerschaft verhindert werden konnte. Auf der nächsten Seite entdeckt sie das Bild einer Familie, die im amerikanischen Fernsehen die dokumentierte Erfüllung einer Familiengründung zeigt, und gerät ins Träumen.Versunkenblättert sie weiter und steigt erst wieder im Panoramateil in einen Artikel ein. Nach den Zukunftsentwürfen werden hier die möglichen Schwierigkeiten, Komplikationen und Vermittlungsnotwendigkeiten thematisiert, die das Kinderkriegen mit sich bringen kann. Gebannt verfolgt die Leserin die Geschichte von zwei Frauen, die um ein Baby kämpfen. Eine Leihmutter, die für eine unfruchtbare Frau das Kind ausgetragen hat, will das Baby behalten. Trotz eines Vertrages ist die Angelegenheit jetzt ein „großer Fall für das amerikanische Gericht“. Während sie diesen Komplikationen nachgeht, spürt sie, dass „zu viele Gefühle“ bei ihr wach werden und dass sie „zu tief angesprochen“ wird, und bricht die Lektüre nach diesem Artikel beunruhigt ab.
Die Zeitung beunruhigt uns zutiefst, da wir angesichts der Anfälligkeiten und Zufälle der Wirklichkeit unsere (alltäglichen) Alltags-Selbstverständlichkeiten gefährdet sehen. Tagtäglich werden die Grenzen unserer Zumutbarkeit belastet, weil wir erfahren, dass sich alles im Leben verkehren kann, dass etwas völlig anderes eintritt, als erwartet. Tag für Tag wird im Verkehrungstrubel der Welt vieles erschüttert, das wir als fest und sicher geglaubt haben. Das kann eine Zeitung schon durch ihr bloßes Erscheinungsbild kommunizieren, wenn sie „überladen und überfrachtet“ wirkt, oder wenn wir beim Anblick einer völlig verkastelten Titelseite hin- und hergerissen werden und keinen Ruhepunkt finden. Eine nicht zu unterschätzende Quelle des Unbehagens gegenüber der Zeitung, ihre behaupteten „schädlichen Wirkungen“, liegen eben darin begründet, dass die Zeitungen die Anfälligkeiten und Zufälle der Welt offensichtlich machen. In der Zeitung hat der zerstörerische und neuschaffende Wandel der Welt Gesicht und Gewicht. Daher bietet sie eine Projektionsfläche, an der man die schädlichen Zufälle und überraschenden Entwicklungen festmachen kann. Verteufelt werden dann nicht die Verhältnisse der Wirklichkeit (die Tatsache), sondern deren Dokumentierung und Mitteilung. In der gleichen Logik gilt im Volksmund nicht der als Nestbeschmutzer, der ins Nest geschissen hat, sondern derjenige, der öffentlich verkündet, dass gerade das Nest beschmutzt wurde.
Die Zeitung ist der Lehrmeister unseres Alltags. Die Zeitung vermittelt uns die beunruhigende Anfälligkeit der Welt. Wir erfahren morgens oder abends, was alles passieren kann und womit wir im Alltag zu rechnen haben. Die Zeitung zeigt uns, dass unsere Bildungen und unsere Bildung angesichts des beständigen Wandels immer wieder hinterherhinken und sich als unangemessen erweisen. Im Kampf der Mütter, in Katastrophenberichten, in Neuigkeiten, in Todesanzeigen und in der Wettervorhersage werden uns überraschende Entwicklungen und beunruhigende Wendungen und Verkehrungen vor Augen geführt, die wir nicht verursacht haben, die wir nicht in der Hand haben und denen wir dennoch ausgesetzt sind. Die Zeitung lehrt uns, dass es unser aller Schicksal ist, dass wir „Ewige Zweite“ (Salber 1973, 1060) sind, denen andere vorausgehen oder voraus sind, und dass wir mit Ereignissen, Entwicklungen konfrontiert werden, die andere bewirkt haben und die wir uns erst zu eigen machen müssen. Wir hadern jedoch täglich mit unserem Schicksal. Wir wollen nicht Ewige Zweite sein. Wir wollen zeigen, dass uns die Welt nicht überrollt, sondern dass wir mit dem Wandel der Welt fertig werden können. Wir wollen aufholen und „auf dem Laufenden bleiben“.
Darum übersetzen wir die Nachrichten nicht nur in die Sprache unserer eigenen kleinen Welt, sondern treten in einen klärenden Dialog mit der Zeitung. Im täglichen Zwiegespräch mit der Zeitung versuchen wir durch fünf geschickte Bearbeitungsformen die beunruhigende Kraft des Unerwarteten und Neuen einzudämmen:
– Wir entlarven das Neue als eigentlich Altbekanntes und Ewig Gleiches.
– Wir versichern uns, dass trotz überraschender Wendungen alles noch in Ordnung ist.
– Wir brandmarken das Unerwartete als eigentlich Vorauszusehendes und bestätigen uns, dass alles so kommen musste, wie es eingetreten ist.
– Wir biegen uns das Neue zurecht und zeigen, dass eigentlich alles ganz anders ist als dargestellt.
– Und wenn uns das alles nicht gelingt, beweisen wir, dass wir mit allem, was auch passieren mag, spielend fertig werden können.
Diese Bearbeitungsformen benutzen wir natürlich auch außerhalb der Zeitungslektüre, aber die Zeitung stützt und fördert diese Bearbeitungsformen in bemerkens- und beschreibenswerter Art und Weise. (Das hängt damit zusammen, dass auch die Journalisten „Ewige Zweite“ sind. Auch sie verfolgen Ereignisse, die andere bewirkt haben. In ihren Produktionen und Aufbereitungen manifestieren sich daher die gleichen Bearbeitungsformen. Der Leser findet in der Zeitung keine reine Nachricht, sondern immer schon eine Zubereitung und Bearbeitung des Neuen.)
Der Leser kann dem Neuen einen Teil seiner beunruhigenden Kraft nehmen, indem er es als ewig wiederkehrendes Gleiches ausweist, das bereits „seit Adam so gewesen“ ist. Die Zeitung stützt diese Bearbeitungsform, indem sie die Wechselfälle der Welt in einen ewig gleich wiederkehrenden Mantel montiert. Egal, was in der Welt passiert, die Zeitung behält ihr konstantes und traditionelles Erscheinungsbild und vermittelt dadurch eine beruhigende Verlässlichkeit und Beständigkeit. Auch ihr regelmäßiger Erscheinungstermin trägt zu dieser beruhigenden Verlässlichkeit bei. Sie garantiert, dass es weitergeht und dass wir weiter am Wandel der Welt teilhaben können. Die Bedeutung dieser Kontinuität und Beständigkeit wird spürbar, wenn man z. B. im Urlaub auf eine andere Zeitung angewiesen ist oder wenn man die Zeitung wechselt. Eine lange Eingewöhnungszeit ist dann erforderlich, und nicht selten irritiert das ungewohnte Bild der Zeitung stärker als die ungeklärte Lage der Welt.
Die Zeitung hilft dabei, uns zu versichern, dass trotz weltbewegender Ereignisse und unerwarteter Wendungen die Welt noch in Ordnung ist. Die Übersichtlichkeit der Zeitung und ihre klare Gliederung kontrastieren mit der Unordnung und dem Chaos der Welt. In der Zeitung wissen wir – ganz gleich, was geschieht –, wo was zu finden ist, da jedes Ressort und jede Seite der Welt ihren festen Platz hat.
Wenn die erschreckendsten Nachrichten in einer Ordnung stehen, vermittelt die Zeitung das beruhigende Gefühl, dass eigentlich die Sache selbst in Ordnung ist.
Haben wir es nicht bereits vorher gewusst, dass es ein schlimmes Ende nehmen wird, wenn man auf der Autobahn zu schnell oder wenn man in der Politik zu ungestüm seine Ziele verwirklichen will? – Wir versuchen den Verkehrungen und unerfreulichen Wendungen ihre beunruhigende und verunsichernde Wucht zu nehmen, indem wir sie aus unserer Weltsicht bzw. -Ordnung ableiten und verstehen. Die Zeitung hilft uns dabei. In ihrer Auffassungs- und Darstellungsweise ermöglicht sie dem Leser, das Unerwartete und Verkehrte der Welt in bestimmten Lebenshaltungen oder Formen zu verwurzeln. In ihrer Meinungsführerschaft macht sie einen bestimmten Teufel aus – ob Imperialismus, Sozialismus oder neuer Narzissmus –, der die Welt in Unruhe und Auflösung stürzt. Das Überraschende der Welt wird dadurch absehbar, die Unverstehbarkeit des Geschehens wird dadurch festgemacht: Wir sehen darin das Werk dieses Teufels. In der Vernichtung dieses Teufels liegt dann die beruhigende Aussicht auf eine Welt ohne böse Verkehrungen.
Indem die Zeitung die Welt aus einer festen Perspektive betrachtet und sie in eine bestimmte Richtung auslegt, verdreht und verkehrt hält, stiftet sie eine beruhigende Verlässlichkeit. Beinahe jede Zeitung repräsentiert einen ideologischen Standpunkt, eine bestimmte Sorte des Verkehrt-Haltens. Sie macht uns das Funktionieren der Welt versteh- und überschaubar, indem sie ihre Entwicklung oder ihre Anfälligkeiten an einer Reihe vertrauter und verwandter Punkte festmacht. Eine bestimmte Haltung, Umgangsform oder Mode wird für alle Verkehrungen verantwortlich gemacht: die aufbrausenden oder vorlauten Linken oder die davonbrausenden Raser auf der linken Autobahnspur. Selbst wenn eine Zeitung keine durchgängige oder einheitliche Haltung vertritt, kann der Leser sie durch eine gezielte Auswahl von Artikeln herauslesen.
Bei der Lektüre behandelt der Leser die bei einem Wochenendausflug erlittenen Beunruhigungen. Die Autobahn geriet zu einem Schauplatz für die Konkurrenz verschiedenster Lebenshaltungen. Er fuhr „sicher auf der rechten Seite“ und war beunruhigt und verärgert über die „gewagten Überholmanöver“ und „was da alles links gegangen ist“. Er rechnet mit diesen Lebenshaltungen ab, indem er sich während der Lektüre die Konsequenzen und die Kehrseiten des Ungebremsten vor Augen führt: So sieht er gleich im ersten Artikel die „gewaltsame Durchsetzung“ des Parteivorsitzenden Blum in NRW („Er will mit dem eisernen Besen fegen“; „wie ein Diktator“) aufgrund der eigenen „Erfahrungen in der Hitlerzeit“ im Chaos enden. Im nächsten Artikel macht dann „der Tornado, der in Texas ein ganzes Dorf verwüstet hat“, die Folgen des Ungebremsten offensichtlich. Diese Folgen veranschaulicht er sich jetzt noch einmal nachdrücklich in den „schlimmen Ereignissen vom Wochenende“: Er verfolgt, dass in Bonn ein Flugzeug nur knapp abgestürzt wäre und dass ein Mann auf der Autobahn Köln–Bonn so schnell gefahren ist, dass er sich überschlagen hat und gestorben ist. Weiter geht es dann zu einem Artikel über ein gewagtes Überholmanöver, bei dem vier Personen getötet wurden. Danach verfolgt er, dass Raser ein „Verkehrsunglück mit massenhaft Toten“ verursacht haben. Die Zeitungslektüre schließt dann mit „fünf Toten, die auf einem Militärwagen aufgeladen sind“. Während der Lektüre stellt er diesen Folgen immer wieder die Erfolge seiner eigenen Methoden und Lebensführung („sehen, was machbar ist“, „erst überholen, wenn wirklich alles frei ist“, „sitzsam rechts fahren“) gegenüber: „Ich bin 50 Jahre maßvoll gefahren und habe 8 Millionen Kilometer auf dem Buckel!“ Diese Endabrechnung bestätigt dann im kleinen seine eigenen Lebenshaltungen und Maximen: „Lieber fünf Minuten zu spät als gar nicht ankommen“ – und: „Mit Maß und Vorsicht fährt man immer gut.“
Das Beispiel zeigt, dass die Zeitung die Lebenshaltungen des Lesers bestätigen kann. Sie verdeutlicht, mit welcher Ausrichtung, Maxime oder Lebenshaltung man im Umgang mit den ständigen Verkehrungen des Alltags gut fährt. In ihrer ideologischen Ausrichtung bietet uns die Zeitung einen Rechen, mit dem wir die Vielfalt der Welt in die richtige Richtung bringen können. Sie rüstet uns mit Argumenten aus, die die eigene Weltsicht bestärken und rechtfertigen. Sie gibt uns etwas in die Hand, mit dem wir in der Familie oder auf der Arbeitsstelle anderen Lebenshaltungen gegenübertreten können. Bereits der Besitz einer Zeitung ermöglicht, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Lebenshaltung und Welterfahrenheit zu demonstrieren: Der Leser zeigt, dass er mit der Vielfalt der Welt umgehen kann. Darauf spielt der Slogan „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ an (Werbung der FAZ). Für die Reputation einer Zeitung ist es deshalb wichtig, dass sie eine Ausrichtung hat und ihrer Meinungsführerschaft gerecht wird. Eine vollkommen richtungslose oder, schlimmer noch, objektive Zeitung wäre ebenso langweilig wie beunruhigend.
Auch die Zeitung aus dem feindlichen Lager kann der Bestärkung eigener Positionen dienen und uns helfen, die Verkehrungen der Welt zu entkräften: In mancher Zeitungslektüre werden der Ärger und die Entrüstung über den anderen Standpunkt geradezu aufgesucht und zur bestimmenden Qualität der ganzen Lektüre: Fieberhaft durchsucht man die Zeitung auf Stolperstellen, an denen man sich „stoßen und reiben“ kann. Der dabei aufkommende Ärger und die „tierische Aufregung“ werden sogleich in Empörung und Schuldzuweisungen, die mit Richtigstellungen und Forderungen verbunden sind, verwandelt. Dabei gerät man immer mehr „in Fahrt“ und „bekommt Wasser auf seine Mühlen“. Die Artikel werden nur noch angelesen und sogleich beurteilt. Am Stil wird herumgemäkelt, die politische Einstellung des Autors wird verurteilt, beschriebene Parteien oder Politiker werden verhöhnt. Gegendarstellungen und die eigenen Positionen nehmen immer mehr Raum ein und werden zum übergeordneten Thema. Dabei wandelt sich der Ärger über die Verkehrtheiten der Welt in eine rauschhafte und triumphale Erregung. Man sieht seinen Standpunkt wieder einmal bestätigt und gefestigt. Man fühlt sich bestärkt und im Recht, da man es besser weiß als die Zeitung.
Wenn alle beschriebenen Formen scheitern, die beunruhigende Wucht des Unerwarteten einzudämmen, können wir dennoch beweisen, dass all das Unerwartete und Verkehrte dieser Welt uns nichts anhaben kann: Was auch passiert, wir werden damit fertig. Die Zeitung mit ihrem wechselnden Gelände, mit ihren dicken Brocken, die es zu bewältigen gilt, mit ihren befremdlichen und verwirrenden Seiten, stützt diesen Beweis. Sie wird für uns zur Belastungsprobe, zu einer Art Abenteuerspielplatz des Seelischen. Sie dient dazu, uns für die Verkehrungen und Belastungen der Welt zu präparieren und zu impfen. Wir setzen uns im Kleinen mit den erregenden Ereignissen der Welt auseinander; wir erfahren in der täglichen Zeitungsstunde am eigenen Lektüreschicksal, was uns alles passieren kann, wenn wir uns in die Welt begeben und mit ihr auseinandersetzen. Wir führen uns vor Augen, was wir aushalten und mitmachen können. Wir zeigen, dass wir uns durch Zeilenwüsten und Druckerschwärze kämpfen können und dass wir mit allen Beunruhigungen sowie Unwägbarkeiten/Unwegbarkeiten des Alltags fertig werden können. Bei diesem Beweis werden die Inhalte und Themen der Zeitung oft zweitrangig. Die eigenen Wege und Techniken, die Vielfalt der Zeitung zu bündeln oder zu bannen, geraten in den Blick: Wir sehen uns bei der Zeitungslektüre selber über die Schultern und demonstrieren, dass es uns gelingt, durch geschickte Vorkehrungen, durch Ausklammerungen und Portionierungen, durch Ausweichmanöver, ständige Abbrüche und erneutes Wiedereinsteigen mit allen Beunruhigungen, Belastungen und Unwägbarkeiten/Unwegbarkeiten des Alltags fertig zu werden. Nach der Zeitungslektüre haben wir dann das Gefühl, für die Welt bereit und gerüstet zu sein.
Die Zeitung ist unentbehrlich, weil wir an der Zeitung im Kleinen zeigen können, dass wir mit der Welt im Großen fertig werden. An der Zeitungslektüre führen wir exemplarisch den Kampf und Wettlauf mit dem Wandel der Welt durch. Die äußere Verwandlung, die die Zeitung während der Lektüre durchmacht, bestätigt uns, dass wir heute die beunruhigende Vielfalt der Welt in den Griff bekommen haben und dass das Neue nicht mehr neu ist: Sie wurde „frisch hochgeholt“, „geknickt, gefaltet“, „durchgegrast und abgehakt“, sie sieht jetzt „ausgelutscht und ausgewrungen“ aus und landet im Abfall. Doch in dem Moment, in dem wir glauben, das Neue in den Griff bekommen zu haben, in dem wir die Zeitung ganz durchlaufen und bewältigt haben, bleibt das unzufriedene Gefühl, die Zeit vergeudet und einen Pyrrhussieg errungen zu haben. Die Wandlungen der Welt wirken und beunruhigen uns weiter. Wir sind bereits wieder mit Entwicklungen konfrontiert, die wir nicht verursacht haben, die wir nicht in der Hand haben und denen wir dennoch unterworfen sind. Wir sind und bleiben Ewige Zweite und unsere ewig ungeklärte Lage fordert ewig neue Klärungen. Am nächsten Tag erscheint die neue Zeitung.
„Ein Mensch, der Zeitung liest, erfährt:
‚Die Lage völlig ungeklärt.‘
Weil dies seit Adam so gewesen,
wird man auch weiter Zeitung lesen.“
Arbeitsgemeinschaft für Kommunikationsforschung e. V. (Hg.) (1980): Mediennutzung – Medienwirkung. Berlin.
Baumgärtner, A. C. (Hg.) (1974): Lesen – Ein Handbuch. Hamburg.
Dorsch, P. E. (1980): Ein Diskussionsbeitrag zur Medienwirkungsforschung. In: Mediennutzung/Medienwirkung. Berlin.
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Pickenbrock, M. (1986): Untersuchung seelischer Verarbeitungsprobleme beim Sehen der Tagesschau. Unveröff. Diplomarbeit, Köln.
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— (1966): Psychologische Probleme der Presse. In: Publikationsmittel als Bildungsmacht. Die pädagogische Provinz 20 (1–2).
— (1977): Kunst – Psychologie – Behandlung. Bonn.
Verzeichnis der Abbildungen
Titelbild: roman-kraft-_Zua2hyvTBk-unsplash.jpg(OPENAI)
42: A. Dove: Der Kritiker (1925), Collage. Aus: Sanouillet, M. (1988): Dada – von Max Ernst bis Marcel Duchamp, Herrsching.
47: S. Steinberg: New World New York (1964), Zeichnung. Aus: Whitney Museum of American Art (1978): Saul Steinberg. New York.
50: P. Klee: Alphabet I (1938). Aus: Klee, P. (1975): Die Ordnung der Dinge. Stuttgart, S. 177.
53: P. Picasso: Still Life with Fruit, Glass, Knife and Newspaper (1914). Aus: Cirlot, J.-E. (1972): Picasso – Birth of a Genius. New York.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine Neuauflage und wurde per Hand ins Digitale übertragen sowie an die neue Rechtschreibung angepasst. Wir bitten um Nachsicht für eventuelle Fehler.

Der Diplom-Psychologe aus Köln ist Gründer des Markt- und Medienforschungsinstituts rheingold. Grünewald ist ein gefragter Speaker und Bestseller-Autor, u.a. mit den Büchern „Deutschland auf der Couch“ (2006) und „Die erschöpfte Gesellschaft“ (2013) sowie „Wie tickt Deutschland“ (2019).