Vorbemerkung: Das ist die schriftliche Ausarbeitung und Aktualisierung eines Vortrages vor Studierenden der Psychologie im Grundstudium.
Diese Einführung in die Essentials der Theoriekonstruktion der Morphologischen Psychologie besteht aus zwei Teilen.
Zuerst werden Grundbegriffe wie Gestalt, Gestaltqualitäten, das Motivationsmodell und die morphologische Phänomenologie und Interpretation anhand von lebensnahen Beispielen vorgestellt (Beschreibungen des Erlebnisprozesses beim Zuschauen eines Fußballspiels und der Entwicklung einer Bearbeitung eines Paarkonfliktes).
In einem zweiten Teil werden in 10 Setzungen das Bild der Psyche und die methodische Haltung der Morphologischen Psychologie vertieft. Dabei wird auf die KATEGORIEN-Lehre Bezug genommen, wie sie schon zu Beginn der akademischen Psychologie durch Wilhelm Wundt und in neuerer Zeit durch Jochen Fahrenberg begründet wurde. Wie in einem Spiegel lassen sich anhand der dort entwickelten Erkenntnisprinzipien die Grundzüge der Morphologischen Psychologie veranschaulichen.
This introduction to the essentials of morphological psychology theory consists of two parts.
First, basic concepts such as Gestalt, Gestaltqualities, the motivation model and morphological phenomenology and interpretation are presented using reallife examples (description of the experience of watching a soccer game and description of the development of a couple’s conflict resolution).
In the second part, the image of the psyche and the methodological approach of morphological psychology are explored in depth in 10 propositions. Reference is made to the CATEGORY theory, as established at the beginning of academic psychology by Wilhelm Wundt and more recently by Jochen Fahrenberg. As in a mirror, the basic features of morphological psychology can be illustrated using the principles of knowledge developed there.
Fritz B. Simon formuliert zum Abschluss seiner Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus zehn Gebote systemischen Denkens. Eines davon soll unseren Gedankengang methodisch leitend eröffnen:
„Wenn du Informationen schaffen willst, triff Unterscheidungen.“ (1)
Eine zentrale, in unserem Zusammenhang bedeutsame Unterscheidung ist die von Ganzes und Teil.
Was sind Teile in der psychologischen Theoriebildung? Nehmen wir die Definition der Gegenstandsbildung der Allgemeinen Psychologie wie sie in dem weit verbreiteten Lehrbuch von Kiesel/Spada (Hrsg.), 2022) steht:
„In der Allgemeinen Psychologie werden Fragen der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und Lernens, des Problemlösens, Denkens und Entscheidens, der Sprache, der Emotion, der Motivation und der Psychomotorik behandelt. Das Ziel ist die Formulierung allgemein gültiger Gesetzmäßigkeiten für psychische Grundfunktionen…“ (2)
Hier werden die zu untersuchenden Phänomene als Ausdruck, Wirkung und Zusammenspiel von Teilfunktionen des Psychischen aufgefasst.
Zur Veranschaulichung sei die Theorie der Verantwortlichkeit von B. Weiner (1986) aufgeführt. In dieser Theorie wirken Gedanken (das Denken) auf das Fühlen ein, und das Fühlen verursacht dann letztendlich das Verhalten.
In den Studien von Weiner geht es darum, dass Personen, je nachdem in welchem Maße sie sich oder anderen, für eine Handlung die Verantwortung zuschreiben (Attribuierung), unterschiedliche Gefühle entwickeln. Die Zuschreibung von Verantwortung wird als Denkvorgang aufgefasst. Nach Weiners Theorie lässt dieser Vorgang mit höherer Wahrscheinlichkeit z.B. Schuldgefühle entstehen, wenn eine Person sich in starkem Maße für ein negatives Ereignis die Verantwortung gibt. (Exemplarisch ein Schüler, der seine mangelnde Klausurvorbereitung zur Ursache für seinen Misserfolg erklärt.) Dementsprechend entwickeln sich beispielsweise bei den Eltern des Schülers mit hoher Wahrscheinlichkeit Gefühle von Ärger, wenn sie das Scheitern ihres Kindes seinem fehlenden Engagement zuschreiben. Umgekehrt entsteht bei den Eltern eher Mitgefühl, wenn sie den Misserfolg des Kindes auf eine unverschuldete Notlage, z.B. auf eine länger andauernde Krankheit, zurückführen.
Dabei zeigen die Studien, dass Personen, wenn sie die Notlage eines Menschen als selbst verursacht interpretieren, weniger bereit sind, Hilfe zu leisten, (also zu handeln) und stattdessen eher Aggressionen entwickeln. Umgekehrt zeigen sich Tendenzen, den anderen zu unterstützen, wenn man seine Notlage als von außen verursacht identifiziert und dadurch Mitgefühl entsteht. (Rudolph et.al. 2004)
In dieser Theorie sind also die seelischen Teilfunktionen – Denken, Fühlen und Handeln – in ein bestimmtes, bedingendes Nacheinander gebracht worden.
Was ist dem gegenüber der Versuch, über Ganzheiten der seelischen Prozesse habhaft zu werden und ihr Funktionieren zu verstehen und zu erklären?
Für eine erste Annäherung und Veranschaulichung ziehen wir die Untersuchungen zur sog. inattenional blindness (Unaufmerksamkeitsblindheit) heran (Simons, 2000).
Probanden sind aufgefordert, Ballwürfe in einem Spiel zweier Teams zu zählen, dass ihnen vermittels eines Videos präsentiert wird. Während des Spiels der beiden Teams läuft ein Mensch im Gorillakostüm oder mit einem aufgespannten Regenschirm durch die Spielszenen. Meist haben fast 50 % aller Probanden angegeben, den Gorilla bzw. den Menschen mit dem Regenschirm nicht gesehen zu haben.
Wie lässt sich dieser Befund von einem ganzheitspsychologischen Ansatz aus verstehen und erklären?
Die seelischen Teilfunktionen Wahrnehmung und Aufmerksamkeit sind keine starren Vermögen, sondern ihre Erscheinungsformen und ihr Funktionieren werden bestimmt von übergreifenden Prozessen und Strukturzügen in der gerade sich herstellenden Handlungseinheit (Salber, 1965). (3)
Was sind das für übergreifende Prozesse und Strukturzüge beim sog. Gorillaversuch?
Da ist zum einen die Ausgangslage der Geschehenseinheit, die auf ein bestimmtes Ende und Ergebnis zusteuert (Beginn und Ende der Zählaufgabe). Das ist gleichsam die Klammer, die dem Geschehen den Rahmen gibt. Indem sich die Probanden auf diese Anforderung einlassen, entsteht im seelischen Prozess eine starke Zentrierung und Fokussierung. In dem anhaltenden Bemühen, der Zählaufgabe gerecht zu werden, entwickeln die Probanden eine durchgängige, steuernde Gerichtetheit. Dieser Formzwang einer Fokussierung steuert die Wahrnehmung von Objekten und die Zuwendung von Aufmerksamkeit. (Vieles wird ausgeblendet, was nicht zur Aufgabe passt, ohne dass dieser Vorgang den Probanden bewusst wird.)
Ist diese Gerichtetheit nicht notwendig in einer vergleichbaren Versuchsanordnung ohne Zählaufgabe, werden die auffälligen Objekte von den Probanden leicht entdeckt.
Aus der Perspektive der sich vollziehenden Handlungseinheit handelt es sich beim Gorillaversuch also nicht um Unaufmerksamkeit in dem Sinne, dass hier eine fehlerhafte Leistung der Probanden vorliegt. Vielmehr zeigt sich, dass die Teilfunktionen des seelischen Apparates (Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Denken) im Dienste der sich gerade notwendig entwickelnden Geschehenseinheit stehen.
Fokus des Ganzheitsansatzes in der Psychologie und insbesondere in der Gestalttheorie der Kölner Schule sind nicht seelische Einzelfunktionen, sondern komplette Wirkungseinheiten mit ihren Leitthemen und ihren durchgängigen bewegenden Zügen.
Entsprechend formuliert Salber: „Es geht der Psychologie um die Sinneinheiten des Seelischen.“ (4)
Beispiel: Herr M. 44 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, berichtet in einer Therapiesitzung, er könne sich manchmal so in einen Prozess hineinsteigern und so fokussieren, dass er alles ihn Umgebende ausblende und er in diesem Geschehen sich zu Verhaltensweisen hinreißen lasse, die er als gar nicht zu sich gehörig empfinde.
Letzten Samstagnachmittag habe er sich die Fußball Bundesligapartie des Vereins seines Herzens angeschaut, die im Fernsehen übertragen wurde. Er habe seine Familie gebeten, ihn nicht zu stören. Mit einer behaglichen Vorfreude habe er es sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht. Doch schon nach relativ kurzer Zeit sei er in eine Unruhe hineingeraten, auf dem Sofa hin und her gerutscht; sein rechtes Bein habe manchmal ausgeschlagen, so als wolle er einen Schuss mit dem Ball selber in dem Moment ausführen. Sein Oberkörper sei immer wieder unwillkürlich in ein heftiges Schaukeln vor und zurück geraten. Er habe gestöhnt und unmerklich habe er angefangen, zu fluchen. Mit der Dauer des Spiels seien seine Äußerungen immer ungehaltener geworden. Er habe wahlweise über den Schiedsrichter oder über die Spieler geschimpft, natürlich hauptsächlich über die Spieler der gegnerischen Mannschaft. In seiner Aufgeregtheit sei er, um sich zu beruhigen, in den Keller gegangen, um sich eine Flasche Bier zu holen. Dabei sei er gar kein Biertrinker; das Bier habe er nur für Gäste vorrätig. Das Bier habe ihn tatsächlich etwas entspannt und auf eine komische Weise abgelenkt, so als ob sich eine LMA-Einstellung breitgemacht habe. Dann sei plötzlich eines seiner Kinder ins Wohnzimmer geplatzt. Den Jungen habe er so unverhältnismäßig zusammengestaucht, dass er sich im Nachhinein doch sehr über sich selbst gewundert habe und auch ein wenig geschämt. Das sei auch der Grund, warum er das Geschehen hier vorbringe. Der Sohn habe ihn auch noch ausgelacht, weil er „Tor“ geschrien habe, obwohl der Ball danebengegangen sei…“
Die Beschreibung des Mannes macht deutlich, dass es sich hier um eine aus dem Fluss des Alltagsgeschehens abhebbare Geschehenseinheit handelt. Es entwickelt sich ein kleines Alltagsdrama, eine in sich überschaubare Stundenwelt oder Erlebnis bzw. Handlungsganzheit. (Salber, 1965) Und wir können nachvollziehen, wie bestimmte übergreifende Züge die Einzeltätigkeiten der Psyche bestimmen. Ein hervorstechendes durchgängiges Leitthema dieser Ganzheit sind Spannungen. Es ist offensichtlich, dass der Fan mit der Erwartung, Hoffnung und Zielrichtung schaut, seinen Verein siegen zu sehen. Diese von ihm vorgenommene Festlegung (Setzung) drängt auf eine Erfüllung. Das ist die Grundspannung, die dem ganzen Prozess seinen Sinn gibt. Man kann auch sagen, dieser Sinn, das Erlebnis des Erfolges seiner „Herzensmannschaft“, soll in dieser Ganzheit hergestellt werden. Die strukturelle Grundspannung von einer Setzung, die auf Erfüllung drängt, gerät aber in Widerspruch zum tatsächlich sich einstellenden Geschehen. Die Darbietungen der favorisierten Mannschaft erfüllen den Fan nicht. Die Spannung zwischen Wunsch und Wirklichkeit produziert zum einen die Unruhe und die Unmutsäußerungen, aber gleichzeitig führt sie auch dazu, dass der Zuschauer umso intensiver in den Prozess verwickelt wird und ihn zugleich mit noch mehr Verve betreibt. Je mehr die Erfüllung seiner Setzung gefährdet erscheint, verstärkt und steigert sich der Prozess:
„Das seelische Geschehen wird in Spiel und Gegenspiel entwickelt: was sich aufbaut, wird durch Auflösung und Gefährdung bedroht und sucht sich infolgedessen zu verstärken und zu steigern.“ (5)
Dieser sich ins Verbissene dramatisierende Prozess führt dazu, dass der Zuschauer etwas wahrnimmt, was gar nicht geschehen ist (ein Tor der favorisierten Mannschaft). Störungen, die von Außen einwirken (Sohn), beantwortet er mit Verbalattacken; und er sucht eine für ihn völlig überraschende Lösung für die erlebten Spannungen (Biertrinken), die aus seinem Selbstbild fällt und ein „Fremdheitsgefühl“ gegenüber sich selbst entstehen lässt.
Die einzelnen Wahrnehmungen, Gefühle, Handlungen usw. (die sog. Grundfunktionen der Psyche) werden aus Sicht einer „radikalen Ganzheitspsychologie“ (Salber, 2015) verstehbar, wenn wir die übergreifenden Wirkungszusammenhänge untersuchen, in denen sie entstehen.
In seiner Habilitationsschrift Der psychische Gegenstand (Bonn, 1959) stellt Salber die These auf, dass jede psychologische Theorie drei Grundfragen beantworten muss: Mit welchen seelischen Einheiten arbeitet die Theorie? Wie erklärt sie, wie sich ein Zusammenhang in psychischen Prozessen herstellt? Und nicht zuletzt, wie kommt es zu Richtungswechseln in diesen Prozessen?
Am Beispiel von Weiners Theorie der Verantwortlichkeit lassen sich die drei Grundfragen folgendermaßen beantworten:
Einheiten sind die Grundfunktionen Denken – Fühlen – Handeln. Der Zusammenhang und der Richtungswechsel des psychischen Ablaufs werden als statistische Wahrscheinlichkeiten angegeben. Wenn ein bestimmtes Denken X vorliegt tritt ein bestimmtes Fühlen Y und ein bestimmtes Handeln Z mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit A auf.
In unserem kleinen Beispiel des Fußballzuschauers zeigt sich ein anderer Versuch, die Grundfragen der psychologischen Theoriebildung zu beantworten.
Hier werden die psychischen Prozesse nach ihrer Sinnproduktion befragt und aufgesucht. Unser Alltag ist von solchen Prozessen durchzogen: Die Morgenrituale: Aufstehen, Sich zurechtmachen, Frühsport, Frühstück, die Kinder versorgen etc.; der Weg zur Arbeit; die unterschiedlichen Arbeitsprozesse; das Einkaufen; die Sexualität; das Spielen; das Tanzen; die Feste; der Medienkonsum, Kino, Fernsehen, Literatur; usw. usw.
In all diesen Prozessen will sich ein Sinn herausbilden, ein Ergebnis, eine Leistung, eine Erfüllung, eine Befriedigung, ein Werk. Das ist in vielen Fällen auch der Prozess selber. Will ich zum Beispiel einen Tanz erlernen, kann es gut sein, dass das Erlernen selber, das Aufgehen in der Bewegung und der Begegnung mit dem Tanzpartner schon als Erfüllung erfahren wird, und nicht nur das Ergebnis des Lernprozesses, dass ich den Tanz beherrsche.
An die Stelle all dieser Begriffe für den Sinn, das Ergebnis, die Leistung, das Werk, die Befriedigung, die Erfüllung, aber auch für das Scheitern und der Destruktion seelischer Prozesse und für den Prozess selber und seine verschiedenen durchgängigen Züge setzt die Morphologische Psychologie einen Grundbegriff, den Begriff der Gestalt.
Die seelischen Grundeinheiten der Morphologischen Psychologie sind Gestalten.
Damit ist auch schon eine erste These der Motivationstheorie der Morphologie gegeben:
Seelische Prozesse wollen und müssen Gestalt werden, wollen und müssen Sinneinheiten bilden.
Welchen Vorteil sieht eine Theorie in der Gegenstandsbildung (in dem Konstrukt) der Gestalt?
Nehmen wir die Prozesse (wie in unseren obigen Beispielen: Zählaufgabe und Fußballspiel verfolgen), die von einer bestimmten Ausgangslage spannungsvoll auf eine Erfüllung zusteuern. Indem ich diese Strukturzüge gestalthaft zusammensehe, habe ich ein einfaches Bild von einem Zusammenhang. Und eben erst einmal nicht ein Nebeneinander von Einzelheiten und Variablen. Gestalthaft sehen und Beschreiben bedeutet immer von vornherein Beziehungen und Verweise in den seelischen Vorgängen in den Blick zu nehmen.
Eine Vorstrukturierung durch die Funktionen wie Denken, Fühlen, Wahrnehmen, Empfinden etc. fällt weg.
Ein zweiter Vorteil der Grundeinheit Gestalt liegt darin, dass jeder Zusammenhang individuell qualifiziert werden kann, aber auch muss. Die Erfahrung einer Erfüllung z.B., ist je eine andere, ob ich endlich einen Tanz beherrsche, eine Denksportaufgabe gelöst, oder den Sieg meiner Herzensmannschaft erlebe.
Beispiel: Sitzung einer Paarberatung mit Frau S. 42 J. und Herrn S. 45 J.
Frau S. eröffnet die Sitzung, weil sie heute einen Konflikt besprechen möchte, der ihre Beziehung seit dem Beginn vor 17 Jahren begleite. Sie habe ihren Mann immer wieder darum gebeten, dass er, wenn er es absehen könne, dass er später als nach Mitternacht nach Hause kommen wird, er sich kurz melden solle, entweder durch Anruf oder mittlerweile durch Kurznachricht per SMS. Wenn er sich nicht melde, könne sie nicht einschlafen und sie liege dann in einer Unruhe wach, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihr Mann nach Hause komme; dies könne manchmal bis zwei oder drei Uhr in der Nacht gehen. Von fünf Fällen, in denen ihr Mann mit seinen Freunden unterwegs sei, erfülle er ihr einmal diesen Wunsch.
An dieser Stelle unterbricht Herr S. den Bericht seiner Frau und sagt, dies stimme nicht. Er würde mindestens jedes zweite Mal, wenn er mit seinen Freunden unterwegs sei, sich melden. Daraufhin erhebt Frau S. ihre Stimme und antwortet schrill: „Du machst Dir was vor, du redest dir die Wirklichkeit schön, aber das machst du ja öfters.“ Dabei macht sie eine abfällige Handbewegung und ihr Gesicht nimmt den Ausdruck höhnischer Geringschätzung an.
Die Stimmlage von Herrn S. bekommt jetzt ebenfalls einen geringschätzigen Unterton als er antwortet: „Und du hast es in 17 Jahren nicht geschafft deine albernen Ängste in den Griff zu bekommen.“
Im weiteren Verlauf der 90minütigen Sitzung haben wir gemeinsam die psychischen Prozesse herausgearbeitet, die zu diesem Gesprächsverlauf führten, der ja rasch in gegenseitigen Vorwürfen mündete.
Herr S. konnte dann im Laufe der Besprechung beschreiben: Er sei sofort in einer Verteidigungs und Abwehrhaltung gewesen, schon als seine Frau diesen Uraltkonflikt wieder aufs Tapet gebracht habe. Er habe wohl nur noch halb zugehört und nur gedacht, ‚Ach, wieder diese alte Leier.‘ Er habe reflexhaft eingeworfen, ohne weiter nachzudenken, dass er sich ja jedes zweite Mal melde. Klar, als seine Frau im Gespräch durch die Aufzählung der letzten Konfliktverläufe nachwies, dass er Unrecht hatte, musste er das auch zugeben.

Frau S. konnte im Laufe der Sitzung beschreiben, dass sie schon an der Körperhaltung und am Gesichtsausdruck ihres Mannes abgelesen habe, dass er nichts von diesem Problem zwischen ihnen hören wollte. Sie habe sich zum so und so vielten Male nicht ernstgenommen gefühlt. Sie habe gedacht: ‚Dieses arrogante Arschloch.‘ Sie habe Ohnmacht gefühlt. So als ob sie gegen eine Wand reden würde. Es kamen Wut, aber auch Anflüge von Angst, Verlorenheit und Resignation hoch: „Ich hätte ihm in dem Moment eine klatschen können.“ Und dann habe sie verbal draufgehauen.
Gestalten sehen und beschreiben bedeutet, dass die Morphologische Psychologie die seelischen Prozesse nicht in letzte Einzelheiten auflöst. Die einzelnen Verhaltenssequenzen, die wir beobachten, und die Wahrnehmungen, Empfindungen, Gefühle und Gedanken, die uns die Menschen mitteilen, werden in Entwicklungsqualitäten zusammengefasst, die Ausdruck einer Gestalt-Bildung sind.
Herr S. nimmt eine erste psychologische Vereinheitlichung selber vor, indem er von seiner Verteidigungs und Abwehrhaltung spricht. Das ist eine GestaltBildung. Sie zeigt sich durch verschiedene Ausdrucksformen: Körperhaltung (Arme vor der Brust verschränken), Mimik (genervter Gesichtsausdruck), teilweises Abschalten der Aufmerksamkeit („halb zugehört“), sein abwertender Gedanke („alte Leier“).
Die seelische Entwicklungsqualität, die den Prozess von Herrn S. quer durch alle Einzelmanifestationen in diesem Fall charakterisiert, ist eine Verschlussbewegung, im Gegensatz zu einer Öffnung, einem Sich-Zuwenden, einem Aufmerksam-Werden gegenüber seiner Frau.
Auch Frau S. gerät in eine Verschlussbewegung. Sie erlebt Ohnmacht („meine Botschaft kommt einfach nicht an“) und Abwertung („werde nicht ernstgenommen“). Sie befindet sich in einer Enge. Das ist die entscheidende Qualität dieser Erfahrung von Blockiert-Werden und selber blockiert sein. Sie befreit sich aus der Enge, indem sie zu einem verbalen Angriff übergeht („redest dir die Wirklichkeit schön“).
Das, was wir am Verhalten der Menschen beobachten und das, was sie uns an Einzelphänomenen mitteilen, fassen wir zu seelischen Gestalten mit bestimmten Ausdrucksqualitäten zusammen: Sich-Öffnen Sich-Verschließen, Einladen-Abwehren, Angegriffen-Werden, Zurückschlagen, Vereinfachen Differenzieren usw.
Sehen wir uns zur Veranschaulichung die Weiterentwicklung des Konfliktgespräches unseres Paares an.
Die Frau wollte mit ihrem Wunsch, benachrichtigt zu werden, wenn ihr Mann sehr spät nach Hause kommt, ernstgenommen werden. Der Ehemann wollte gerne von ihr den Freibrief haben, es ihm zu überlassen, wann er sich meldet. Manchmal gab er dem Wunsch der Frau nach, meistens passte es ihm nicht in den Kram.

Aber – und das ist ein wichtiger Wirkungsfaktor für den Prozess – beide sitzen in der Paarberatung, weil sie lernen wollen, Konflikte besser zu lösen. Faktisch im Paargespräch entwickelte sich aber erst einmal eine Verhärtung des Prozesses. Frau S. fühlt sich in ihrem Anliegen nicht angenommen, weil ihr Mann das Problem bagatellisiert und nicht ernsthaft aufgreifen will. Es kommt zu gegenseitigen Vorwürfen. Herr S. wirft seiner Frau ihre in seinen Augen unangemessene Ängstlichkeit vor, seine Frau kontert, in dem sie ihm seine Sturheit, fehlende Empathie und Verbohrtheit vorhält.
Frau S. insistiert und fragt ihn noch einmal, weil sie ihn wirklich verstehen möchte, was denn so schlimm daran sei, sie anzurufen. Nach mehrmaligem Sich-Winden und Ausflüchte-Suchen kommt Herr S. zu verschiedenen Beschreibungen:
Er möchte keine Sprüche von seinen Kumpels hören, er stünde unter dem Pantoffel seiner Frau; auch habe er das Gefühl, kontrolliert zu werden, wie durch eine Mutter; er möchte auch mal das Gefühl haben, sich gehen lassen zu können, ohne sich abstimmen und Rücksicht nehmen zu müssen.
Jetzt kommt es zu einem qualitativen Sprung in der Begegnungsqualität des Paares. Frau S. zeigt für alle beschriebenen Befindlichkeiten ihres Mannes Verständnis. Das erleichtert ihn zutiefst. In der nächsten Sitzung berichtet das Paar, das die Stimmung zwischen ihnen viel weicher geworden sei. Beide seien dankbar. Frau S.: „Weil er sich so menschlich gezeigt hat in seinen Bedürfnissen und Ängsten…“ Herr S.: „Weil beides das gleiche Recht bekam, ihre Ängstlichkeit und meine Wünsche.“
Nach ein bis zwei weiteren Sitzungen berichtete das Paar erstaunt, dass sie beide weniger stur im konkreten Konflikt auf ihren Positionen beharrten. Frau S.: „Wenn er mal nicht anruft, ist auch okay…“ Herr S.: „Ich weiß auch nicht, aber es fällt mir leichter, mich zu melden…“

Hauptkennzeichen der Gestaltbildungsprozesse, wie sie sich das Theoriemodell der Morphologischen Psychologie vorstellt, ist das Miteinander-Ringen und das gleichzeitige Zuarbeiten verschiedener seelischer Tendenzen. In unserem Beispiel ist das Miteinander-Ringen, aber auch der Versuch, Lösungen zu finden, greifbar. Gleichzeitig wird auch klar, dass dies ein offener, riskanter Prozess ist. Ein Prozess, der scheitern kann, der in Verhärtungen, Verletzungen, Distanzierungen und in Kombination mit weiteren ungelösten Konflikten zum Zerfall und Zerstörung einer Lebensform (in unserem Fall einer Ehe) führen kann.
Dass sich in dem Beispiel das intendierte Ziel (die angestrebte Gestaltbildung/ Sinneinheit), Konflikte, besser lösen zu können, erreichen ließ, ist keine Selbstverständlichkeit. Es hätten sich auch andere seelische Tendenzen (Verwandlungsrichtungen) durchsetzen können (die Verhärtungen, Verletztheiten, Sturheiten, die sich in der erlebten Wut, Enttäuschung, Ohnmacht und dem Ausflüchte-Suchen ausdrückten).
Es gibt keine eingebaute Garantie in Systemen (Gestaltbildungen), egal ob bei einzelnen Menschen, Paaren, Familien, Gruppen, Orga-nisationen oder ganzen Gesell-schaften, die dafür sorgt, dass es zu lebensbejahenden Lernprozes-sen kommt.
Selbstzerstörerische Muster wie Starrheit, Verleugnung von Reali-täten, Konfliktvermeidung, Expan-sion von Partikularinteressen, Verweigerung von Kompromissen und von Kompetenzerweiterung müssen in einem ständigen Auf-wand bearbeitet und bekämpft werden.
Dieses grundsätzliche Gegen und Miteinander von Etwas will und muss Gestalt werden und der prinzipiellen Offenheit und Wandelbarkeit seelischer Prozesse fasst die Morphologische Psychologie unter dem Begriff Versalitätsproblem zusammen. Das Lateinische versare meint, sich drehen und wenden; und doch muss in den ständigen Drehungen und Wendungen seelischen Geschehens etwas herauskommen, eine bestimmte Gestalt. Sprich – ein sinnhafter Zusammenhang, der uns gleichzeitig Halt, Berechtigung, Beweglichkeit, Perspektiven, verlässliche Muster und Könnensformen ermöglicht.
Wodurch ist diese Gestalt in unserem Beispiel zustande gekommen?
Zugespitzt ausgedrückt, eben durch die Wandelbarkeit (Versatilität) seelischer Produktionen.
In einer ersten Wendung der Auseinandersetzung waren typische Ausdrucksformen von konflikthaften Prozessen zu beobachten: Ausweichen, Versuche, den Weg des geringsten Aufwandes zu gehen, es sich bequem machen, den Konflikt scheuen, Versuche, Unlusterfahrungen zu vermeiden, Verhärtungen der Positionen, Vorwürfe, Angriffe, Abwertungen.
Aber dann kam eine zweite Wendung zustande, weil beide Protagonisten am Ball blieben, ihre ursprüngliche Setzung weiterverfolgten: (‚Wir wollen vorankommen, unsere bisherigen Muster überwinden.‘)
Versionen der Gestaltbildung (Exemplarisch):
1. Gestaltlogik:
Ausgangspunkt unserer Beschreibungen sind immer Gestaltqualitäten, die meist ein Ineinander verschiedener und sogar widersprüchlicher Ausdrucksgehalte darstellen.
2. Gestalttransformation:
Im seelischen Geschehen sind universale Verhältnisse wirksam, die Umwandlungsprozesse vorantreiben: beweglich-fest, chaotisch-ordnend, einheitlich-vielfältig, bindend-lösend, steigern-mindern, aneignen-entfremden, wachsen-zerfallen usw.
3. Gestaltkonstruktion:
Spiegelungen, Symbolisierungen von Grundkonflikten ermöglichen einen Ebenen-wechsel. Z.B. im Tragischen das Komische erleben. Durch Humor, Witz und Ironie ein einfaches Gegeneinander überschreiten usw.
4. Gestaltparadoxie:
Das Eigene durch das Fremde erfahren und erst entwickeln. Den seelischen Halt nur durch Veränderung aufrechterhalten. Die Vielfalt der Möglichkeiten nur durch einzelne Entscheidungen erfahren. Im Alles-Verfolgen-Wollen im Nichts landen. Im Sich-Verlieren sich wiederfinden. Das Selbstverständliche, das die Mehrheit lebt, benötigen, um das eigene Individuelle zu entfalten. Das Allgemeine braucht das Besondere und umgekehrt, sonst kann das je eine sich nicht entwickeln.
Statt auf den vorgeschobenen Abwehrbollwerken zu bestehen, wandten sich beide einander zu: Die Frau, indem sie ernsthaft vermittelte, sie wolle ihren Mann in seinen Beweggründen für sein Verhalten verstehen, ohne ihn abzuwerten wie zuvor, und der Mann, indem er sich auf eine Beschreibung seines tatsächlichen Erlebens einließ. D.h., er traf die Entscheidung, sich anders zu zeigen. Er ging ein Risiko ein. Er zeigte sich verletzlich.
Dies führte zu einer dritten Wendung. Seine Frau konnte ihn jetzt gerade wegen dieser Verletzlichkeit annehmen, das milderte deutlich seine insgeheimen Ängste, abgewertet und vielleicht sogar für seine Schwächen verachtet zu werden. Das Paar war sich auf einmal in einer Weise nahe, wie beide es nicht erwartet hatten.
Dies führte zu einer vierten Wendung. Die Härte und Starrheit der anfänglichen Konfliktpositionen (‚Du sollst mich immer benachrichtigen vs. ‚Das mache ich, wann es mir passt.‘) weichte spürbar auf.
Und – das ist ganz entscheidend – dieser Lösungsprozess konnte das Vorbild für ein neues noch weiter einzuübendes Muster werden, wie in Zukunft mit Konflikten umgegangen werden kann.
Die morphologische Theoriebildung stellt sozusagen eine Mechanik mit spez. Stellschrauben heraus, die den seelischen Zusammenhang und seine Richtungswechsel bewirken: Das Betreiben und Erleiden von Lebensformen vollzieht sich in typischen Versionen der Gestaltbildung.
Veranschaulicht an unserem Beispiel: Die Setzung (Wir wollen lernen, unsere Konflikte besser zu lösen.) kann sich zuerst nicht weiterentwickeln, weil sich die Gestaltqualität (1. Version) einer Verhärtung von Positionen einstellt.
Diese wird aufgeweicht durch neue Entscheidungen, sich aufeinander einzulassen und sich zu öffnen (2. Version: Transformation).
Das ermöglicht eine gegenseitig differenziertere Wahrnehmung. Jeder kann am anderen die eigene Verletzlichkeit sehen. In dieser gegenseitigen Spiegelung erfährt der Prozess eine Umkonstruktion (3. Version: Umkonstruieren des Prozesses/ Gestaltkonstruktion). Damit ergibt sich die Möglichkeit, sich neu berühren zu lassen. Ängste werden deutlich abgemildert.
Das wiederum ruft paradoxe Wirkungen hervor. Das ursprünglich Fremde (Verletzlichkeit, Ängstlichkeit und Härte, die man bisher nur im anderen sah.) ist das Eigene. (4. Version: Gestaltparadoxie).
Und in dieser Erfahrung entsteht die tatsächliche Aussicht auf ein neues Muster der Konfliktlösung.
Bejahende Lebensformen sind Prozesse, die unbedingte Kennzeichen haben:
1.Einzelne seelische Manifestationen wie Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle etc. sind Ausdruck übergreifender Gestaltbildungen, die durch übergreifende Qualitäten beschreibbar sind.
(s. o. die Beschreibung der Handlungsganzheit (Fußballspiel ansehen) und die Entwicklung und Bearbeitung eines Paarkonfliktes.)
2.Das bedeutet, wenn wir die Wirkung von einzelnen seelischen Manifestationen untersuchen, beziehen wir sie immer auf einen umfassenden Kontext/Zusammenhang.
(Ängste z.B. können Motor sein, sich Herausforderungen zu stellen oder aber bestehende Hemmungen verstärken. Ob sie Motor sind oder hemmend wirken, hängt von den übergreifenden Gestaltbildungen ab, in denen sie auftreten usw.)
Dieser Sachverhalt führte schon Wilhelm Wundt zu dem psychologischen Erkenntnisprinzip, welches er die beziehende Analyse bzw. das Kontextprinzip nannte, welches die Relativität und Wandelbarkeit der seelischen Erscheinungen begründet:
„Es besagt, dass jeder einzelne psychische Inhalt seine Bedeutung durch die Beziehungen empfängt, in denen er zu anderen psychischen Inhalten steht.“ (Wundt, W. 1920) (10)
Das Kontextprinzip hat Folgen für die methodische Haltung. Es bestimmt, dass wir keine ein für alle Mal feststehenden Bedeutungen den Handlungen und Erlebnissen zuschreiben, sondern immer wieder scheinbar ähnliche und sich wiederholende Einzelphänomene auf einen übergreifenden Zusammenhang beziehen; erst dadurch wird ihr jeweiliger Sinn und ihre Funktion deutlich.
3.Gestaltbildungen und ihre Qualitäten sind überdeterminiert. Sie bilden ein Indem, heißt, sie sind ein gleichzeitiges Ineinander verschiedener Ausdrucksformen:
Fritz B. Simon: „Die tatsächlich existierende Welt ist immer voller Widersprüche, Antagonismen, Unklarheiten, Vieldeutigkeiten und Oszillationen.“ (13)
(s.o. das Zugleich von Wünschen, Konflikte besser lösen zu wollen und den sich tatsächlich einstellenden Verhärtungen.)
Und weiter Simon: „Betrachte Paradoxien und Ambivalenzen als normal und erwartbar.“ (14)
4. Die seelischen Prozesse gehen immer ins Offene.
(s.o. wie ein banaler Fußball-Fernseh-Nachmittag in eine tiefe Verunsicherung des Zuschauers mündet.)
Auch diese Sachverhalte hat Wilhelm Wundt durch zwei psychologische Erkenntnisprinzipien zu fassen gesucht.
„Handlungsfolgen reichen über den ursprünglich gesetzten Zweck hinaus und rufen neue Motive mit neuen Wirkungen hervor.“ (Herv. d. Verf.) (17)
(Unser Zuschauer Herr M. wollte ein Fußballspiel genießen. Dabei geriet er in einen Prozess, der ihn über sich selbst stolpern ließ und ihn sogar so sehr aufregte, dass er dieses Geschehen in einer Therapiesitzung zum Thema machte (neues Motiv) und in der Auseinandersetzung damit, zu einem differenzierteren Selbstbild kam (neue Wirkungen).
Die Neuschöpfungen als erwartbare Folgen seelischer Entwicklungsprozesse fasst Wilhelm Wundt als Ausdruck eines weiteren Erkenntnisprinzips:
(Herr M. hat seinen Erlebnisprozess und seine Verhaltensweisen nicht einfach hingenommen und gesagt, so war es halt und damit sei es abgehakt. Seine für ihn unerwarteten Reaktionen führten zu einer Selbstreflexion. Er hat sich mit sich selber konfrontiert, das in seinen Augen Unerwartete und Ungewöhnliche zum Thema gemacht. Das ist ein qualitativer Sprung im Erleben und Handeln. Das ist qualitativ mehr und anders als der Prozess, aus dem die Selbstreflexion hervorgegangen ist.)
Wundt hat diesen Vorgang, die „schöpferische Synthese“, seinerzeit noch in den Einheiten der Elementenpsychologie formuliert: Jede Wahrnehmung sei niemals bloß die Summe von Empfindungen, „sondern aus der Verbindung derselben entsteht ein Neues mit eigentümlichen Merkmalen, die in den Empfindungen nicht enthalten waren“ (20)
Also schon einige Zeit vor den Einsichten der gestaltpsychologischen Forschung (Ehrenfels, Ch. v. 1890) wurde das Produktionsprinzip, das seelische Prozesse kennzeichnet, formuliert.
Zu 4.: Das Scheitern von lebensbejahenden Gestaltbildungen
An den Stellschrauben einer gelungenen Gestaltbildung, (wie die oben beschriebene Paarkommunikation), lässt sich leicht das Gegenteil demonstrieren, nämlich das, was zu Stagnation, Zerfall und Zerstörung von Gestaltbildungsprozessen führt.
- Starrheit: Das Festhalten an Setzungen, die sich gegen die auf Veränderung drängenden Prozesse stellen.
- Einwirkungen, die die gegenseitigen Positionen verhärten.
- Verleugnen der Schwächen und Risiken der eigenen Position.
- Das Festhalten an partikularen Interessen, Zielen und Wünschen.
- Überspannte Forderungen, Erwartungen, Ziele an sich und die anderen, die an den Möglichkeiten der Realisierung vorbeigehen (Im Extrem: die Gier des Alles-sofort-auf-einmal)
- Ausblenden von Realitäten
(So hebt Simon zwei Faktoren hervor, die für Menschen wie Organisationen in destruktive Entwicklungen münden: Einmal die Versuche der Betroffenen, die Umwelt als konstant wahrzunehmen, statt ihre Veränderungen in die eigenen Bewältigungsmuster zu assimilieren und zum zweiten der systematische Ausschluss von Informationen, die für das Funktionieren der eigenen Muster notwendig sind. (15)
5. Kernstück der Theorie der Morphologischen Psychologie ist die paradoxe Konstruktion seelischer Prozesse. Sie entstehen aus einem gleichzeitigen Mit und Gegeneinander von Gestaltbildungen.
Das Bild vom Seelischen in der Morphologischen Psychologie lässt sich als eine ständige Rotation fassen. Eine Rotation zwischen den Aufgaben, Notwendigkeiten, Zumutungen, Belastungen des Lebenskampfes und seinen Möglichkeiten, den sich herausbildenden Lebensformen, die Halt, Orientierung, Maßstäbe, Berechtigung, Leitplanken, Erfüllungen und Befriedigungen geben.
Anders gefasst: Alles, was wir in die Welt setzen, (unsere Beziehungen, Tätigkeiten und Werke), unterliegt ständigen Herausforderungen, Belastungen aber auch Möglichkeiten. Die seelischen Produktionen sind Ergebnis aus Transformation, Gegenlauf und Rotation, heißt, aus einem sich ständig drehenden Zugleich von Gegen und Miteinander.
Erläutern wir es an einer Typologie seelischer Grunddimensionen, die wir letztlich in allen psychischen Prozessen aufsuchen können:
Diese Prinzipien gelten für den Einzelnen wie für alle sozialen Formationen und Organisationen, die wir erschaffen.
Zu 5.: Sigmund Freud:
„Wir wollen die Erscheinungen nicht bloß beschreiben und klassifizieren, sondern sie als Anzeichen eines Kräftespiels in der Seele begreifen, als Äußerung von zielstrebigen Tendenzen, die zusammen oder gegeneinander arbeiten.“ (H.d.V.) (21) Und weiter „Es ist wichtig, dass man rechtzeitig beginne mit der Tatsache zu rechnen, das Seelenleben sei ein Kampf und Tummelplatz entgegengesetzter Tendenzen,…es bestehe aus Widersprüchen und Gegensatzpaaren…“ (H.d.V.)(22)Leon Wurmser präzisiert diese Funktionsformel, indem er davon spricht, dass der Psychoanalyse eine „Philosophie“ zugrunde liegt, „die ihr Zentrum in Konflikt und Paradoxie, Polarität und Komplementarität sieht…“ (H.i.O.) (23)
Diese Grundstruktur der Theoriekonstruktion teilt die Morphologische Psychologie nicht nur mit der Psychoanalyse, sondern auch mit der Systemtheorie.
Fritz B. Simon fasst sie lakonisch in zwei Sätzen zusammen: „Es ist ein Aspekt der Selbstorganisation sozialer Systeme, dass sie antagonistische Tendenzen balancieren. Ambivalenz und Konflikt sind ihr Normalzustand“. (H.d.V.) (24)
Alle drei sozialwissenschaftlichen Theorien haben die heraklitische Funktionsformel übernommen: Gegensätzliche Wirksamkeiten gehen Verbindungen ein, bilden Einheiten. Den Nachweis erbracht zu haben, wie das geschieht, wie sich seelische Wirksamkeiten zu Einheiten verbinden, ist der eigentliche Erkenntnisfortschritt seit der Grundlegung der Denkfigur durch Heraklit.
6. Daraus folgt: Ganzheiten, sind aus Sicht der Morphologischen Psychologie bewegte Einheiten aus Widersprüchen; sie bezeichnet sie daher mit einem Oxymoron als ungeschlossene Geschlossenheiten.
Will heißen, seelische Prozesse lassen sich nie als umgrenzte Gebilde fassen, wie wir sie z. B. in der Geometrie als Kreis, Rechteck, Kugel usw. kennen. Sie unterliegen einem ständigen Wandel, sind ständig gefährdet, müssen sich ständig neu erweisen. „Was du auch tust, du gerätst neu in Probleme, Zwickmühlen, Verfehlen.“ (Salber, 1983) (25)
7. Gestaltpsychologie ist notwendig auch Tiefenpsychologie
‚Wir sind nicht Herr im eigenen Haus.‘ Diese grundlegende Folgerung, die Freud aus seiner Arbeit mit seinen Patienten zog, ist eine Setzung, die selbstverständlich auch der Morphologischen Psychologie inhärent ist.
In unseren obigen Beispielen wird deutlich, dass weder die Verlust und Abwertungsängste noch die Konfliktscheue dem Paar direkt zugänglich waren. Ebenso war für den Fußballzuschauer seine Irritation über seine massiv übersteigerten Emotionen und Verhaltensweisen, ein Hinweis auf seelische Agenzien, die er nicht im Griff hatte und schon gar nicht verstand. Sie mussten mit Hilfe therapeutisch-tiefenpsychologischer Interventionen ins Bewusstsein der Protagonisten gehoben werden.
8. Die Psyche ist kein Innen, dass von einem Außen unabhängig existiert.
Zentrale Auffassung der Morphologischen Psychologie ist, dass wir das Psychische nicht als ein Innenleben auffassen können, das unabhängig von der materialen Wirklichkeit existiert.
Die Qualitäten der Dinge und Beziehungen konstituieren das Erleben und die Struktur der Psyche mit. Im Umgang mit den Dingen beseelen wir sie.
Eine Wohnung kann die Geborgenheit einer Höhle, aber auch die Kälte einer Maschinenhalle verkörpern (Gestaltqualitäten des Ausdrucks). Je nach dem, fühlen wir uns angenommen und aufgehoben oder ausgesetzt, abgewiesen und fremd (Gestaltqualitäten des Erlebens).
So ist Kleidung Schutz, Schmuck, Auftritt, Verhüllung, Ausdruck und Versinnlichung von Lebensbildern: Kleider machen Leute.
Nicht von ungefähr ist die Markt- und Werbepsychologie das populärste und erfolgreichste Anwendungsfeld der Morphologischen Psychologie. Denn hier geht es zuvorderst darum, zu erkennen, wie Produkte unsere Alltagsvollzüge mitkonstituieren und sie sich darin einfügen. So können z. B. Zigaretten und Putzmittel als Verbündete besetzt werden bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben. Autos, Skier, Werkzeuge u.a. können als Erweiterung, Ausdehnung und Komplettierung unserer Leiblichkeit, ja sogar unserer Identität erlebt werden. Je nach dem, helfen sie uns, unser Selbstbild zu stabilisieren. (Böhmer/Melchers, 1986)
Zu 8.: Beispiele aus Produkt-Tiefeninterviews:
Banker 61 J.: „Ich weiß, das hört sich komisch an. Aber seit meinem ersten Lehrtag vor 41 Jahren spüre ich jeden Morgen, bevor ich in den Anzug steige, ein Widerstreben. Ich habe den Anzug und das Anlegen der Krawatte immer wie ein Einsteigen in eine Rüstung erlebt. Sich für den täglichen Kampf im Unternehmen zu rüsten und zu schützen. Doch auch als ich mir irgendwann einen Armani-Anzug leisten konnte, konnte auch diese teure Rüstung nie meine Angst vor dem Kampf ganz wegmachen.“
Hausfrau, 45 J.: „Ich muss mir manchmal einen Ruck geben, bevor ich mit dem Putzen beginne. So, als ob ich in eine Auseinandersetzung eintreten würde. Wenn dann mein Blick, nachdem ich den Schrank mit den Putzmitteln geöffnet habe, auf die Flasche ‚Der General‘ fällt, fühle ich fast so etwas wie Erleichterung. Ich weiß, das klingt albern, aber es ist ein Gefühl das sagt: Du bist nicht allein.“
Arbeiter, 48 J.: Am Ende eines Interviews über sein Raucherverhalten fasst der Proband zusammen: „Ja, man kann sagen, die REVAL (Zigarettenmarke) ist mein Freund. Sie begleitet mich über den Tag, von der ersten Zigarette vor dem Klo bis zur letzten vor dem Schlafengehen. Die ist treu, die verlässt mich nicht, wenn ich sie brauche, ist sie da.“
9. Das Medium, an dem wir annähernd fast vollständig das seelische Funktionieren studieren und verstehen können, ist die Kunst.
„Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.“ (Goethe) (26)
Das ist die radikale These der Morphologischen Psychologie: Es gibt keine Sache in der Welt, die uns mehr über uns und unser Funktionieren zeigen kann, als das Kunstwerk. Die Nacht wie die Lichtseiten der menschlichen Existenz spiegeln uns die Künste. (Siehe hierzu Salber 1977, 2002; Debus, 2025)
10. Die seelischen Lebensformen sind als gelebte Bilder, Dramen, Romane, Opern und Tragödien zu begreifen und eben nicht von Einzelfunktionen her.
Nehmen wir zur Veranschaulichung die Bilder, die Horst Eberhard Richter für seine Typologie der neurotischen Familie entwickelte:
Die Familie als „Sanatorium“: Eine angstgetriebene Lebensform, die durch übermäßige gegenseitige Fürsorge und Rücksichtnahme in Lähmung und Stagnation letztlich für alle führt.
Die Familie als „Festung“: Die Bösen sind immer die anderen da draußen (die Nachbarn, die Lehrer, die Ärzte, die Freunde usw.). So muss sich die Familie nicht mit ihrer konflikthaften Dynamik auseinandersetzen.
Die Familie als „Theater“: Es wird nach Außen hin eine Harmonieshow aufgeführt, in der jeder seine Rolle einnimmt, mit dem gleichen Ziel wie oben, sich den Konflikten nicht stellen zu müssen. (Richter, 1970)
Auch mit Eric Berne, (Spiele der Erwachsenen, 1968) und den Transaktionsanalytikern lässt sich die These gut veranschaulichen, dass wir immer komplette Lebens-Bilder aufsuchen müssen, wenn wir die psychischen Formationen begreifen wollen. So entwickelt Karpman anhand des Märchens vom Rotkäppchen das Drama-Script neurotischer zwischenmenschlicher Interaktionen, bei denen die Protagonisten sich zwischen „Retter, Verfolger und Opferrollen“ abwechseln und darin jeweils einen vor sich selbst und den anderen verborgenen seelischen Gewinn erlangen. (27)
Auch für die Morphologische Psychologie sind Märchen eine bevorzugte Script-Vorlage um die Konstruktionen von Handlungsganzheiten, Lebensformen und Organisationen aufzuzeigen und verständlich zu machen. (Becker, 2016, Blothner, 1999, Domke, 2024)
In den seltenen Rezensionen zu Arbeiten und Studien der Morphologischen Psychologie wird immer wieder auf ihre isolierte Position im Kanon der psychologischen Theorien und Methoden hingewiesen. Siehe pars pro toto die Rezension von Christine WeberHerfort zu den Vorlesungen Wilhelm Salbers zur Geschichte der Psychologie. Sie schreibt zurecht, dass dieser Ansatz im Augenblick nur einer kleinen Denkschule zugänglich ist. (28)
Woran liegt das? Hier gilt es vor allem zwei Versäumnisse aufzuführen.
Die Methodik der Morphologischen Psychologie besteht aus einem Ineinandergreifen von Phänomenologie und tiefenpsychologischer Exploration und Hermeneutik. Es gibt kein Lehrbuch, in dem diese Verzahnung von methodisch-psychologischer Wahrnehmung, Beschreibung und tiefenpsychologischer Hermeneutik expliziert und veranschaulicht wird.
Wenn man sich mit Kollegen austauscht, die vor allem in der sozialwissenschaftlichen Methodik des nomologisch-experimentellen Paradigmas ausgebildet worden sind, hört man regelmäßig den Kommentar und die Frage: ‚Sehr interessant, aber wie sind Sie zu ihren Ergebnissen gekommen?‘
Der Prozess der morphologischen Befunderhebung muss in einem grundsätzlichen Sinne aufgewiesen und transparent gemacht werden, so dass er nachvollziehbar wird. Jochen Fahrenberg hat hier mit seiner Heuristik Psychologische Interpretation (2002) eine wichtige Vorarbeit geleistet. Aufgabe der Morphologischen Psychologie ist es, von diesen allgemeinen Grundsätzen her, die Fahrenberg umreißt, ihre spezifischen theoriegeleiteten Vorgehensweisen zu zeigen.
Fahrenberg greift in seiner Arbeit zumindest in Teilen die Geschichte qualitativer Forschungshaltungen in der Psychologie auf (z.B. Heiß, 1947, Thomae, 1951, Jüttemann, 1985, Wengraf, 2001, u.a.). Abgesehen von den Arbeiten von Fitzek (2020, 2023) vermisst man in den spärlichen Explikationen der morphologischen Methodologie fast gänzlich solche Anschlussüberlegungen.
Dies gilt noch umso mehr für die Verortung und Platzanweisung der Lehre in den Kanon strukturalistischer und systemischer Theoriebildung, geschweige denn findet man einen Aufweis ihrer philosophischen Grundlagen (Heraklit, Hegel, Nietzsche, Bergson, Husserl, phänomenologische Anthropologie u.a.).
Salber hat zwar mit seinen drei Bänden zur Entwicklung der Psychologie Freuds solch einen Einordnungsversuch unternommen (1973/74). Aber dieser ist nur schwerlich als eine systematische Argumentation zu identifizieren, die die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Lehren und Vorgehensweisen aufweist. Eher lässt sich polemisch zuspitzen, dass Salber mit Hilfe Freuds die Evidenz seines eigenen Denkens nachzuweisen versucht.
Fitzek hat mit seiner Arbeit Der Fall Morphologie (1994) einen wichtigen Baustein vorgelegt. Von dem aus gilt es die geforderten Einordnungen und Übersetzungen zu entwickeln. Salber zeigt in seinem Buch Psychologie in Bildern (1983) ein paar äußerst rudimentäre Ansätze für diese Anschluss und Abgrenzungsargumentationen zu verwandten Denkfiguren (Straus, 1978, Duncker, 1935 Gombrich, 1967). (29)
Aber diese flüchtigen Hinweise verrätseln mehr, als dass sie die Stellung der morphologischen Begriffe in der Geschichte der psychologischen Theoriebildung erhellen.
Solange diese Einordnungs- und Aufklärungsarbeit nicht geleistet wird, wird die Morphologische Psychologie als eine interessante, aber letztlich nicht transparente Lehre wahrgenommen werden.
Titelbild: Metamorphosis Insectorum Surinamensium, Kupferstich, Bildtafel XXIII, Maria Sibylla Merian (1646-1717) Foto: Wikipedia, gemeinfrei
(1) Simon, F. B. (2006) S. 113
(2) Kiesel/Spada (Hrsg.) (2022) S. 19
(3) Salber, W. (1965) S. 41 ff.
(4) a.a.O. S. 19
(5) a.a.O. S. 265
(6) Deutsch, D. (2021) S.36
(7) Weischedel, W. (2009) S.213
(8) a.a.O. S. 218
(9) Wurmser, L. (1993) S. IX
(10) Wundt, W. (1920) S. 401
(11) Fahrenberg, J. (2013) S. 116
(12) Salber, W. (1965) S. 35
(13) Simon, F.B. (2006) S. 116
(14) a.a.O. S. 116
(15) Simon, F.B. (1999) S. 157 ff.
(16) Wundt, W. (19021903) III S. 789
(17) Fahrenberg, J. a.a.O. S. 117
(18) a.a.O. S 116 ff.
(19) Diels/Kranz (Hrsg.) (2004) DK 10
(20) Wundt, W. (1863), (1894) zitiert nach Fahrenberg (2013) S. 117
(21) Freud, S. (1916/17) (GW Bd.11) S. 62
(22) a.a.O. S. 72
(23) Wurmser, L. (1993) S. 23
(24) Simon, F.B. (1999) S. 165
(25) Salber, W. (1983) S.99
(26) Goethe, JW von (1832) S. 8
(27) Karpman, S. (1968), S. 3943
(28) WeberHerfort, C. (2025) S. 86
(29) Salber, W. (1983) S. 99
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Diplom-Psychologe Ralf Debus arbeitet als niedergelassener Psychotherapeut in eigener Praxis in Köln. Er war 18 Jahre lang Paar- und Sexualberater/Therapeut in einer PRO FAMILIA Beratungsstelle. Zwischen 1978 und 1986 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter von Wilhelm Salber, dem Begründer der Morphologischen Psychologie an der Universität zu Köln. Neben seiner Tätigkeit als Psychotherapeut ist die Wirkungspsychologie der Kunst ein weiterer Arbeitsschwerpunkt. Aktuelle Veröffentlichung: Die Gestaltpsychologie der Kunstbetrachtung: Eine Einführung anhand der Werkbeschreibungen von Werner Schmalenbach, Verlag Bücken & Sulzer, 2025.